"Ich wäre liebend gern wieder Schiri"

Interview19. August 2013, 10:28
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Babak Rafati war einer von zehn deutschen FIFA-Schiedsrichtern. Nach einem Suizidversuch beendete er im Mai 2012 seine Karriere. Nun spricht er über systematisches Mobbing von Vorgesetzten und den schweigsamen Konrad Plautz

Babak Rafati kommt gut gelaunt zum Interviewtermin am Maschsee in Hannover. Wenn er über die Schiedsrichtertätigkeit spricht, beginnen seine Augen zu leuchten. Er schwärmt von internationalen Spielen ebenso wie von Ostderbys in der dritten Liga und lacht, wenn er Anekdoten aus seiner Laufbahn erzählt. Selbst als es um seine Depressionserkrankung und den Suizidversuch im November 2011 geht, bleibt er souverän. Für Rafati steht fest, dass ihn nicht der berufsbedingte Leistungsdruck in die Krankheit gestürzt hat, sondern das Mobbing seiner Vorgesetzten Herbert Fandel, Leiter der Schiedsrichterkommission des Deutschen Fußball-Bundes, und Hellmut Krug, Schiedsrichterbeauftragter der Deutschen Fußball Liga.

ballesterer: Sie haben Ihre Schiedsrichterkarriere mit 15 Jahren begonnen. Wie kommt ein Jugendlicher auf diese Idee?

Babak Rafati: Ich habe im Verein Fußball gespielt und ein Plakat für Schiedsrichterkurse gesehen. Mehr aus Jux hat sich die komplette Mannschaft angemeldet, und neun von uns haben den Schein bestanden. Dann bin ich meinen Aufstiegsambitionen gefolgt. Ich bereue es überhaupt nicht, dass ich diesen Job angefangen habe. Das Klischee, dass ein Schiedsrichter zu Hause nichts zu sagen hat und deswegen auch einmal etwas entscheiden will, stimmt nicht.

Ein undankbarer Job ist es trotzdem. Es ist gut möglich, dass man von den Fans gehasst wird, im besten Fall ist man ihnen egal. Warum will man das überhaupt?

Rafati: Es stimmt: Die Fans schimpfen, egal in welche Richtung man entscheidet. Es wird immer Leute geben, die nicht einverstanden sind. Aber das Schiedsrichtersein macht Spaß. Außerdem lernst du wahnsinnig viele Dinge: Selbstreflexion, Entscheidungsfreudigkeit, Selbstkritik, Konfliktmanagement. Im Berufsleben kann man gar nicht so viele Seminare belegen, um das alles zu erlernen. Ich war 25 Jahre Schiedsrichter, davon war der Großteil eine wunderbare Zeit, nur die letzten eineinhalb Jahre waren eine Höllenqual. Das hatte aber nichts mit der Schiedsrichterei zu tun, sondern mit dem menschenverachtenden Verhalten meiner Führungskräfte, so wie es auch im normalen Berufsleben vorkommen kann.

Können Sie näher darauf eingehen?

Rafati: Man hat mich gemobbt und angefangen, hinter den Kulissen an den Bewertungen zu manipulieren – daran bin ich kaputtgegangen, aber nicht an dem normalen Druck. Mich haben nicht die Medien, die Kollegen und auch nicht der Leistungsdruck umgehauen, aber das waren in der Depression Bausteine, die dazu beigetragen haben. Ich beschreibe das in meinem Buch: Fans, die wie Raubtiere auf den Tribünen sitzen und schreien, und du bist ihnen hilflos ausgeliefert. Aber nur, weil du als Mensch davor schon so kleingemacht worden bist.

Aber machen Sie es sich nicht zu leicht, wenn Sie sagen, das ist ein Einzelfall und liegt an dem Versagen von Führungspersonen? Geht der Druck nicht weit darüber hinaus?

Rafati: Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, und der müssen wir uns stellen. Diesen Druck hat an der Spitze jeder Beteiligte. Natürlich kann man allgemein über das Gesellschaftsmodell diskutieren und darüber, wie die Medien agieren. Also, wie Fehler aufbereitet werden und Kritik persönlich wird. Das führt vielleicht zu unnötigem Druck. Was ich nicht begrüße, ist die Ellbogenmentalität.

Aber ist die nicht die Konsequenz aus der Leistungsgesellschaft? Speziell bei den Schiedsrichtern als Einzelkämpfern?

Rafati: Nicht, wenn du genügend Deckung von deinem Chef hast und dieser konstruktiv mit Fehlern umgeht. Es tut natürlich weh, wenn du eine falsche Entscheidung triffst. Der Schiedsrichter tut dann immer so erhaben, aber innerlich brodelt er. Trotzdem traue ich mich wetten, dass kein Spitzenschiedsrichter durch Fehlentscheidungen und Kritik zugrunde geht. Da ist vielmehr auf dem Weg in die Bundesliga etwas schiefgegangen – er hat Klassen übersprungen, wurde nicht beobachtet oder ist psychisch nicht ausreichend belastbar. Ich will den Schiedsrichter nicht in Watte packen.

Sie kritisieren die mangelnde psychologische Betreuung im DFB. Hat der Fall Enke zu keinem Umdenken geführt?

Rafati: Der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger hat nach Robert Enkes Suizid eine wunderbare Rede gehalten. Aber es waren nur leere Worte. Dann kam mein Fall. Die Menschen im DFB haben genau gewusst, was passiert. Die haben gesehen, dass ich systematisch gemobbt werde. Ich habe selbst immer wieder gesagt, dass ich das gesundheitlich nicht mehr aushalte. Niemand hat reagiert. Wir können nicht zusehen, wie ein Mensch gemobbt und in den Abgrund geführt wird. Der DFB hat aus dem Fall Enke nichts gelernt.

Wie erklären Sie sich das?

Rafati: Weil sie genau gewusst haben, dass sie Scheiße gebaut haben. Bis heute hat es keine Reaktion des DFB gegeben. Für meinen Suizidversuch bin ich allein verantwortlich, aber den Weg in die Depression haben Fandel und Krug zu verantworten. Ich habe im April letzten Jahres ein E-Mail an die Führungskräfte im DFB geschickt, in dem ich ihre Schandtaten aufgezählt habe. Die Reaktion darauf steht in meinem Buch: Der Alltag geht weiter. Tschüss, auf Wiedersehen! Der DFB nimmt das Thema nicht ernst, weil er sich nicht selbst an den Pranger stellen will. Sicher, man hat danach Psychologen eingeführt, aber nur für die Außendarstellung. Wenn ich mich zurückerinnere: Ich hätte doch niemals der Kommission gegenüber Schwäche gezeigt und geäußert, dass ich Hilfe brauche.

Angenommen ein aktiver Schiedsrichter würde in Therapie gehen und das offen kommunizieren, hätte er damit Probleme?

Rafati: Ja. Unsere Gesellschaft ist speziell an der Spitze eine Männerdomäne, in der Schwächen nicht verziehen werden. Wir haben ein ähnliches Problem beim Thema Homosexualität. Wenn der DFB Informationsbroschüren produzieren lässt, obwohl er gleichzeitig weiß, dass sich homosexuelle Spieler nicht zum Coming-out trauen, müssen wir doch nicht über Tabuthemen diskutieren. Wenn ich als FIFA-Schiedsrichter gesagt hätte, dass ich Depressionen habe, dauert es nach einer Fehlentscheidung keine fünf Sekunden, bis alle sagen: »Na, ich bin mal gespannt, ob der morgen noch lebt.«

Haben Sie die Befürchtung, dass Sie als der Schiedsrichter mit dem Selbstmordversuch stigmatisiert werden?

Rafati: Das wird immer die Assoziation sein, wenn mich jemand trifft. Ich möchte Botschafter und Ratgeber für das Thema Depression und Leistungsdruck sein. Früher war mir wichtig, was die anderen denken, heute ist es das nicht mehr. Ich habe erfahren, dass Depressionen jeden treffen können. Ich will das Thema enttabuisieren. Deswegen habe ich auch das Buch geschrieben, in dem ich den langen Weg in die Depression und durch die Therapie zurück ins Leben beschreibe. Ich bin immer wieder gefragt worden, ob es nötig war, dass ich diese Dinge öffentlich mache. In Wahrheit ist das eine schonungslose Abrechnung mit mir selbst. Wenn wir alle wegschauen, kommen wir nicht weiter. Ich möchte auf niemanden schießen. Ich ziele auf diese Menschen, aber ich schieße nicht.

Warum haben Ihre ehemaligen Kollegen nicht stärker auf Ihren Fall reagiert?

Rafati: Viele Schiedsrichter haben untereinander darüber gesprochen, dass Krug als Ligavertreter nicht diesen Einfluss haben dürfte. Dem Fandel habe nur ich das so gesagt. Wenn in meinem Fall heute einer aufsteht und sagt: »Was sie dem Rafati angetan haben, war nicht in Ordnung«, ist der danach nicht mehr Schiedsrichter und bekommt pro Jahr auch keine 150.000 Euro mehr. Das macht doch keiner, und ich erwarte es auch nicht. Ich weiß schließlich, dass viele Kollegen damals bestätigt haben, dass ich weggemobbt werden sollte und absolutes Unverständnis gezeigt haben.

Kommen wir zurück zu Ihrer aktiven Karriere. Sie haben 84 Spiele in der Bundesliga und international gepfiffen. Welches war das schönste?

Rafati: Das kann ich so nicht beantworten. Ich habe selbst als FIFA-Schiedsrichter gerne in der dritten Liga gepfiffen, auf die ich mich genauso wie auf ein Bundesliga-Spiel vorbereitet habe – diese Ostderbys, wo die Spieler für ihre Region kämpfen. Die spielen kampfbetonten, ehrlichen Fußball. Die internationalen Spiele waren natürlich etwas Besonderes. Beim Champions-League-Halbfinale 2011 zwischen Real Madrid und Barcelona war ich fünfter Mann hinterm Tor. Messi kommt auf dich zu, umspielt den Tormann, macht einen Lupfer und du denkst dir: »Was war das denn? Das ist ein Fußballer von einem anderen Stern.« Allein schon, wen du da alles triffst. Bei meinem ersten FIFA-Lehrgang habe ich auch einen Österreicher kennengelernt, Conny Plautz. Ich komme hin, er ist ein Topschiedsrichter und erzählt mir am Tisch nur vom Fischen. Wir labern über alles, er erzählt Witze. Fünf Minuten später gehen wir an die Bar, wo die UEFA-Kommission steht, plötzlich sagt er kein Wort mehr. Irgendwann merke ich, der spricht nicht Englisch. Ein sensationeller Typ.

Wie sind Sie mit öffentlicher Kritik umgegangen?

Rafati: Ich habe die Journalisten nie an mich herangelassen. Die sind nur dann gekommen, wenn ich Fehler gemacht habe. Einmal hat mir nach dem Spiel ein Journalist ein SMS geschrieben: »Wenn Sie zum Interview rauskommen, bekommen Sie eine Note Zwei, wenn nicht, eine Vier.« Ich bin dann barfuß aus der Kabine gestürmt und habe gesagt: »Du kannst mir jede Woche die Summe dieser Noten geben, aber da spiele ich nicht mit.« Dann habe ich die Türe zugeknallt. Das Ergebnis war, dass ich jede Woche, in der ich gut war, eine Fünf bekommen habe. Und wenn ich schlecht war, eine Sechs.

Wie war Ihr Verhältnis zu den Spielern?

Rafati: Ich habe immer auf ein lockeres Verhältnis geachtet. Du musst die Sprache der Spieler sprechen, um sie zu erreichen. Da gibt es ganz unterschiedliche Typen: Die Versicherungsvertreter: »Herr Rafati, heute pfeifen Sie aber gegen uns.« So jemanden musst du betüddeln: »Haben Sie doch gar nicht nötig. Wir beiden Altherren sollten uns die Luft für die 90 Minuten aufsparen.« Dann kommt ein anderer und sagt »Hey Schiri, hast du gestern nicht richtig ... ?« und so weiter. Wenn mir einer blöd gekommen ist, hat er aber auch ordentlich abbekommen.

Wie hat das ausgeschaut?

Rafati: Das ist wie ein Spiegel. Wenn einer etwas sagt, bekommt er's zurück. Bei »Was pfeifst du denn für eine Scheiße?« sage ich: »Guck mal, was du für eine Scheiße spielst. Wenn das deine Frau sieht, was sagst du der dann?« Schon hast du mit einem lockeren Spruch gezeigt, dass du genauso ausgeschlafen bist wie der Spieler. Die Fußballer sind ja nicht dumm und wollen dich für die nächste Entscheidung beeinflussen. Es geht nie darum, dass sie in dieser Szene unbedingt recht haben wollen.

Sie haben gesagt, dass Sie sich auf Spiele vorbereitet haben. Sollte der Schiedsrichter nicht eine unvoreingenommene Instanz sein?

Rafati: Kartenstatistiken und dergleichen habe ich mir nie angeschaut. Einmal hat ein Manager zu mir gesagt, Spieler X, Y, und Z sind bei der nächsten Gelben Karte gesperrt, und wir haben nächste Runde ein wichtiges Spiel. Ich habe nur geantwortet: »Sie sind in der falschen Kabine, das müssen Sie Ihren Spielern erzählen.« Mich hat auch nie interessiert, wer als Schwalbenkönig gilt. Wenn ich mir sage, Spieler X kann so oft fallen, wie er will, das pfeife ich nicht, nehme ich mir die Chance, so zu entscheiden, wie ich es wahrnehme.

Wie haben Sie Spieler behandelt, die bei Ihrem letzten Aufeinandertreffen eine Rote Karte bekommen haben?

Rafati: Ich habe immer versucht, diese Dinge durch ein bisschen Smalltalk zu entschärfen. Einmal habe ich auch einem Spieler eine Rote Karte gegeben, die ich wieder zurückgenommen habe. Das war Marko Pantelic, bei Dortmund gegen Hertha. Wir hatten damals noch keine Headsets, sondern nur diese Pieper am Arm. Auf einmal höre ich das Piepen und bin zum vierten Mann gegangen. Er deutet auf einen Spieler und sagt, der hat den Assistenten weggeschubst. Ich gebe Pantelic die Rote Karte, da macht es wieder Piep, und der vierte Mann sagt: »Nicht der, der Trainer.« Also bin ich zum Spieler und habe mich per Handschlag entschuldigt. Den Trainer habe ich anschließend auf die Tribüne geschickt. Als ich ein paar Wochen später wieder Hertha gepfiffen habe, habe ich zu Pantelic gesagt: »Denk daran, bei mir fliegt man auch dann vom Platz, wenn man nichts gemacht hat.«

Wie schaut die Nachbereitung eines Spiels aus?

Rafati: Du weißt schon beim Abpfiff, wenn du Fehler gemacht hast. Das merkst du am Umfeld. Ich habe mir die Spiele immer zur Analyse auf DVD angeschaut. Auch Oma Erna mit ihren 78 Jahren kann in ihrem Wohnzimmer sagen, dass etwas falsch war. Viel wichtiger ist aber, es in der Gänze zu beurteilen. Warum habe ich das nicht gesehen? War das Stellungsspiel falsch? War ich zu langsam? Ich habe mir die Fehler auf einem Spickzettel notiert und sie vor dem Spiel visualisiert, damit sie nicht noch einmal passieren.

Wie kommt es zu den berühmten Kompensationsentscheidungen?

Rafati: Zu Beginn meiner Karriere in der zweiten Liga habe ich einmal in der ersten Halbzeit keinen Elfmeter für die Heimmannschaft gegeben, obwohl ihn alle gefordert haben. In der Pause sagt der Manager dem Zeugwart auf dem Weg in die Kabine, dass es ein klarer Elfmeter war. Das ist auch so ein Spielchen. Er weiß, dass ich es höre, sagt es mir aber nicht ins Gesicht, damit es authentischer wird. In der Kabine denke ich mir: »Scheiße, das war ein Elfmeter!« Damit im Kopf pfeife ich die zweite Halbzeit. In der anschließenden Analyse habe ich gesehen, dass die Entscheidung richtig war. Hätte ich darauf reagiert, wäre ich der Gelackmeierte gewesen. Daraus habe ich gelernt, alles wegzustecken. Ich habe aber auch schon Entscheidungen getroffen, von denen ich in der Halbzeit gewusst habe, dass sie falsch waren. Da darfst du dann keinen zweiten Fehler drauflegen. Du hast zwar vielleicht das Spiel entschieden, aber nach dem zweiten Fehler würde es dir entgleiten. Die Spieler spüren so eine Kompensation sofort.

Das gibt es also gar nicht?

Rafati: Es gibt Situationen, die du je nach Spiel unterschiedlich einschätzt. Wenn ich in einem Topspiel drei Gelbe Karten gegen die Heimmannschaft habe, werden das Publikum und die Spieler unruhig. Da bist du dankbar, wenn du auch einmal einem Spieler der Gäste eine Gelbe geben kannst. Vielleicht weil er unbedacht gestikuliert. In einer anderen Situation hättest du weggeschaut. Das ist eine Strategie des Schiedsrichters, um die Gemüter zu beruhigen.

Inwieweit hört man die Beschimpfungen der Fans?

Rafati: Als junger Schiedsrichter bist du angespannt und nimmst jeden Geräuschpegel wahr. Mit den Jahren nimmt das ab, aber natürlich hast du einen anderen Puls, wenn alles brüllt und einen Elfmeter will und du ihn nicht gibst. Du pfeifst aber trotzdem dein Ding. Ich kann die Fans ja verstehen: Die zahlen Geld, weil sie im Stadion ihren Verein gewinnen sehen wollen. Es ist klar, dass sie den Schiedsrichter beschimpfen, wenn es nicht läuft.

Was halten Sie vom Einsatz technischer Hilfsmittel, um die Schiedsrichter zu entlasten?

Rafati: Alle Schiedsrichter sind für die Torlinientechnik, weil diese Situation mit dem menschlichen Auge manchmal nicht wahrnehmbar ist. Ich habe das selbst erlebt: Wembleytor beim HSV gegen Mainz. Bei den anderen technischen Hilfsmitteln sind alle dagegen. Der Fußball hat einen fließenden Charakter, das Spiel soll laufen. Der Sport lebt auch von Fehlentscheidungen und davon, dass am Montag alle darüber diskutieren.

Ein Verein lebt aufgrund dessen womöglich aber nicht mehr. Kann sich der Fußball solch schwerwiegende Fehlentscheidungen leisten?

Rafati: Das kann auch durch Fehler von Spielern passieren: Wenn ein Stürmer das Tor nicht trifft oder ein Tormann patzt.

Dann hat sich der Klub die falschen Angestellten ausgesucht.

Rafati: Das ist natürlich ein Argument. Vielleicht spreche ich zu sehr aus der Schiedsrichterperspektive, und man müsste weitere technische Hilfsmittel einmal testen. Aber grundsätzlich bin ich dafür, dass der Fußball so bleibt, wie er ist.

Werden wir Sie noch einmal auf dem Platz sehen?

Rafati: Wenn man in der Arbeit gemobbt wird und glaubt, man muss dahin zurück, ist das brutal. Ich habe in der Therapie entschieden, das nicht zu tun, aber ich wäre liebend gern wieder Schiri. Für Deutschland schließe ich es aus, aber wenn ein interessantes Angebot aus dem Ausland kommt, würde ich es wahrnehmen. Weil es ein toller Job ist. Aber auch die Tätigkeit als Schiedsrichterberater bei den Vereinen oder als TV-Experte würde mich reizen. Ich bin auch als Referent in großen Unternehmen im Gespräch. (Jakob Rosenberg; 19.8.2013)

Babak Rafati (43) ist im Brotberuf Bankangestellter. Im August 2005 debütierte er als Schiedsrichter in der deutschen Bundesliga, 2008 wurde Rafati FIFA-Schiedsrichter. In seiner Karriere pfiff er acht internationale Begegnungen, 84 Bundesliga-Spiele und mehr als 100 Zweitligapartien. Nach einer schweren Depression beendete er im Mai 2012 seine aktive Karriere. Seine Erkrankung arbeitete er in dem Buch »Ich pfeife auf den Tod. Wie mich der Fußball fast das Leben kostete« (Kösel, 2013) auf.

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