Passagierverband beklagt Lokführermangel in Österreich

13. August 2013, 14:22
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Auch an Fahrdienstleitern mangle es - Gewerkschaft befürchtet "Mainzer Zustände" in Österreich

In Österreich gibt es laut probahn um "einige Hundert Lokführer" zu wenig. Der Fahrgastverband kritisiert auch die mangelnde Zahl an Fahrdienstleitern, deretwegen es zu einer ähnlich chaotischen Situation wie derzeit in der deutschen Stadt Mainz kommen könnte. In die rheinland-pfälzische Hauptstadt gelangen kaum noch Züge der Deutschen Bahn, weil es wegen Krankenständen, Urlauben und genereller Unterbesetzung an Personal fehlt - DER STANDARD berichtete.

Urlaub und Krankenstände

Grund seien in Österreich gemäß probahn nicht nur Urlaubszeiten und Krankenstände, sondern auch ein Nachwuchsproblem. Die Ausbildung zu Lokführern und auch Fahrdienstleitern sei auf wenige Monate verkürzt worden, was mit einer "Geringschätzung der Arbeit der Lokführer" verbunden sei.

Zudem werde der Beruf des Lokführers wegen "unregelmäßiger Arbeitszeiten unattraktiv", glaubt man bei probahn. Insgesamt steige die Verunsicherung beim Bahnpersonal wegen der Bahnliberalisierung. "Hinzu kommt noch der Druck der Politik, die Bahnen müssen wirtschaftlicher werden, was zumeist einhergeht mit einer Einsparung beim Personal."

Also fordert der Fahrgastverband '"eine breite Charme-Offensive aller Bahnunternehmen, um neues qualifiziertes Personal, insbesondere Lokführer und Fahrdienstleiter zu gewinnen". Das Berufsbild müsse verbessert und eine leistungsgerechte Entlohnung gesichert werden.

Gewerkschaft bekräftigt Kritik

Auch die Gewerkschaft vida bekräftigte am Dienstag die Kritik wegen zu wenig Personal bei den ÖBB. "Mainzer Zustände bald auch in Österreich", spitzten die Arbeitnehmervertreter in einer Aussendung zu.

Gerhard Tauchner, Sprecher der Plattform Lokfahrdienst, forderte, die ÖBB müssten jährlich zwischen 30 und 50 Leute in die Lokführerausbildung aufnehmen - "aber seit 2011 gab es keine Neuaufnahmen mehr", kritisierte er. Von den ÖBB hieß es: "Probleme wie in Deutschland sind bei uns unwahrscheinlich." Man sei gut aufgestellt.

Lage in Deutschland spitzt sich zu

In Deutschländ verschärft sich inzwischen die Kritik an der Verkehrspolitik und an der Person des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer (CSU). SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kritisierte das Personalwesen der Deutschen Bahn AG. "Hier wurde offenbar falsch gespart. Das rächt sich jetzt", sagte er der "Passauer Neuen Presse" am Dienstag. Die Bahn-Mitarbeiter zu bestrafen und aus dem Urlaub zurückzuholen, sei der falsche Weg. SPD-Bundestagsfraktionsvize Florian Pronold warf der Regierung eine Mitverantwortung vor.

Druck auf die Deutsche Bahn übt auch das deutsche Eisenbahn-Bundesamt (EBA) aus. "Ihnen wird aufgegeben, unverzüglich den sicheren, für die Durchführung des planmäßigen Verkehrs erforderlichen, uneingeschränkten Betrieb des Stellwerkes Mainz wieder aufzunehmen", heißt es in einem dem "Handelsblatt" (Mittwoch) vorliegenden Bescheid des EBA vom 12. August an die Bahn-Tochter DB Netz AG. 

Gewinne versickern

Die Personalnot in nahezu allen Bereichen sei auf das übertriebene Renditestreben der Deutschen Bahn AG zurückzuführen, erklärte ein Sprecher der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Beim Personal könne halt am einfachsten gespart werden. "Die Gewinne versickern einfach irgendwo im Bundeshaushalt. Wir wollen aber, dass das Geld in das System Schiene fließt", so der EVG-Sprecher. Die Situation in Mainz zeige, dass die Mangelwirtschaft beim Personal auf Dauer nicht funktionieren könne.

Neben Mainz gibt es derzeit laut dem Sprecher der Bundesnetzagentur, René Henn, auch Probleme in Bahn-Stellwerken in Amorbach-Beuchen (Bayern), Bebra, Berlin-Halensee, Berlin-Tempelhof, Lahnstein-Friedrichssegen (Rheinland-Pfalz), Mainz, Niederarnbach (Bayern), Zwickau (Sachsen).

Nach einem Krisengipfel am Dienstag wurden Verbesserungen angekündigt. Ab kommendem Montag würden Züge zwischen und 06.00 und 20.00 Uhr zu 15 Prozent nicht fahren, kündigten die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und DB Netz-Chef Frank Sennhenn an. Ab 17. August solle an Wochenenden wieder der Normalfahrplan gelten. In der letzten Augustwoche wolle die Bahn zum Vollbetrieb zurückkehren, falls es nicht zusätzliche Krankmeldungen der Fahrdienstleiter gebe. "Es gibt Linderung", sagte Dreyer. Sie zeigte sich aber nicht zufrieden.(APA/red, 13.8.2013)

  • Zustände wie in Mainz könnten laut Gewerkschaft bald auch in Österreich an der Tagesordnung stehen.
    foto: fredrik von erichsen/dpa

    Zustände wie in Mainz könnten laut Gewerkschaft bald auch in Österreich an der Tagesordnung stehen.

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