Klassisches Flechtwerk

3. August 2003, 22:13
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Das Korbmöbel erzielt nennenswerte Auktionsergebnisse

Bevor mit der Arts-&-Crafts-Bewegung auch die ästhetischen Ansprüche hoch geschraubt wurden, galt das Korbmöbel als Produkt für den Eigenbedarf. Mittlerweile erzielen die Klassiker aus der Welt der biegsamen Ruten nennenswerte Auktionsergebnisse.

Sie lassen an Reisen und Entspannung denken, vermitteln das Flair sommerlicher Ostseestrände, exklusiver Hotelterrassen oder nobler Teepartys am Rand von Golf- und Tennisplätzen: Korbmöbel. Ihre historische Entwicklung ist weniger jene eines bestimmten Möbeltyps, sondern vielmehr eine des Materials.

Die Rohstoffe wurden ursprünglich am Ort ihres natürlichen Vorkommens verarbeitet. Während man im alten Orient vorwiegend Binse verflocht, bildet die Weide in den gemäßigten Klimazonen Europas den wichtigsten Rohstoff. Die weichen und biegsamen Triebe (Ruten) des Laubbaumes werden gemeinsam mit der Rinde bzw. auch geschält und gespalten verflochten.

Mit Beginn der serienmäßigen Korbwarenherstellung verarbeitete man neben den in freier Natur wachsenden Trieben auch im Feldbau kultivierte Weidenruten. In den Tropenzonen Südostasiens ist der Rotang oder Rattan, eine den Wirtsbaum umschlingende Kletterpalme, beheimatet. Im europäischen Sprachgebrauch bezeichnete man Rotang lange Zeit als "spanisch Rohr", abgeleitet von jenen Häfen, über die diese Pflanze zuerst eingeführt wurde.

Variables Rohr

Auf den großen Transportschiffen, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwa Gewürze nach Europa beförderten, war Rotang als leichtes Staumaterial in Gebrauch, das ein Verrutschen der Ladung zu verhindern hatte. Im westlichen Möbelbau diente es vor allem als "Stuhlrohr" für Flechtsitze und Rückenlehnen.

Aus dem fasrigen Inneren der Rotangpflanze wird wiederum das Peddig- oder Kernrohr gewonnen, jenes Material, das ab 1900 die Weidenrute in der Korbmöbelproduktion weit gehend verdrängte.

In den ländlichen Regionen der Habsburgermonarchie war die Herstellung von Korbwaren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts reiner "Hausfleiß" geblieben. Diese Winterbeschäftigung der bäuerlichen Bevölkerung diente lediglich der Deckung des Eigenbedarfs. Nur kleine Mengen verkaufte man auf Jahrmärkten oder über Hausierer.

In Bayern, Frankreich und den Vereinigten Staaten existierte dagegen bereits eine exportorientierte Korbmöbelindustrie. Diese hatte sich aus dem Handwerk der Korbflechterei bzw. aus den spezialisierten Bereichen der Möbeltischlerei entwickelt und gelangte schließlich, unterstützt durch die Reformbestrebungen der Arts-&-Crafts-Bewegung, zur Blüte.

Auch, weil sich dieser Zweig schlichtweg nicht mechanisieren ließ. Selbst wenn man von einem Modell viele Exemplare produziert(e), entstanden und entstehen stets Einzelstücke - ein Umstand, der bei der Preisgestaltung eine verhältnismäßig geringfügige Rolle spielt(e).

Lediglich von renommierten Architekten und Designern entworfene Modelle drangen in den Olymp des internationalen Kunstmarktes vor und erzielen heute nennenswerte Preise. Allen voran stehen die Erzeugnisse der Firma Prag-Rudniker. Als erster Korbmöbelproduzent der Welt ließ das Wiener Unternehmen seine Serienmodelle von Künstlern entwerfen.

Rekord-Purkersdorfer

Zu den bekanntesten Entwerfern Prag-Rudnikers gehörte der Hoffmann-Schüler Hans Vollmer: Vergangenen November wechselte in der Designauktion des Dorotheums etwa ein um 1902/03 entstandenes Fauteuil um 2000 Euro (netto) den Besitzer. Hingegen zahlte ein Sammler bei Christie's 1997 für einen Eichenstuhl mit eingeflochtenen Flächen von Wilhelm Schmidt umgerechnet fast 5500 Euro. Zu den teuersten Prag-Rudniker-Modellen gehören die Entwürfe von Koloman Moser. Im November 2000 wechselte bei Christie's in London sein für die Halle des Sanatoriums Purkersdorf 1903 entworfener Armstuhl für den Rekordpreis von umgerechnet fast 642.000 € den Besitzer.

Etwas bis deutlich günstiger sind Entwürfe von deutschen Kollegen zu haben. Für einen Armsessel mit zugehörigem Hocker von Richard Riemerschmid (1904/06) fiel der Hammer bei Christie's im Oktober 1997 bei umgerechnet 5150 Euro. In der gleichen Auktion gab man einen seltenen Stahlrohrstuhl mit Flechtsitz von Marcel Breuer in Thonet-Ausführung für 6112 Euro ab. Weniger berappt man für nach 1945 entstandene Korbmöbel - einerlei, ob vom österreichischen Maler und Designer Carl Auböck oder dem deutschen Stararchitekten und Designer Egon Eiermann. Für seinen von 1949 bis 1958 entwickelten Klassiker "E 10" - ein einbeiniges, aus zwei Korbschalen bestehendes Flechtobjekt - veranschlagt das Münchner Auktionshaus Quittenbaum zwischen 400 und 600 Euro pro Exemplar. (Olga Kronsteiner/DER STANDARD, Printausgabe, 31.07.2003)

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