Ein Auslaufmodell behält Würde

8. August 2003, 17:24
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"Terminator 3 - Rebellion der Maschinen", solide Action mit Schwarzenegger und Lust an der Zerstörung

Das Kino der letzten zwanzig Jahren hat nur wenige Figuren hervorgebracht, die derart kulturelles Allgemeingut geworden sind wie der Terminator. Nicht nur, dass er den eigentlichen Beginn der Weltkarriere von "unserem Mann in Hollywood" markiert; der Cyborg, der die Gegenwart in diversen Missionen heimsucht und diese mit eiserner Willenskraft auch zu erfüllen gedenkt, wurde zum Sinnbild (für zähe Skistars) und blieb zugleich Indikator für die momentanen Möglichkeiten (und Erfolgskriterien) des US-Blockbusters.

Solide

Terminator 3 - Rebellion der Maschinen, erstmals nicht inszeniert von James Cameron, sondern von Jonathan Mostow (Breakdown, U-571), gerät gemessen an diesen Erwartungen zum eher verhaltenen Nachschlag: Anders als jüngere Sequels wie Charlie's Angels 2, die mit Getöse, aber ohne bleibende Wirkung vorbeigezogen sind, setzt T3 auf solides, fast schon anachronistisches Actionhandwerk: eine lineare Handlung mit pointiert platzierten Zerstörungssequenzen, die beinahe ohne digitale Effekte auskommen. Man könnte T3 gar die Ökonomie eines B-Movies attestieren, wenn das bei einem Budget von 170 Millionen Dollar nicht unangebracht wäre.

Jetzt eine Terminatrix

Es geht zumindest noch viel kaputt, wenn Besuch aus der Zukunft kommt. Das liegt vor allem an der neuen Antagonistin T-X, der Terminatrix, die nicht nur ihre Oberweite zu modulieren vermag, sondern auch Maschinen in ihre Gewalt bringt. Vom Model Kristanna Loken verkörpert, materialisiert sie sich nahe liegend in einem Schaufenster. Mit dem Terminator liefert sie sich heftige Auseinandersetzungen: bei einer spektakulären Verfolgungsjagd mit einem Kranwagen oder auch auf der Toilette mit Fäusten.

Sex

Mostow inszeniert einen bodenständigen Tanz der Cyborgs, der nicht ganz frei von sexuellen Konnotationen ist. Wie schon in Terminator 2 geht es um ein Schutzprogramm für den zukünftigen Führer der letzten Menschen und seine Frau, John Connor (Nick Stahl) und Kate Brewster (Claire Danes) - beide wollen allerdings ihre Rollen noch nicht recht akzeptieren.

Schon diese Rettungsmission erinnert an ein Motiv des neueren Kriegsfilms, bei dem sich der Kampf auch über das Überleben des Gefährten legitimiert. Auch sonst erscheint der Terminator mehr denn je als ein Söldner der Gegenwart: Spezifische kulturelle Skills (die berühmten Stehsätze) muss er sich erst aneignen. Nach dem Schießen scannt er den Schauplatz nach zivilen Opfern ab.

Der Aufstand der Maschinen wird wiederum durch ein Computervirus bewirkt. Autonom geworden, setzen diese ein nukleares Vernichtungsszenario in Gang. Es ist ein bezeichnender Trend in jüngeren US-Produktionen, dass die Atombombe nach einer längerer Phase des Abrüstens wieder gezündet wird: Von The Sum of All Fears bis zum Hulk ist sie ein Bild für Verlust der Kontrolle über eine globale Situation. Wenn nun auch in T3 die Katastrophe unabwendbar ist, so ist sie zugleich mit dem Versprechen verbunden, das etwas überleben wird: "Vielleicht ist die Zukunft schon geschrieben."

Familiendrama

Die Apokalypse bildet den Hintergrund für ein Familiendrama, bei dem die väterliche Maschine mit der starken Mutter nicht mehr konkurrieren muss. Doch Mostow ist kein Regisseur exzessiver Verschwendung wie Cameron, er arbeitet sich bescheiden an den beiden Vorfilmen ab. Der Sympathieträger Schwarzenegger ist die populärste Figur, der Mostow weniger etwas hinzuzufügt, als dass er ihr über Selbstironie ein Bewusstsein ihres Status gibt.

Schon seine archetypische Lederkluft "borgt" sich der Terminator zu Beginn von einem Chippendale-Bartänzer, dessen glamouröse Brille lehnt er jedoch ab. Die Würde bleibt gewahrt, nur der Machismo gerät ein wenig in die Krise, wenn er sich von der T-X verprügeln lassen muss. In T3 ist sich der Cyborg T-800 auch endgültig darüber im Klaren, ein Auslaufmodell zu sein. Entsprechend schnell trägt er Blessuren davon. Sein Trost: Er kommt stets als der Gleiche zurück und stellt so die Konstante in einer unkonstanten Welt dar.(Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD Printausgabe, 30. Juli 2003)

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