Siemens streicht in Mobilfunksparte ICM 2.300 Stellen

7. August 2003, 10:10
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Marktschwäche zwingt Konzern zu weiterer Kostensenkung

Der Siemens-Konzern will in seiner krisengeschüttelten Mobilfunksparte ICM bis Ende 2004 zusätzlich eine Milliarde Euro einsparen und weltweit weitere Stellen streichen.

"Bis Ende des nächsten Geschäftsjahres (zum 30. September) sollen rund 2300 Stellen entfallen, davon 500 in Deutschland", teilte Siemens Information und Communication Mobile (ICM) am Mittwoch in München mit. "Da sind Kündigungen dabei", sagte ein Sprecher, ohne aber konkrete Zahlen zu nennen.

Zusätzlicher Stellenabbau nicht ausgeschlossen

In den vergangenen beiden Jahren waren bei ICM bereits 4.000 Arbeitsplätze gestrichen worden. Auch in weiteren Siemens-Bereichen ist ein zusätzlicher Stellenabbau nicht ausgeschlossen. Insgesamt hatte Siemens bereits den Abbau von mehr als 35 000.Stellen angekündigt.

Hintergrund des heute bekanntgegebenen zusätzlichen Jobabbaus bei ICM sei die anhaltende Marktschwäche, die durch Preisverfall, Überkapazitäten und Investitionszurückhaltung seitens der Kunden gekennzeichnet sei, hieß es. Siemens bekomme wie alle Wettbewerber den erheblichen Margendruck zu spüren. "Diesen Entwicklungen müssen wir Rechnung tragen, um gestärkt aus der Krise zu kommen", erklärte Siemens-ICM-Chef Rudi Lamprecht.

"Die Gespräche hierzu laufen bereits."

"Um weiter profitabel wirtschaften zu können, sollen in den nächsten zwölf Monaten die Kosten um eine Milliarde Euro gesenkt werden", kündigte Siemens an. Hierzu solle unter anderem der Einkauf globaler als bisher gestaltet werden, zudem würden die Zulieferer zu Preissenkungen und günstigeren Zahlungsmodalitäten aufgefordert, erklärte der Sprecher. "Die Gespräche hierzu laufen bereits." Darüber hinaus wolle Siemens Mobile die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten stärker zusammenfassen.

Die Stellenabbaupläne müssen dem Sprecher zufolge nun noch mit der Arbeitnehmerseite diskutiert und umgesetzt werden. Grundsätzlich wolle Siemens Kündigungen vermeiden und sämtliche alternative Möglichkeiten nutzen.

Siemens hat bereits in den Geschäftsjahren 2001/02 und auch im laufenden Jahr für ICM Einsparprogramme in Höhe von jeweils rund einer Mrd. Euro aufgelegt. Darin eingeschlossen war zudem auch der Abbau von insgesamt 4.000 Stellen.

426.000 Mitarbeiter

Siemens hatte konzernweit zum Geschäftsjahresende 2001/02 (zum 30. September) 426.000 Mitarbeiter beschäftigt. Ein Jahr zuvor waren es noch 58.000 mehr gewesen.

Siemens spürt die Branchenkrise derzeit sowohl bei den Handys als auch bei den Mobilfunknetzen. "Der Weltmarkt für Mobilfunknetze ist bereits im letzten Jahr um 15 Prozent gesunken. Im laufenden Jahr schrumpft der Markt um bis zu 20 Prozent", sagte ICM-Chef Lamprecht. Im Handymarkt stagniere der Umsatz trotz steigender Stückzahlen. "Das Geschäft steht bei allen Wettbewerbern unter erheblichem Margendruck." Diesen Entwicklungen müsse Siemens Rechnung tragen, um gestärkt aus der Krise zu kommen.

ICM erzielte im abgelaufenen Quartal einen Bereichs-Gewinn von 17 Mio. Euro. Das Ergebnis war nur wegen Sondereinflüssen positiv. Dabei schrieb der Handybereich Verluste, während das Geschäft mit Mobilfunk-Netzen operativ noch leicht positiv war. Der Umsatz des Bereichs brach um 14 Prozent auf 2,16 Mrd. Euro ein. Der Bereich soll bis 2004 eine operative Marge von acht bis elf Prozent erzielen. Davon ist er noch meilenweit entfernt. Branchenkenner halten daher auch strategische Schritte - wie die Kooperation mit einem Konkurrenten bei Handys - für nicht ausgeschlossen. Siemens kommt bei Handys auf einen Weltmarktanteil von unter zehn Prozent, während Marktführer Nokia auf fast 40 Prozent kommt.

Mobilfunknetze

Die genaue regionale Verteilung des erneuten Stellenabbaus steht nach Angaben eines Sprechers noch nicht fest. Der Großteil entfalle auf den Bereich der Mobilfunknetze. In Deutschland gebe es in den betroffenen Bereichen vor allem in Berlin und München viele Beschäftigte, sagte er. Der Konzern werde sich wieder um eine soziale Abfederung bemühen, betriebsbedingte Kündigungen seien aber nicht ausgeschlossen.

Neben ICM gelten auch die Netzwerksparte ICN, die Industriellen Dienstleistungen, die Automatisierungssparte Dematic, die Gebäudetechnik und der IT-Dienstleister SBS wegen Ertragsproblemen als Kandidaten für weiteren Stellenabbau. Der Siemens-Sprecher sagte, man könne grundsätzlich nichts ausschließen. (APA)

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