Mörderisch abfeiern im Bunker

12. August 2013, 07:19
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Georg Staudachers "Nur für 3 Tage" basiert auf der Novelle "After the hole von Guy Burt" und ist in Klagenfurt zu sehen

Klagenfurt - Liz rennt schreiend auf das Publikum zu. Die Psychiaterin aus dem Off kann sie nur mit Mühe beruhigen und dazu bewegen, ihre traumatischen Erlebnisse zu rekonstruieren. Statt drei Tage lang mit Freunden in einem stillgelegten Bunker zu feiern, hat Liz einen 18-tägigen Überlebenskampf hinter sich. Schritt für Schritt erfährt das Publikum in der Theater Halle 11 in Klagenfurt, wie das erotisch aufgeladene Abenteuer in einen Horrortrip umschlagen konnte. Mitschüler Martyn wird festgenommen, weil er die Jugendlichen in den Bunker eingesperrt haben soll. Dann stellen sich Liz' Aussagen als erfunden heraus.

Das Jugendstück Nur für 3 Tage von Georg Staudacher basiert auf der Novelle After the hole von Guy Burt. Ein Psychodrama, in dem viel herumgeschrien und Theaterblut vergossen wird, auch wenn Regisseurin Angie Mautz die ernste Thrillerstimmung immer wieder mit ironischen Einschüben bricht. Witzig die Einführung der Jugendlichen als klischeehafte Typen, die sich zum Beat von Call me maybe in Partylaune tanzen.

Leider bleibt es dann bei den schnell abgenützten Boulevardfiguren von dummer Tussi (Barbara Kuk als Frankie) und notgeilem Tölpel (Christopher Schulzer als Geoff). Vielseitig und abgründig dagegen das vermeintliche Opfer Liz (Angela Ahlheim). Sie ist buchstäblich wahnsinnig in Rockstarsohn Mike (Miha Kristof) verliebt, den Mautz an Staudacher angelehnt hat. Gesellschaftskritik hat nur in Martyns flammender Verteidigungsrede Platz, in der er das Machtgefüge im Internat und das rücksichtslose Verhalten seiner versnobten Mitschüler (Dries Kragten) anprangert.

Das Junge Theater Klagenfurt, das sich als unkonventionelle Off-Theaterplattform versteht, legt mit der Produktion ein spannendes aber inhaltlich wenig anspruchsvolles Tennie-Horror-Stück vor. Abgesehen von einigen Längen und unausgegorenen Szenen überzeugt das Ensemble mit beklemmender Bunkeratmosphäre und intensivem Schauspiel. (Martin Mittersteiner, DER STANDARD, 12.8.2013)

  • Junges Theater Klagenfurt. 
    foto: jtk

    Junges Theater Klagenfurt. 

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