Radfahrrekorde im Rekord-Juli

13. August 2013, 17:08
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So viele Städter wie noch nie schwangen sich im Juli auf das Fahrrad. Steigerungen von rund einem Drittel melden Wien, Graz und Salzburg. In der Bundeshauptstadt sollen mehr Güter per Rad transportiert werden

Wien/Salzburg/Graz - Der Juli ist der Monat der Spitzenwerte, nicht nur was die Temperatur betrifft: In den Städten wurde - vor allem wegen der Hitzewelle - so viel geradelt wie nie zu vor. In Wien etwa stieg der Radverkehr im Vergleich zum Juli 2012 um durchschnittlich ein Drittel an. Schon von April bis Juni 2013 hatte dieser im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in der Bundeshauptstadt um 5,5 Prozent zugenommen.

Auch in Salzburg war im heißen Juli das Rad bevorzugtes Fortbewegungsmittel, meint Peter Weiß, Radkoordinator der Stadt. Allein an der Zählstelle Staatsbrücke wurden diesen Juli 163.112 Radler registriert, die Jahre zuvor waren es um die Hälfte weniger. In Graz, laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) die fahrradfreundlichste Stadt 2012, ist eine deutliche Zunahme festgestellt worden. Die genaue Auswertung für den Monat Juli liegt zwar noch nicht vor. 

Spitzenwerte in Graz und Wien

Aber einzelne Zählergebnisse bestätigen die Steigerung: So fuhren etwa in der steirischen Landeshauptstadt über die Keplerbrücke im Juli dieses Jahres an einem Werktag 5900 Radfahrer, im Vergleichsmonat des Vorjahres hingegen nur 4400.

Den absoluten Spitzenwert in Wien erreichte die Langobardenstraße mit einem Plus von 59,6 Prozent, gefolgt von der Lassallestraße mit einem Zuwachs von 39 Prozent. Dort wurden im Juli pro Tag 5181 Radfahrer gezählt, ein Jahr zuvor nur 3727.

Rekordmarke für Citybikes

Einen sprunghaften Anstieg der Fahrradnutzung vermeldete auch das Fahrradleihsystem Citybike Wien. Diesen Sommer wurde eine neue Rekordmarke erreicht. "Sagenhafte 129.279 Fahrten wurden allein im Monat Juli zurückgelegt", hießt es in einer Presseaussendung. Dies entspreche einer Steigerung von 45 Prozent im Vergleich zum selben Nutzungszeitraum des Jahres 2012.

Auch wenn es beim VCÖ keine konkreten Daten gibt: Der Rückschluss, dass mit Zunahme des Radverkehrs gleichzeitig der Autoverkehr abnehme, sei zulässig, sagt Christian Gratzer vom VCÖ. Jedes Jahr führt der Club eine Radfahrerbefragung durch, und heuer haben 48 Prozent der Interviewten angegeben, dass sie nun Strecken mit dem Rad zurücklegen, die sie früher mit dem Auto gefahren sind. Die Hälfte aller zurückgelegten Wege mit dem Pkw sind laut Gratzer kürzer als fünf Kilometer.

Güter aufs Rad

Der Wiener Radkoordinator Martin Blum möchte nun vor allem den Güterverkehr per Rad durch die Stadt erhöhen. "Es gibt Untersuchungen in Deutschland, wonach 85 Prozent aller Auto-Kurierfahrten und 25 Prozent des gesamten Güterverkehrs mit Elektro-Lastenrädern durchgeführt werden könnten." Anlässlich einer Cargo-Konferenz, die das Verkehrsministerium gegen Ende des Jahres plane, werde die Stadt das Potenzial für Wien erheben lassen, kündigte er an.

Weiters kann sich Blum vorstellen, dass man Radeln zu ausgewählten Zeiten auch in den Fußgängerzonen Graben und Kärntner Straße erlaubt - zum Beispiel in der Nacht oder zu Lieferzeiten im Schritttempo. Eine solche temporäre Erlaubnis gebe es zum Beispiel schon in der Herrengasse in Graz. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 14.8.2013)

  • Die Hitze trieb die Städter im Juli auf die Räder. In Wien, Graz und Salzburg wurden Spitzenwerte für diesen Monat erzielt.
    foto: apa/hans klaus techt

    Die Hitze trieb die Städter im Juli auf die Räder. In Wien, Graz und Salzburg wurden Spitzenwerte für diesen Monat erzielt.

  • Das Citybike wird laufend beliebter.
    foto: gewista

    Das Citybike wird laufend beliebter.

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