Fremd Essen gehen: Veganes Guerilla Dining in Wien

Elisabeth Mittendorfer
18. August 2013, 18:47
  • An einem heißen Sommerabend startet das Dinner mit kalten Vorspeisen.
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    foto: derstandard.at/elm

    An einem heißen Sommerabend startet das Dinner mit kalten Vorspeisen.

  • Es gibt indischen Karottensalat, Melanzanipüree und Tomaten-Kachumbar.
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    Es gibt indischen Karottensalat, Melanzanipüree und Tomaten-Kachumbar.

  • Der Hauptgang wird serviert.
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    foto: derstandard.at/elm

    Der Hauptgang wird serviert.

  • Gemüse-Curry, Spinat-Tomaten-Ingwer-Gericht und Kichererbsen-Curry (von links nach rechts). Dazu gibt es Reis und Fladenbrot.
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    Gemüse-Curry, Spinat-Tomaten-Ingwer-Gericht und Kichererbsen-Curry (von links nach rechts). Dazu gibt es Reis und Fladenbrot.

  • Der Nachtisch: Körndlbaguette mit Alsan (Margarine) und Engelshaar (süß eingelegte, geraspelte Karotten mit Kardamom).
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    foto: derstandard.at/elm

    Der Nachtisch: Körndlbaguette mit Alsan (Margarine) und Engelshaar (süß eingelegte, geraspelte Karotten mit Kardamom).

Die Wienerin Katrin Waldbauer-Spegel lädt einmal im Monat über Internet zum veganen Dinner in ihre Wohnung ein

Exotische Gerüche durchdringen die geräumige Altbauwohnung der 35-jährigen Katrin Waldbauer-Spegel im zweiten Wiener Gemeindebezirk. In Schürze und mit Schweißperlen auf der Stirn erledigt sie die letzten Handgriffe für das anstehende Dinner.

Punkt 19.30 Uhr haben im angrenzenden Esszimmer ihre zehn Gäste an einem großen Holztisch Platz genommen. Unter ihnen sind sowohl eine 27-jährige Social Media-Beratin als auch eine 25-jährige Lehrerin, eine Buchhalterin und eine Pensionistin. 

Essen mit Fremden

Obwohl die Temperaturen an diesem Sommerabend weit über 30 Grad liegen, herrscht unter den geladenen Gästen ausgelassene Stimmung. Das Besondere daran: Bis vor wenige Minuten haben sich die meisten von ihnen - einschließlich der Gastgeberin - nicht gekannt, denn sie sind alle Teilnehmer eines so genannten Supper Clubs.

Dabei handelt es sich um eine preiswerte Alternative zu herkömmlichen Restaurants, bei der fremde Menschen in Privatwohnungen aufeinandertreffen, um in geselliger Runde zu speisen. Bekannt ist dieses Konzept auch unter den Namen Underground Restaurants oder Guerilla Dining.

Bodenständige Küche

"Obwohl die Gäste keinen gemeinsamen Hintergrund haben, entwickeln sich sofort Gespräche", sagt die Gastgeberin. Im Gegensatz zu herkömmlichen Supper Clubs, bei denen zumeist Gourmetküche serviert wird, findet man bei Waldbauer-Spegel keine kleinen Kunstwerke auf großen Tellern. Hier kommen die Töpfe auf den Tisch und jeder Gast nimmt sich selbst, was er mag.

Restaurant in der eigenen Wohnung

"Der Unterschied zum Essengehen ist, dass der Koch oder die Köchin auch gemeinsam mit den Gästen isst", sagt Waldbauer-Spegel. Seit April bekocht die Sozialpädagogin, die derzeit in Bildungskarenz ist, einmal im Monat unter dem Namen "Kati's Vegan Supper Club" Fremde und Freunde in ihrer Wohnung. Der Anteil von Bekannten liege dabei in etwa bei 20 Prozent. "Ich finde es interessant, dass Leute in meine Wohnung kommen und meine Gerichte essen wollen", sagt Waldbauer-Spegel.

Das Ehepaar Ernst und Stephanie besucht an diesem Abend zum ersten Mal den Supper Club und sind dafür aus dem Wienerwald angereist. Bei Waldbauer-Spegel kommen nur vegane Gerichte auf den Tisch. Nach acht Jahren vegetarischer Ernährungsweise haben Ernst und Stephanie beschlossen, sich in Zukunft vegan zu ernähren und wollen beim Supper Club neue Gerichte kennenlernen.

Veganismus als zentrales Thema

An diesem Abend steht eine indische Reistafel auf dem Programm. Aufgrund der Hitze gibt es kalte Vorspeisen: Indischen Karottensalat, Melanzanipüree und Tomaten-Kachumbar. Als Hauptgericht serviert die Gastgeberin Gemüse- und Kichererbsen-Curry sowie ein Spinat-Tomaten-Ingwer-Gericht. Als Nachtisch folgt Körndlbaguette mit süßer Karottenmarmelade. Das verwendete Gemüse stammt von der eigenen Ökoparzelle im 22. Bezirk, sagt Waldbauer-Spegel.

Sie sei durch einen Vortrag zum Veganismus gekommen und überrascht, wie leicht ihr diese Ernährungsweise fällt. Während zu Beginn vor allem gesundheitliche Aspekte im Vordergrund standen, fand im Laufe der Zeit auch eine stärkere Auseinandersetzung mit Tierhaltung und ethischen Fragen statt, so Waldbauer-Spegel.

Undogmatische Ernährung

Ernst und Stephanie erzählen, dass sie seit der Umstellung nicht mehr zum Essen eingeladen werden. Ihren Bekannten sei es zu mühsam, auf ihre neuen Ernährunggewohnheiten  Rücksicht zu nehmen. Dennoch sind sie von ihrer Entscheidung, vegan zu werden, überzeugt: "Es geht uns gesundheitlich viel besser und die meisten Gerichte lassen sich auch ganz einfach veganisieren." Wird darüber auch beim Dinnerabend gesprochen?

Beim Supper Club drehen sich 90 Prozent der Gespräche um das Thema "Vegan-Sein", sagt Waldbauer-Spegel. "Wir sehen das aber trotzdem nicht dogmatisch." Weniger als die Hälfte der Gäste seien Veganer, den geringsten Anteil würden Vegetarier ausmachen. "Das sind aber trotzdem Leute, die sich mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen oder frische Veganer, die Rezepte suchen", so die 35-Jährige. Einige der Gäste sind mit Stift und Block gekommen und machen während der Gespräch eifrig Notizen.

Vom Allesesser zum Veganer

Die Termine für den Supper Club werden vor allem über Internet und Mundpropaganda kommuniziert. Eine wesentliche Rolle dabei spielt das Blog "Von Schwesterlein an Lesterschwein", auf dem sich Katrin Waldbauer-Spegel und ihre 27-jährige Schwester Hanna Spegel gegenseitig Nachrichten hinterlassen.

Zentrales Thema ist immer Veganismus. Die Schwestern sind seit Beginn des Jahres Veganerinnen und waren zuvor Allesesserinnen. Auch die Rezepte der Gerichte der Supper Clubs sind auf dem Blog nachlesbar.

"Wir spielen Restaurant"

In Zukunft überlegt Waldbauer-Spegel, öfter Supper Clubs anzubieten. Im Moment finden diese immer samstags statt, geplant ist ein zusätzlicher unter der Woche. Außerdem müsse sie bei der derzeitigen Nachfrage auch immer wieder Personen absagen.

Außerdem soll der Unkostenbeitrag nach oben angepasst werden. Die Kostenbeitragsempfehlung versteht sich als freiwillige Spende und liegt momentan bei 18 Euro inklusive aller Getränke. Auf die Frage, ob man ohne Restaurantlizenz Freunde und Fremde überhaupt gegen Geld bewirten darf, stellt Waldbauer-Spegel klar: "Es handelt sich um eine reine Privatveranstaltung, wir spielen hier nur Restaurant."

Mittlerweile ist es nach Mitternacht. Alle Speisen sind aufgegessen, die Gäste schmökern in veganen Kochbüchern und tauschen Rezepte aus. Mit dem ein oder anderen Glas Wein lässt die Runde den Abend ausklingen und alle sind überzeugt, dass dies der erste, aber bestimmt nicht der letzte Supper Club war. (Elisabeth Mittendorfer, derStandard.at, 18.8.2013)


Mehr Infos:

Der nächste Supper Club findet am Samstag, den 31. August, unter dem Motto "Mediterrane Freuden" statt

Blog mit Terminen für den Kati's Vegan Supper Club

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super idee!!

gute initiative :)

Ein großer Holztisch (Zitat Artikel) für 12 Leute sieht aber anders aus als der am Foto. Muss angenehm sein, sich den Schweiß am Oberarm mit dem Sitznachbarn zu teilen. Ieh.

ich glaub, wenn sie einfach nach dem essen den wareneinsatz (und nur den wareineinsatz) zusammenrechnen, durch die anzahl der teilnehmer dividieren und nur diesen betrag kassieren würde, gäbs hier keine 1500 postings.

so kommts aber rüber, als würde sich eine unausgelastete frau in bildungskarenz mit ihrer leidenschaft (die ja ansich absolut lobenswert ist) auf pfusch etwas dazuverdienen. da darf man sich dann nicht wundern, dass dies jene, die vielleicht nicht so privilegiert sind und nach 10 stunden harter arbeit mit müden beinen ins bett fallen, innerlich zum "kochen" bringt.

naja, ich wüsst wahrscheinlich auch nicht wohin mit dem vielen gemüse (eigene ökoparzelle). aber dann sollte man es zumindest nicht an die große glocke hängen.

jetzt würde ich gerne 10x grün geben.

Solche friedlichen Ernährungsinitiativen sind einfach toll :) genial, dass es sowas gibt.
Super Supper Club.

Die beste Entscheidung: Mitgefühl.

Super Supper Club - eine den Tieren, Menschen und der Umwelt wohlgesinnte Initiative. Alles Gute den VeranstalterInnen!

veganer kommt ja angeblich aus dem indianischen und bedeutet soviel wie 'schlechter jäger und sammler'

zum dritten und letzten mal:

die korrekte übersetzung für veganer lautet:"zu bewusst und einfühlsam um jagen zu wollen"

Und für diesen lauwarmen Schmäh haben Sie nur 4 Tage gebraucht? Alle Achtung.

"Supper Club": der super Club für die, die keine Freunde für's gemeinsame Abendessen haben...

bzw. die spätestens nachdem sie von ihren Freunden 18 Euro für's Essen kassiert haben, keine mehr haben...

Deswegen liegt wohl der Anteil der Bekannten nur bei 20%. Aber ist wohl auch Sinn der Sache, es sollen ja schliesslich auch mehr Leute lernen vegan zu kochen. geht also durchaus in Ordnung.

18 euro für veganes essen bei fremden?

Bitte noch mehr solche Artikeln, was Menschen in der Bildungskarenz WIRKLICH machen !

großartig, Danke!

und wie sie das STEUERSCHONEND bis steuerfrei amchen - das ist ja erst der hit!

1405 Kommentare ... und dort,

beim der Frequenzy-Müll-Debatte feiern die fröhlichen 50er Jahre Auferstehung. Als ob mit Woodstock nicht auch in der Entsorgungsbranche neue Aera angebrochen wäre... KANN VIELLEICHT JEMAND VON DIESEM FORUM dort aushelfen? Es scheint dringend zu sein...: http://derstandard.at/137653411... ncy-bleibt

leuchtkugerl dankt!

Tierqual bewegt

eben mehr aber trotzdem nett von ihnen uns die Anzahl
der Kommentare zu sagen.Hat im Gegensatz zu den meisten Kommentaren wenigsten irgend einen Informationswert.

Veganer? Wäh, kaner...

will das essen.

Nein, es ist eh sicher gut. Aber 90% der Gespräche drehen sich ums Essen? Wie in der Steinzeit.

essen gehen einmal anders

kati’s vegan supper club ist ein underground restaurant in wien.

Die Termine sind bereits alle ausgebucht.

eigenwerbung stinkt - genauso wie das essen..

Das einzige Unterirdische hier ist das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Hm...bleibt sicher ein Minderheitenprogramm, denn in Wien kann man gut, günstig und vor allem auch gemütlich Essen gehen.
Soweit ich weiß kommt der Trend aus New York, wo die kolportierten Restaurantgepflogenheiten (Reservierungen tw. nur zu bestimmter Uhrzeit, der letzte Bissen ist noch nicht mal auf der Gabel, wird man schon hinauskomplimentiert, kaum Entgegenkommen bei Kundenwünschen, etc.) wohl schon viele Bewohner nerven.

guter Punkt, der Aspekt fehlt im Artikel komplett.

Großartig viele tatsächlich und zuverlässig vegane Restaurants gibt es aber selbst in Wien nicht:
http://www.vegan.at/veganeleb... s.php#wien

In dem Bereich sieht es wohl schon anders aus.

Welche 27-jährige Social-Media-Managerin erklärt mir, warum meine Kommentare im Forum nie erscheinen?

Suche Rar, biete Einkorn-Hartweizengries-Suppe mit Mangoldschaum!

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