Ökonomen sehen Ende der Rezession in der Eurozone

13. August 2013, 17:44
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Vor allem die gute Entwicklung Deutschlands bringt der Währungsunion wieder Wachstum. Neue Jobs gibt es aber zu wenig

Wien - Die Eurozone lässt die Krise hinter sich. Im Juni hat die Industrieproduktion in den 17 Eurostaaten so stark angezogen wie seit dem vierten Quartal 2010 nicht mehr. Das teilte das Statistikamt Eurostat mit. Damit könnte die Eurozone die längste Rezession seit Bestehen hinter sich lassen. Denn Ökonomen rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal erstmals seit 2011 gewachsen ist. Im Schnitt erwarten Volkswirte, die von der Finanzagentur Bloomberg befragt wurden, ein Plus von 0,2 Prozent.

Sorgenkind Beschäftigung

Christian Schulz, Volkswirt bei der Berenberg Bank, hält "Enttäuschungen für möglich", schließlich basieren viele aktuelle Prognosen auf Umfragen. Auch die Volkswirte im sonst euroskeptischen Londoner Unternehmen Capital Economics sehen durchaus positive Signale. Europa-Ökonom Ben May: "Die Eurozone hat im zweiten Quartal wohl die Rezession verlassen." Dafür spricht auch der letzte Woche publizierte Einkaufsmanagerindex von Markit, der erstmals seit Anfang 2012 einen Aufschwung andeutete.

Allerdings schränkt May ein: "Man muss stark zweifeln, dass nun ein starker und nachhaltiger Aufschwung folgt." Die EU-Kommission erwartet im zweiten Halbjahr eine leichte Expansion der Eurozone und 2014 ein Plus von 1,2 Prozent, "Das Wachstum wird aber weiter viel zu schwach sein, um die Beschäftigung wirklich heben zu können", fürchtet Guntram Wolff, Leiter der Brüsseler Denkfabrik Bruegel.

Risikoaufschläge fallen

Die Arbeitslosenzahlen in der Eurozone werden damit noch länger hoch bleiben. Dazu bleibe die Entwicklung höchst unterschiedlich. Deutschland etwa dürfte laut Schätzungen im zweiten Quartal um 0,8 Prozent gewachsen sein, davon können Krisenländer wie Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal nur träumen. Hier drücken weiterhin die Sparprogramme auf die Stimmung, sind Ökonomen überzeugt.

Zugleich haben die Investoren an den Finanzmärkte in den vergangenen Wochen viele Vorschusslorbeeren verteilt: Trotz rekordhoher Schulden in Italien zahlt das Land aktuell nur 4,16 Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Der Zinsaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen ist so niedrig wie seit zwei Jahren nicht. Auch für Spanien ist der Risikoaufschlag auf den niedrigsten Stand seit August 2011 gefallen.

Schaut man sich die Krisenbekämpfung in den jeweiligen Peripheriestaaten genauer an, findet man sowohl Licht, als auch Schatten:

Griechenland: Zuletzt konnte Athen mit positiven Zahlen aufwarten. Die Schrumpfung der Wirtschaft fällt weniger stark aus als im Rettungsprogramm angenommen, erstmals hat das Land einen Primärüberschuss (ohne Zinszahlungen) erwirtschaftet. Geht es nach Berechnungen von Schulz, ist das Land im zweiten Quartal nur noch um 0,3 Prozent geschrumpft, so wenig wie seit Ausbruch der Eurokrise im Jahr 2010 nicht mehr.

Portugal: Das iberische Land ist für Schulz "der Musterknabe schlechthin. Es hatte bei Ausbruch der Krise ähnliche Probleme wie Griechenland, aber deutlich weniger Konflikte mit der Troika." Doch auch in Portugal hat die Wirtschaft eine Vollbremsung eingelegt. Gerade die schwache Entwicklung in Spanien, das für das Land ein wichtiger Handelspartner ist, hinterließ Spuren.

Spanien: Das Land hat bereits Zahlen für die Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal vorgelegt. "Das Minus von 0,1 Prozent war aber kleiner als befürchtet und zeigt, dass die schlimmste Phase vorüber ist", so Apolline Menut, Ökonomin bei Barclays Capital in London. Ein Problem für die Entwicklung in Spanien dürften aber die Banken bleiben. "Die spanischen Haushalte sind weiterhin hoch verschuldet, und das Bankensystem bleibt damit angeschlagen", befindet Schulz. Zuletzt ist der Anteil der faulen Kredite bei 11,2 Prozent gelegen.

Italien: Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone hat zuletzt kaum positiv überrascht. An sich standen bereits für 2013 viele Zeichen auf Wachstum, denn die Sparmaßnahmen der Regierung von Mario Monti waren im Jahre 2012 durchgepeitscht worden. In diesem Jahr wurde allerdings kaum noch gespart. Dennoch kommt die Konjunktur nicht in Gang, "Italien ist die Enttäuschung des Jahres", quittiert dies Berenberg-Ökonom Schulz. (Andreas Schnauder, Lukas Sustala, DER STANDARD, 14.8.2013)

  • Griechenland wird trotz gewisser Anzeichen einer Verbesserung der Lage noch lange auf Hilfen angewiesen bleiben.
    foto: ap/messinis dimitri

    Griechenland wird trotz gewisser Anzeichen einer Verbesserung der Lage noch lange auf Hilfen angewiesen bleiben.

  • Geldgeber Deutschland zieht die Eurozone aus der Rezession.
    grafik: standard

    Geldgeber Deutschland zieht die Eurozone aus der Rezession.

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