Das Revier der roten Silberrücken

12. August 2013, 18:41
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Die pannonische SPÖ feiert nächstes Jahr 50 Jahre Rotwerdung. Und an dieser Landesfarbe wird sich im heurigen September wohl auch nichts ändern

Eisenstadt - Im nächsten Jahr wird es ein halbes Jahrhundert her sein, dass das Burgenland fundamental umgefärbt wurde. Aus einer landwirtschaftlich geprägten, schwarz dominierten Region wurde eine, die sich im Bild des fleißig arbeitenden Pendlers erkannte, der den Wienern nicht nur Wohnungen, sondern sogar die U-Bahn baut, sich in der Bundeshauptstadt wohlfühlt und nicht nur deshalb ganz selbstverständlich rot wählt.

Und dabei blieb es bis heute, fast auf den Prozentpunkt genau - bei der Landtagswahl 1964 waren es 48,23 SPÖ-Prozent, 2010 48,26 Prozent. Es klingt also nicht überheblich, wenn Robert Hergovich, der rote Landesgeschäftsführer sich und der Partei als Ziel für die Nationalratswahl im September setzt, was zuletzt mit 40,1 Prozent eh das Ergebnis gewesen ist: "Vierzig plus." Das Allerwichtigste aber: "Wir wollen wieder die stärkste Landesorganisation werden."

Die ÖVP, die seit 1964 die zweite pannonische Geige spielt, gibt es logischerweise bescheidener. Hergovichs schwarzer Amtskollege, Christian Sagartz, erwartet oder wünscht sich "dreißig plus" gegenüber 29,1 Prozent 2008. Dafür, dass Sargartz' Chef Franz Steindl im Chor mit Bundeschef Michael Spindelegger 2013 zum "Jahr der ÖVP" ausgerufen hat, ist das Ziel bemerkenswert zurückhaltend, um nicht zu sagen, da werde ostentativ die Kirche im Dorf gelassen.

Mit dieser ums Kreuz fährt zurzeit die pannonische FPÖ. Die ansonsten so expressiven Blauen sind so sehr den Freuden der Introspektion verfallen, dass Parteichef Johann Tschürtz Hören und Sehen beinahe vergangen ist. Unlängst hat sich die Mattersburger Ortsgruppe mit theatralischer Geste aus der Partei verabschiedet, kolportiertermaßen deshalb, weil der Ortsgruppenchef keinen fixen Listenplatz bekommen hatte.

Blaue Traumfänger

Mag sein, genau deshalb beginnt der blaue Wahlkampf morgen, Mittwoch, in Mattersburg. H.-C. Strache wird da sein, und zwar ausgerechnet in einem Lokal, das "Traumfänger" heißt. Norbert Hofer, der eher stille FP-Spitzenkandidat im Burgenland, wird in weiterer Folge durch ein weitgehend zerstrittenes blaues Land touren müssen, dessen Funktionäre damit beschäftigt sind, sich in die Haare zu kriegen, weil ja zuallererst einmal im November ein "Statutenparteitag" auf dem Programm steht.

Mag sein, das ändert sich, wenn die Hitze des Sommers dann der Hitze des Gefechts weicht. Noch tendiert der Wählerwille ganz allgemein ja Richtung See, da kann man den Herrn Politiker leicht einen guten Mann sein lassen. Und natürlich auch die Frau Politikerin.

Christiane Brunner zum Beispiel, umweltsprechende Spitzenkandidatin der Grünen, die mit dem insolvenzfördernden Förderentzug für das Biomassekraftwerk Güssing, ein ideales Wahlkampfthema geschenkt bekommen hat. Landessprecherin Regina Petrik peilt "das beste Ergebnis an, das die Grünen im Burgenland je hatten", und zwar sechs Prozent. Zuletzt waren es 5,7 - auch die Grünen orientieren sich also mit und an dem Augenmaß.

So richtig losgehen wird der Wahlkampf Ende August. Am 30. verwandelt die Anwesenheit des Michael Spindelegger die Eisenstädter Julius-Raab-Straße, wo die Landes-ÖVP residiert, in ein Mulatság-Areal. Spitzenkandidat Nikolaus Berlakovich wird da schon eine Zeitlang getourt haben, traditionell begleitet von einem Konvoi begeisterungsfähiger Jung-ÖVPler. "Die machen das alles ehrenamtlich", sagt Christian Sagartz, "heuer hoffen wir auf insgesamt 150 junge Menschen."

Die SPÖ startet am 7. September in Berlakovich' Nachbardorf, sozusagen in voller Montur. Bundeskanzler Werner Faymann spricht - mag sein, ein paar Worte auf Kroatisch - in Nikitsch/Filez, zu dem auch Mjenovo / Kroatisch Minihof gehört. Und dort ist Norbert Darabos, rote pannonische Spitze im selbstentworfenen Wahlkampf, immer noch Präsident des Fußballklubs. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 13.8.2013)

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