USA: NSA-Leaks bringen Cyberdefense-Plan ins Wanken

14. August 2013, 10:35
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Snowdens Enthüllungen entfachen öffentliche Debatte, Politik reagiert vorsichtiger gegenüber der NSA

Der US-Geheimdienst NSA treibt die Überwachung der globalen Kommunikation zwar immer weiter, könnte aufgrund der Enthüllungen von Edward Snowden nun aber bei einem seiner größten Projekte scheitern. Der Backlash lässt, wie die New York Times ausführlich berichtet, die politische Empfänglichkeit für den Aufbau einer umfangreichen "Cyberdefense" schwinden.

Das Vertrauen ist weg

Laut Offiziellen der Regierung hat NSA-Chef Keith Alexander derzeit praktisch keine Chance, das Prestigeprojekt weiterzutreiben. Laut Vertretern der NSA handelt es sich bei der Technologie zur Filterung von Malware um sehr ähnliche Technologie, wie sie die NSA bereits heute einsetzt.

"Welches Vertrauen auch immer da war, ist nun weg", so ein ranghoher Geheimdienstmitarbeiter. "Wer würde der NSA glauben, nur chinesische Angriffe zu blocken, wenn sie auf Basis der gleichen Technik deine E-Mails lesen könnten."

Direktzugriff auf Traffic beim Provider angestrebt

Die NSA selbst erklärte kürzlich, rund 1,6 Prozent der globalen Netzkommunikation erfassen zu können, aber nur einen kleinen Teil dieser Informationen näher zu untersuchen. Würden die Cyberdefense-Pläne umgesetzt, könnte sich dies aber deutlich ändern.

Er würde einen Teil der NSA-Tätigkeiten auf die Provider abwälzen. Er würde dem Geheimdienst ermöglichen, ohne Anfrage direkt auf sämtlichen Traffic zuzugreifen, der bei großen Providern wie AT&T und Verizon durch die Leitungen geht. Die Informationen, besonders E-Mails, würden auf verdächtige Zeichen gescannt, um Cyberattacken auf die Regierung oder US-Unternehmen schon im Vorfeld erkennen und abwehren zu können. Die NSA hat in diesem Sommer bereits neue Offensiv- und Defensiv-Teams für das Cyber-Schlachtfeld zusammengestellt.

Malwarefilter

Das Programm soll nicht nur Regierungsinstitutionen und Firmen schützen, sondern mit Hilfe eines Malware-Filters auch User, die in Sachen Computersicherheit unerfahren sind und keine oder nur veraltete Virenscanner-Software verwenden. Selbst aktuelle Virenscanner sollen erst Tage oder Wochen nach dem ersten Auftauchen Schutz gegen neue Attacken bieten – sofern der Nutzer regelmäßig Updates durchführt.

Die Regierung selbst hat bereits ein Modell für eine nationale Cyberabwehr getestet, gemeinsam mit Lockheed Martin, Boeing, Raytheon und anderen Vertragspartnern im Sicherheitsbereich. Die ersten Ergebnisse waren laut New York Times zwar enttäuschend, Insidern zufolge werden die Resultate aber kontinuierlich besser. Die teilnehmenden Firmen teilen ihre Daten über eingehende Attacken anonym mit den anderen.

Widerstand

Keith Alexander hatte aber schon vor Snowdens Enthüllungen mit Widerstand zu kämpfen. Aus dem Heimatschutzministerium hieß es, die Pläne der NSA wären zu viel der Militarisierung eines Abwehrprogramms. Eher solle man zusehen, dass die User selbst erstverantwortlich für die Sicherheit ihrer Systeme bleiben.

Mitglieder des Intelligence Committee im Repräsentantenhaus und Senat wollen nur vage Informationen über die NSA-Pläne besitzen, sind sich aber sicher, dass eine Umsetzung ohne Kongresszustimmung nicht möglich wäre. Auch das Weiße Haus dürfte derzeit kaum gewillt sein, dieses heiße Eisen anzufassen, wo man doch damit befasst ist, deutlich moderatere Cybersecurity-Gesetze auf Schiene zu bringen. Denn damit war man bereits letztes Jahr gescheitert, ob des Prism-Skandals ist der Erfolg beim zweiten Versuch zumindest fraglich.

Politiker werden vorsichtig

Der Tenor im Kongress hat sich geändert, während eine nationale Debatte zum Thema Überwachung entbrandet ist. Erst kürzlich scheiterte ein Begehren zur Beendigung der Metadatensammlung von inländischen Telefonanrufen nur knapp im Repräsentantenhaus.

"Solche Themen verändern sich sehr schnell, weil die Technologie sich weiterentwickelt", erklärt Peter Feaver, Professor an der Duke University und ehemaliger Mitarbeiter des National Security Council, gegenüber der New York Times. "Aber die größte Veränderung im letzten Jahr war politischer Natur: Die öffentliche Skepsis über US-Cyberoperationen ist heute erheblich größer und könnte in politischen Zwängen resultieren, die vor einem Jahr noch nicht denkbar waren." (gpi, derStandard.at, 14.08.2013)

  • Angesichts der öffentlichen Debatte hat NSA-Chef Alexander derzeit kaum Chancen, politische Unterstützung für sein Cyberdefense-Großprojekt zu finden.
    foto: ap

    Angesichts der öffentlichen Debatte hat NSA-Chef Alexander derzeit kaum Chancen, politische Unterstützung für sein Cyberdefense-Großprojekt zu finden.

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