"Stimme in der Politik hörbar machen"

12. August 2013, 18:42
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Bundesjugendvertretung will Jungwähler für Mitbestimmung interessieren

Wien - Zwei Dutzend Jugendliche stehen in der prallen Sonne vor dem Wiener Parlament, tanzen, halten Luftgitarren in der Hand, zwei davon strecken ein Banner in die Höhe. Im Hintergrund läuft lautstark ein Hip-Hop-Instrumental, der dazugehörige Rapper erntet für seine Performance kaum Aufmerksamkeit. Sein Publikum, eine kleine Gruppe Kinder und eine Handvoll Touristen, hat einen kleinen Eiswagen entdeckt, der neben der Bühne Gratiserfrischungen im Stanitzel verteilt.

Mit dieser "lautstarken Auftaktveranstaltung" vor dem Parlament in Wien läutet die Bundesjugendvertretung am Weltjugendtag am Montag unter dem Motto "29913 - Du gibst den Ton an!" eine Infokampagne für junge Wähler ein. Die Zahl steht übrigens für das Wahldatum. Jugendliche sollen sich und ihren Themen in den Wahlkabinen der anstehenden Nationalratswahl mehr Gehör verschaffen, so lautet die Botschaft der Kampagne.

"Jugend-Check" der Parteien

Österreichweit werden Infofolder an Jugendliche verteilt, auch auf der Aktionswebsite und den Social-Media-Kanälen sollen Videospots, allgemeine Informationen zur Wahl und ein "Jugend-Check" der Parteien erste Orientierungshilfe leisten: "Im Jugend-Check" nehmen die Spitzenkandidaten der Parteien Stellung zu jugendpolitischen Themen wie Jugendschutz, Arbeitsmarkt und Jugendgerichtsbarkeit.

Höhepunkt der Kampagne wird eine "Dialogveranstaltung" am 12. September im Parlament sein, bei der Jugendliche direkt mit den Vertretern der Parteien ins Gespräch treten können.

Die Bundesjugendvertretung äußerte sich bereits im Vorfeld der Kampagne kritisch darüber, dass Jung- und Erstwähler im Wahlkampf kaum oder gar nicht angesprochen werden: Vor fünf Jahren wurde das Wahlalter auf 16 gesenkt, von den Parteien werde das aber zu wenig genutzt: "Bis jetzt gehen Jugendthemen im Wahlkampf ziemlich unter. Wir finden es schade, dass die Parteien oft auf junge Menschen vergessen", sagt der Vorsitzende David Neuber.

Drei Prozent der Gesamtwählerschaft sind 16- bis 18-Jährige, die Wahlbeteiligung bei der letzten Nationalratswahl im Jahr 2008 lag bei dieser Altersgruppe im Durchschnitt der Bevölkerung.

"Noch viel zu tun"

Die Bundesjugendvertretung betont, dass nicht das mangelnde Interesse Jugendlicher an Politik das Problem sei, sondern das mangelnde Informationsangebot: "Hier haben alle Parteien noch Aufholbedarf. Der Andrang auf unsere Diskussionsveranstaltung mit den kandidierenden Parteien sowie auf unsere Wahlinfos zeigt: Hier ist noch viel zu tun." (Julia Niemann, DER STANDARD, 13.8.2013)

  • Mit einer lautstarken Auftaktaktion startete die Bundesjugendvertretung am Montag vor dem Parlament ihre Infokampagne für Jugendliche.
    foto: der standard/niemann

    Mit einer lautstarken Auftaktaktion startete die Bundesjugendvertretung am Montag vor dem Parlament ihre Infokampagne für Jugendliche.

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