Ein Raiffeisenmann für die Styria

12. August 2013, 18:40
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Internationale Suche endet im eigenen Aufsichtsrat: Markus Mair führt drittgrößten Medienkonzern

Graz/Wien - Den neuen Chef der "Neuen Zürcher" hat Spencer Stuart gefragt, den Exvorstand des deutschen Magazinriesen Gruner+ Jahr und einen Post-AG-Vorstand. Einen laut Eigenwerbung führenden internationalen Headhunter hätte Österreichs drittgrößter Medienkonzern nicht bemühen brauchen: Der neue Boss der Styria saß schon seit 2009 in ihrem Aufsichtsrat: Markus Mair (48), 20 Jahre in der Raiffeisen-Landesbank Steiermark, die letzten acht als Generaldirektor. Nun wird er Vorsitzender des Styria-Vorstands, mit Klaus Schweighofer und Finanzer Malte von Trotha.

Aus sechs Jahren im Aufsichtsrat der Styria dürfte Mair wissen, welche Herausforderungen im Konzern auf ihn zukommen.

  • Digital "Es wird zu viel digital gemacht, ohne es als richtiges Geschäftsfeld zu verstehen": 2012 vermisste Aufsichtsratschef Friedrich Santner im STANDARD "Innovation". Wolfgang Bretschko, den Mair als Vorstand ablöst, war für Digitales zuständig. Wie alle Medienhäuser muss die Styria versuchen, digitale Kanäle "wirtschaftlich erfolgreich zu nutzen", sagte Bretschko zum Abschied. Die Styria führt gerade Vermarktung und Technik vieler ihrer Portale zusammen. Auch inhaltlich könnten sie künftig zusammenarbeiten, auch wenn man das bei der Präsentation noch verneinte. Eine starke Marktposition in Österreich, Kroatien und Slowenien hat die Styria bei Marktplatzportalen wie willhaben.at und Njuskalo.
  • "Presse" und "Wirtschaftsblatt" hat die Styria schon 2012 in einem Verlag zusammengeführt. Devise ihres gemeinsamen Geschäftsführers Michael Tillian: "Cut and Grow". Intern wird nach der ersten Sparwelle diesen Herbst eine weitere erwartet. Schwierig beurteilen Konzernkenner insbesondere die Lage beim "Wirtschaftsblatt". Engere Zusammenarbeit der Redaktionen könnte auch hier wieder Thema werden. Mehrfach kursierten Ideen, etwa die (überregionale) Sportberichterstattung konzernweit zusammenzuführen.
  • Slowenien Die Styria hat mit der Gratistageszeitung "Zurnal24" und ihrem wöchentlichen "Zurnal" eine starke Marktposition aufgebaut - kann sie bisher aber in der politisch geprägten und von der Konjunktur gebeutelten Wirtschaft nicht in Werbegeld ummünzen. Ein Rückzug aus Slowenien ist intern immer wieder Thema.
  • Kroatien Auch hier bröseln die Werbeeinnahmen weiter. Die erfolgreiche Massenzeitung "24sata" gilt intern inzwischen als zweitstärkster Geldbringer. Die Zeitung "Vecernji List" hat die Styria mit dem Verlag von "24sata" an einem Standort vereint. Die Wirtschaftszeitung "Poslovni dnevnik" sehen Insider regelmäßig auf der Kippe.

Wirtschaftlicher Muskel der Styria ist traditionell die "Kleine Zeitung". Auch sie spürt - wie viele Printmedien - Konjunktur und digitale wie analoge Gratiskonkurrenz. Die Antenne-Radios (Steiermark, Kärnten) laufen erfolgreich, wiewohl in kleinen Dimensionen. In denen operiert auch die Magazingruppe Styria Multi Media mit Titeln wie "Wienerin", "Diva", "Wiener" und "Sportmagazin". Regionalmagazine hat die Styria mit denen der Tiroler Moser Holding ("Tirolerin", "Salzburgerin") vereint.

Wirtschaftlich gewichtiger ist die Regionalmedien Austria: Hier betreiben Styria und Moser Holding österreichweit Gratiswochenzeitungen. Die 50:50-Tochter meldete zuletzt rund zehn Millionen Ergebnis vor Steuern, als operatives Ergebnis stehen 4,4 Millionen in der Bilanz 2012.

Kaum mehr weist die ganze Styria laut Firmenbuch für das Jahr 2012 aus: 4,7 Millionen Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit nach 7,64 im Jahr 2011. 4,48 Millionen Euro Jahresüberschuss nach 7,66 Millionen. Mit einem Gewinnvortrag von satten 57 Millionen Euro aus Vorjahren lag der Bilanzgewinn 2012 bei 61,4 Millionen nach 70 ein Jahr zuvor.

Für die steirische Raiffeisenlandesbank meldete Mair im Geschäftsjahr 2012 gut 14 Millionen Euro Überschuss - nach 114 Millionen ein Jahr zuvor. Und nachdem er, wohl im Sinne der Bilanz, eine Reihe Bankbeteiligungen in Süd- und Osteuropa an verwandte Institute abgetreten hat. (fid, DER STANDARD, 13.8.2013)

  • Die Vorher-nachher-Show: Markus Mair als steirischer Raiffeisen-Generaldirektor in Pressebildern von 2009, 2010 und 2012, jeweils zum Weltspartag mit dem Grazer Raiffeisen-Aufsichtsratschef Wilfried Thoma.
    foto: foto fischer/rlb/raiffeisen-landesbank steiermark

    Die Vorher-nachher-Show: Markus Mair als steirischer Raiffeisen-Generaldirektor in Pressebildern von 2009, 2010 und 2012, jeweils zum Weltspartag mit dem Grazer Raiffeisen-Aufsichtsratschef Wilfried Thoma.

  • Seit Montag auch optisch neu positioniert als Vorstandschef der Styria.
    foto: apa/styria

    Seit Montag auch optisch neu positioniert als Vorstandschef der Styria.

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