Mayr-Melnhof schaut bang in Zukunft

14. August 2013, 12:09
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Im Halbjahr verdient die Gruppe operativ etwas weniger, netto aber mehr, eine Aufhellung der Nachfrage ist jedoch nicht in Sicht

Der börsenotierte Karton- und Faltschachtel-Produzent Mayr-Melnhof hat im ersten Halbjahr 2013 bei einem um 4,7 Prozent auf 77,5 Mio. Euro gesunkenen Betriebsergebnis einen Nettogewinn von 54,7 Prozent (+6,0 Prozent) erzielt und blieb damit im Rahmen der Analysten-Erwartungen. CEO Wilhelm Hörmanseder sieht das angesichts des schwierigen Marktumfelds positiv: "Keine Überraschungen zu präsentieren ist ja sogar Teil unseres Markenzeichens geworden", sagte er am Mittwoch bei der Präsentation der Halbjahreszahlen in Wien.

"Zombie-Konkurrenten"

Für Europa, den Hauptmarkt von Mayr-Melnhof, fällt Hörmanseders Befund "recht nüchtern" aus. Das Verbrauchervertrauen sinke, und der Privatkonsum sei bestenfalls stagnierend, "aber dieser Befund macht uns nicht kleinmütig". Für die Branche bedeute das Schwankungen in den Auftragsbüchern, und weil das Wachstum ausbleibe führe die vorhandene Überkapazität von 5 bis 10 Prozent zu einem chronischen Preiswettbewerb, erklärte Hörmanseder. Verschlimmert wird die Situation "durch das von der EZB heftig bestrittene deflationäre Szenario". Durch die niedrigen Zinsen ohne Wirtschaftswachstum "stehen wir vor dem Phänomen, dass es jede Menge Zombie-Konkurrenten gibt. Bei einer Nullzins-Situation kann jeder, und wenn er noch so fußmarod ist, irgendwie mit überleben." Das sei möglich, "weil sie auf ihre Verbindlichkeiten, sie mögen auch turmhoch sein, keine Zinsen zahlen".

Zickiges Bestellverhalten

Die Umsatzerlöse der Mayr-Melnhof-Gruppe legten im Halbjahr im Jahresabstand um 0,7 Prozent auf 981,8 Mio. Euro zu. Sowohl in der Kartonproduktion (MM Karton) als auch bei der Faltschachtelfertigung (MM Packaging) sei die Auslastung hoch gewesen und es habe Mengensteigerungen gegenüber dem Vorjahr gegeben, erklärte Hörmanseder. Die Operating Margin war mit 7,9 Prozent etwas schlechter als im ersten Halbjahr 2012 (8,3 Prozent). Das lag laut Hörmanseder am geplanten zweiwöchigen Stillstand einer großen Maschine in Deutschland, die im Jänner umgebaut wurde. "Das ist eine ganze Menge Karton, die nicht produziert und nicht verkauft wurde und keinen Deckungsbeitrag geliefert hat." Obwohl das Bestellverhalten der Kunden extrem kurzfristig sei, habe man mit 99 Prozent praktisch Vollauslastung. "Wir konnten voll fahren, obwohl wir nie eine Visibilität von mehreren Wochen hatten."

Der Cashflow - "eine Größe, die uns immer noch sehr wichtig ist, auch wenn sie in der akademischen Lehre etwas unter die Räder gekommen ist" - betrug 100,2 Mio. Euro. Die Cash Earnings Marging von 10,2 Prozent bedeute: "Von 1.000 Euro Umsatz bleiben uns 100 Euro in der Kassa." Die Nettoliquidität betrug per Ende Juni 133,7 Mio. Euro, die Eigenkapitalausstattung lag bei 65 Prozent. Die Mitarbeiterzahl stieg im Jahresabstand von 8.836 auf 8.907.

Dass das Geschäft in Zukunft noch härter wird, "da habe ich gar keine Illusionen", sagte Hörmanseder. "Mit unseren Instrumenten können wir den lang erwarteten Silberstreif am Horizont nicht erkennen, es bleibt stark bewölkt." Man wolle jedoch die Marktanteile behaupten oder gar ausbauen. Für das dritte Quartal "rechnen wir mit Ergebniskontinuität". Nach dem ersten Halbjahr sei eine "Dividende, so wie sie war, sehr wahrscheinlich. Die Hälfte des Heus ist in der Scheune." (APA, 14.8.2013)

  • Im zweiten Quartal entwickelte sich Mayr-Melnhof gegenüber dem Vorquartal und dem Vorjahr konstant.
    foto: mayr melnhof

    Im zweiten Quartal entwickelte sich Mayr-Melnhof gegenüber dem Vorquartal und dem Vorjahr konstant.

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