Kein Orchideenfach!

Kolumne22. August 2013, 19:58
3 Postings

Das Studieren der Zimmerpflanzen ist im August eine Pflicht, denn wer sich jetzt nur um den Garten kümmert, hat's zu Weihnachten trist in der Stube, weiß Gregor Fauma

August, endlich Zeit, sich wieder den wirklich wichtigen Pflanzen zu widmen: den Zimmerpflanzen. Während draußen in der Hitze Gärtner und Pflanzen darben, fadisieren sich die Zimmerpflanzen zu Tode. Die Gartenarbeit im August besticht durch Eintönigkeit. Ständig muss man Verblühtes wegschneiden, Herbstgemüse säen, Rasen mähen und Igelfamilien füttern.

Hortensien müssen gestützt, Salbei muss beerntet und die Gundelrebe sollte in ihre Schranken gewiesen werden. Wer es satthat, Sauerampfer am Verblühen zu hindern, schlägt die Tür hinter sich zu. Und wem das Geimpfte beim Eibenschneiden aufgeht, der zieht die Vorhänge vor und stürzt sich auf die Bügelwäsche. Oder eben auch auf die Zimmerpflanzen. Was ist also zu tun?

Man sollte im August beginnen, das Düngen und Gießen der Königin aller Zimmerpflanzen einzustellen - der Amaryllis. Damit sie rund um Weihnachten brav blüht und uns ein wohliges Kaminfeuer im Herrgottswinkeln unserer Seelen entfacht, sollte man sie zum Verwelken und Investieren in ihre Zwiebel bringen. Sind die Blätter komplett vertrocknet, darf man sie entfernen. In diesem Zustand sollten die Zwiebeln bis Dezember bei rund 15 Grad Celsius in trockener Erde zuwarten, bis wieder ihre Zeit kommt.

Tasklist fürs Indoor-Gardening

Ständig ihre Zeit haben die Pflanzen, die von allen, aber wirklich von allen beharrlich Orchideen genannt werden - wahrscheinlich, weil sie Orchideen sind, die Phalaenopsis. Nur selten Malaienblume gerufen, zeichnen sie die Fensterbänke jeder gut sortierten Arztpraxis aus und eignen sich als wunderbares Mitbringsel für Leute, die Mitbringsel suchen. Da die Phalaenopsis rund um das Jahr blüht, weiß man oft nicht, wann sie denn umzutopfen sei. Es ist der August, der sich dafür ganz wunderbar anbietet, so die Pflanze bereits aus ihrem Topf herauswächst und das Blühen eingestellt hat.

Dazu schneidet man die alten, bräunlichen Luftwurzeln ab und bettet jene, die schön über den Topfrand wachsen, in neues Orchideensubstrat ein. Per Tauchgang gießen und regelmäßig mit enthärtetem Wasser besprühen, und schon kann man sich der nächsten Augusttätigkeit zuwenden, dem Pflanzerlrücken. Die Klassiker der Zimmerpflanzen, Madagaskarpalme, Ananas und Kroton, sind für hohe Temperaturen dankbar und gedeihen über den Sommer zufrieden.

Für diese ist die Mittagshitze am Fenster, womöglich am Südfenster, kein Problem. Andere, wie die gemeine Wüstenrose und diverse Tillandsien, sehnen sich sogar danach. Alle anderen jedoch tun sich damit echt schwer. Könnten sie sprechen, bedankten sie sich für ein Verschieben gegen Osten oder gen Westen. Dort würden sie weniger Wasser via Spaltöffnungen auf den Blättern verdampfen, dort wäre es weniger heiß, dort würden ihre Blätter nicht braun werden und in Folge abfallen.

Wer also genug vom Outdoor-Garteling hat und sich ein wenig nach introvertierter Ruhe sehnt, hat auch in der Wohnung seine Tasklist. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 16.8.2013)

Tipps für Zimmerpflanzen:

1) Stellen Sie bei Zimmerpflanzen wie der Amaryllis im Sommer übermäßiges Gießen und Düngen ein. Sie schöpfen dann neue Kraft aus ihren Zwiebeln.

2) Große Orchideen sollten im Hochsommer von alten Luftwurzeln befreit und gegebenenfalls umgetopft werden.

  • Phalaenopsis, nur selten Malaienblume gerufen, eignet sich als wunderbares Mitbringsel für Leute, die Mitbringsel suchen.
    foto: apa/epa/escobar

    Phalaenopsis, nur selten Malaienblume gerufen, eignet sich als wunderbares Mitbringsel für Leute, die Mitbringsel suchen.

Share if you care.