"Kick-Ass 2": Superhelden ohne Superplan

14. August 2013, 18:55
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Die jugendlichen Superhelden Hit Girl und Kick-Ass suchen in "Kick-Ass 2" Anschluss an Gleichgesinnte und schlagen dabei ein bisschen viel zu

Wien - Was ein Kassenerfolg werden will, darf bei der PR nicht wählerisch sein. Keine Werbung ist bekanntlich so schlimm wie keine Werbung. Insofern soll auch hier nicht verschwiegen werden, dass Jim Carrey, Darsteller des kernigen Colonel Stars and Stripes in Kick-Ass 2, Ende Juni dieses Jahres kundtat, er könne sich spätestens seit dem Amoklauf an einer US-Grundschule nicht mehr wirklich für diesen eher gewalttätigen Film aussprechen.

Ungeachtet solcher Vorabscharmützel erreicht das Actionfilm-Sequel dieser Tage weltweit die Kinosäle. Die Eröffnungssequenz zeigt ein quietschfreches Mädchen, das nacheinander zwei unterschiedliche Faustfeuerwaffen auf einen zaudernden Jugendlichen abfeuert, auf dass es ihn getroffen hintüberwirft. Aber natürlich befinden wir uns in einem Filmcomic, und eine kugelsichere Unterwäsche trägt der junge Mann obendrein.

Infernalischer Nachwuchs

Dieses Duo hat außerdem schon den ersten Film namens Kick-Ass überlebt (2010, nach der gleichnamigen Comic-Serie von Mark Millar and John Romita Jr.). Der Titelheld, jener Oberschüler, der sich zunächst einmal als Amateur-Superheld erfinden musste, sucht nunmehr Anschluss an Gleichgesinnte. Aber das pubertierende Hit Girl steht nur anfänglich als knallharte Nahkampftrainerin zur Verfügung. Stattdessen gerät Kick-Ass bald an den Colonel und dessen Truppe von wackeren Alltagshelden beiderlei Geschlechts. Und ein unbedingt notwendiger Superbösewicht steht unter dem originellen Kampfnamen Motherfucker auch schon bereit.

Szenen wie jene von dessen beiläufigem Muttermonstermord auf der Sonnenbank hätten noch das Zeug zur übersteuerten Actionklamotte. Aber wenn dieser Motherfucker beginnt, richtig ernst zu machen und seine gänzlich humorfreien Kampfmaschinen auf New York loslässt, verliert Kick-Ass 2 jeden einschlägigen Charme. Übrig bleiben Kunstblutfontänen und abgetrennte Gliedmaßen.

Die schöne Idee, Mindy alias Hit Girl eine Initiation zur Highschooltussi angedeihen zu lassen (inklusive zarten Erschauerns bei kollektiver Boygroup-Adoration) führt zu keinem guten Ende. Die Satire kippt immer schnell ins ungut Derbe. Witz und Raffinesse liegen allenfalls im Detail, etwa einer Schlagzeile wie "Cape Fear", als sich das öffentliche Klima in Sachen Superhelden wandelt.

Schlussendlich überwiegt leider der Eindruck, dass man bei diesem Film - diesmal geschrieben und inszeniert von Jeff Wadlow - einfach nicht so genau wusste, was man mit diesen Helden eigentlich tun soll. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 14.8.2013)

  • So gemütlich geht es bei Kick-Ass (Aaron Johnson) und Hit Girl (Chloe Moretz) eher selten zu.
    foto: universal

    So gemütlich geht es bei Kick-Ass (Aaron Johnson) und Hit Girl (Chloe Moretz) eher selten zu.

  • Äußerte im Nachhinein Unbehagen: Jim Carrey, Darsteller des kernigen Colonel Stars and Stripes.
    foto: universal

    Äußerte im Nachhinein Unbehagen: Jim Carrey, Darsteller des kernigen Colonel Stars and Stripes.

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