Immer Ärger mit Auslandsüberweisungen

5. August 2003, 14:16
40 Postings

Von der Verbilligung der Auslandsüberweisungen profitiert derzeit nicht einmal die Hälfte der betroffenen Kunden

Wien/Salzburg - Trotz Binnenmarkt waren Geldüberweisungen in andere EU-Staaten noch vor kurzem wesentlich teurer als jene im Inland. Seit dem 1. Juli ist das anders: Nach einer EU-Verordnung dürfen Banken für Überweisungen ins EU-Ausland nicht mehr berechnen als für Inlandsüberweisungen, vorausgesetzt der Betrag übersteigt nicht 12.500 Euro. Beschwerden frustrierter Bankkunden in ganz Österreich häuften sich in den ersten Wochen, weil viele mit dem Codesystem überfordert seien, wie bestätigt wurde. Derzeit dürfte nicht einmal die Hälfte aller EU-Überweisungen zu den niedrigeren Spesen durchgeführt werden, schreiben die "Salzburger Nachrichten" (Mittwochausgabe).

Grund für die Probleme mit billigen Auslandsüberweisungen seien die Auflagen, die für solche Transaktionen gelten. Es müssen nicht nur die üblichen Empfängerdaten (Name, Kontonummer, Bankleitzahl der Empfängerbank) angeführt werden, sondern auch IBAN und BIC. Diese Codes sind den Überweisern häufig nicht bekannt oder werden ihnen falsch übermittelt. Ohne IBAN und BIC kann aber keine vergünstigte Überweisung getätigt werden, die Banken verrechnen die alten, hohen Spesen. Konflikte am Bankschalter sind programmiert.

In den ersten 14 Tagen eine Katastrophe

"In den ersten 14 Tagen war es eine Katastrophe. Mittlerweile hat sich das ganze etwas eingespielt, läuft aber noch lange nicht so, wie es sollte", sagt Erich Ortner, Auslandschef von Raiffeisen Salzburg. Derzeit würden erst zwischen 40 bis 50 Prozent der Binnenzahlungen begünstigt durchgeführt.

Nicht immer seien jene, die Geld ins Ausland überweisen wollen, daran schuld, weil sie die Codes nicht wissen, heißt es in dem Bericht. Oft würden von den Empfängern falsche IBAN angegeben, in einem Fall war der falsche Code sogar in einem Briefkopf vermerkt.

Fehler bei Daten

Auch Harald Pfeffer vom Produktmanagement Zahlungsverkehr in der Erste Bank bestätigt, dass derzeit erst rund 40 bis 45 Prozent aller Auslandsüberweisungen zu den seit 1. Juli günstigeren Bedingungen durchgeführt werden. Viele Kunden hätten ihre Tele- und Netbanking-Programme noch nicht aktualisiert. Dadurch komme es zu Fehlern bei der Übermittlung der für die günstigeren Überweisungen notwendigen Daten.

Weniger Schwierigkeiten gebe es bei beleghaften Zahlungen, da werde der Fehler schon in der Bank entdeckt. Wenn ein Kunde der Erste Bank einen Auftrag erteile, der eine falsche oder fehlerhafte IBAN enthalte, werde die Überweisung zurückgehalten und der Kunde kontaktiert. Damit werden hohe Spesen für den Kunden vermieden, betont Pfeffer. Denn bei Weiterleitung einer Überweisung mit einer fehlerhaften IBAN werde diese von der Korrespondenzbank zurückgewiesen. Die entstehenden Spesen werden dem Kunden verrechnet. Ist allerdings nur der BIC falsch, wird die Überweisung ohne Kontaktaufnahme mit dem Kunden zu den höheren Gebühren für Auslandsüberweisungen durchgeführt.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auslandsüberweisung im Blickpunkt.

Share if you care.