Ein Qualitätsplausch unter Freunden

12. August 2013, 07:11
1 Posting

Die Wiener Philharmoniker mit Christian Thielemann im Großen Festspielhaus

Salzburg - Der neue künstlerische Richtungsgeber der leidgeprüften Salzburger Osterfestspiele entfacht also auch im Sommer Höchstgrade der Begeisterung: Es treibt der Applaus Christian Thielemann jedenfalls so oft auf die Bühne (zuletzt waren die Wiener Philharmoniker längst abgetreten), als wäre er Jahre nicht mehr bei den Salzburger Festspielen gewesen und als würde nun eine triumphale Rückkehr erfolgen.

Ist natürlich nicht der Fall. Bayreuth bindet zwar immer wieder Thielemanns Sommerinteressen. Aber er kommt doch vorbei und leistet eben zumeist Vorzügliches. Seine Salzburger Version von Strauss' Frau ohne Schatten etwa ist nach wie vor erinnerlich.

Ebenfalls mit den Wiener Philharmonikern absolviert, verfügte die orchestrale Seite der szenischen Produktion seinerzeit durchaus über jene Tugenden, die man auch jetzt bei Anton Bruckners fünfter Symphonie erkennen konnte: Keine derben Effekte waren zu hören, dennoch aber ein emotional intensiver Zugang. Und gleichzeitig lag auch ein analytischer Blick auf den Einzelheiten, wodurch sich alles zu einer Interpretation von starker Ausgewogenheit bei gleichzeitig hoher Unmittelbarkeit rundete.

Diesen einzigartigen symphonischen Koloss, den Komponist Bruckner selbst nie, von einem Orchester gespielt, gehört hatte, muss man in seiner signifikanten Episodenhaftigkeit erst einmal so elegant und dramaturgisch sinnvoll aufbereiten:

Im ersten Satz erwächst aus der bewusst vibratolos-fahl gehaltenen Introduktion ein jauchzend-singender Streichertonfall, wobei der Satz in Summe letztlich von hoher Gelassenheit und Leichtigkeit geprägt blieb. Thielemann setzt zwar auf Ausdrucksvielfalt, ist dabei aber frei von plakativem Überschwang: Im zweiten Satz ist da viel abstrakte Poesie; während der dritte Satz zwischen massigen Entladungen und Beschwingtheit pendelte. Und im vierten Satz geht es über die Verarbeitung der bisherigen Themen makellos Richtung kontrapunktische Struktur. Tolle Balance wie strukturelle Hellsichtigkeit aber überall.

Das Ausnahmekonzert

Ein philharmonisches Konzert dieser Art hebt sich in diesem Salzburger Sommer ab vom bisher Gebotenen. Zwischen der sympathischen Invasion der opulent tönenden Spielfreude der El-Sistema-Gäste und Auftritten etwa von Dirigent Mariss Jansons (mit dem Orchester des Bayerischen Rundfunks) reüssierten die Wiener zwar mit Nikolaus Harnoncourt und Haydns verinnerlichten Jahreszeiten. Im Opernbereich kann man indes nicht auf vollends Überzeugendes verweisen. Weder bei Falstaff (mit Zubin Mehta) noch bei Meistersinger (unter Daniele Gatti) hörte man die Philharmoniker durchgehend glanzvoll. So kam dieses Qualitätszeichen in Konzertform gerade recht. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 12.8.2013)

Orchesterkonzerte der Philharmoniker: am 15., 17., 18. 8. mit Riccardo Muti; am 29. und 30. 8. mit Lorin Maazel

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Meisterhaft bei Bruckner: Christian Thielemann. 

Share if you care.