Diamantenhandel: Segen für Botswana

3. August 2003, 15:11
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Das südafrikanische Land begrüßt das neue Abkommen: Mit den edlen Steinen finanziert es seine Sozial- und Wirtschaftsprogramme

Da liegt er, der ganze Reichtum des kleinen südafrikanischen Landes Botswana, sortiert nach Farbe, Klarheit, Schnitt und – nach Karat, ordentlich gehäufte Millionenwerte. Bald werden die hellen Glitzersteine in den Schaufenstern der Juweliere von Paris, New York und Tokio funkeln, geschliffen und poliert, in Gold und Silber gefasst. Urkunden werden die Diamanten begleiten, die ihre Herkunft, ihren Handels- und Verarbeitungsweg beschreiben.

Seit Januar hält sich Botswana strikt an das so genannte Kimberley-Abkommen, das den Handel mit Diamanten zweifelhafter Herkunft unterbinden soll. Ab 1. August tritt das Regelwerk für alle siebzig Staaten, die es bisher unterzeichnet haben, in Kraft. Wer jetzt noch nicht beigetreten ist und seine nationalen Gesetze nicht entsprechend angepasst hat, wird es künftig schwer haben, mit Rohdiamanten zu handeln. Denn die neuen Richtlinien – benannt nach der südafrikanischen Diamantenstadt Kimberley, in der vor mehr als drei Jahren der Anfang zu dem Vertragswerk gemacht wurde – sollen korrupten Regierungen in Afrika das Geschäft vermiesen.

Angola, Sierra Leone, die Demokratische Republik Kongo oder Liberia, sie alle haben mit den Edelsteinen Bürgerkrieg und Terror finanziert. Der Handel mit den so genannten Blutdiamanten hinterließ Hunderttausende Tote.

Konfliktfreie Steine

Der edle Rohstoff, der sich Steinchen für Steinchen auf den Tischen der Begutachter im siebenstöckigen Gebäude der botswanaschen Diamanten-Bewertungsgesellschaft Debswana stapelt, ist anders. "Unsere Diamanten sind konfliktfrei" versichert der für die Edelsteine zuständige Energieminister Boometswe Mokgothu, schon seit man 1967 die ersten Diamantenfelder am Rande der Kalahari-Wüste entdeckte. Er ist zuversichtlich, dass das Kimberley-Abkommen selbst in den Konfliktregionen Afrikas für Ordnung sorgen wird.

Wenn sich sogar das einstige Bürgerkriegsland Angola an die von der UN-Vollversammlung gebilligten Kimberley-Regeln halten und seine Rohdiamanten nur noch mit einem Herkunftszertifikat verkaufen will, umso besser. "Bis Ende des Jahres könnten alle Diamantenstaaten in Afrika das Regelwerk akzeptiert haben", hofft Botswanas Energieminister.

Dass er damit vielleicht etwas zu optimistisch urteilt, verwundert nicht. Denn die Diskussion um die üblen Geschäfte mit Blutdiamanten blieb nicht ohne Folgen für Botswana, das weltweit die meisten Karat produziert. Der Handel stagnierte. Und das in einem Land, das zu einem erheblichen Teil von Diamantengeld gebaut ist. Siebzig Prozent der Einnahmen aus dem wertvollen Edelsteingeschäft fließen direkt in den Staatshaushalt.

Ein Segen für das Land

Bei einem Diamantenumsatz von knapp zwei Milliarden Euro leistet sich die Regierung Sozialprogramme und Wirtschaftsinvestitionen, auf die selbst das große Südafrika neidisch werden kann. Freie Schulausbildung, für die Alten eine staatliche Rente, kostenlose Gesundheitsfürsorge auch in den entlegensten Gebieten des Landes, dazu ein aufwändiges Programm zur Aids-Bekämpfung, das fast zwanzig Prozent des Etats verschlingt. Und ein konsequenter Ausbau von Straßen, Strom- und modernen Telefonverbindungen.

"Als wir 1966 in die Unabhängigkeit entlassen wurden, gab es ein knapp fünf Kilometer langes Stück Teerstraße und vier höhere Schulen", zählt Energieminister Mokgothu auf, "heute haben wir ein Straßennetz, das 6000 Kilometer umfasst, und vierhundert höhere Schulen." Und fast alles wurde mit dem Verkauf der Rohdiamanten finanziert.

Deshalb ist man auch bei Debswana froh, dass mit dem Kimberley-Abkommen ein Kontrollsystem für den Handel und die Verarbeitung der begehrten Steine entwickelt worden ist. Das Unternehmen betreibt die vier bisher erschlossenen Diamantenminen in Botswana. Der mit 6000 Beschäftigten größte Arbeitgeber im Lande gehört zur Hälfte dem Minengiganten De Beers und zur anderen Hälfte dem Staat.

Nicht gerade ein Konzept, das den Empfehlungen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank entspricht, aber auf deren Rezepte war das afrikanische Musterland mit seinem jährlichen Wirtschaftswachstum von neun Prozent bisher auch nicht angewiesen – dank des Diamantenreichtums. Die Bevölkerung weiß um die Macht des halbstaatlichen Unternehmens und fragt sich gelegentlich, wer im Land das Sagen hat, der Boss von Debswana oder der demokratisch gewählte Präsident. Da sich beide in dem überschaubaren Kreis der gebildeten älteren Generation schon aus der Schulzeit kennen, erübrigt sich die Antwort: Gemeinsam regieren sie das Land. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 1.8.2003)

Der Handel mit Blutdiamanten, mit denen etliche Bürgerkriege in Afrika finanziert wurden, soll endgültig der Vergangenheit angehören. Vor allem Botswana zeigt, was mit legalem Diamantenhandel erreicht werden kann.

Susanne Bittorf aus Gaborone

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    Ein Mann radelt an einem Plakat vorbei, auf dem vor Minen gewarnt wird. Krieg im Kongo - finanziert durch den Verkauf von Edelsteinen.

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