Ashton Kutcher über Apple-Gründer Steve Jobs

11. August 2013, 10:33
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Der Schauspieler spricht über seine Rolle, Google Glass und seine Begeisterung für Start-ups

Es war nicht besonders schwer für Ashton Kutcher, wie der junge Steve Jobs auszusehen. Eine viel größere Herausforderung war es, auch so zu denken wie der Mitgründer von Apple. Matt Whitley, Autor des Drehbuchs für den neuen Film „Jobs", präsentiert den Zuschauern einen launischen, rücksichtslosen und manipulativen Mann, der irgendwie auch geliebt wird. Einen Unruhestifter, der es schafft, in einem Markt nach dem anderen den Geschmack der Verbraucher genau zu treffen.

Kutcher versteht Tech-Welt: Er hatte als erster – noch vor dem Nachrichtensender CNN – eine Million Twitter-Follower. Als Partner in einem Risikofonds, der in junge Verbrauchertechnologie-Firmen investiert, weiß er, wie Unternehmer ticken. Und trotzdem: „Steve Jobs zu verstehen war fast so schwer, wie eine andere Spezies zu verstehen." Auszüge aus einem Interview mit dem Jobs-Darsteller, übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche:

WSJ: Sie spielen zum ersten Mal eine wahre Person, richtig?

Ashton Kutcher: Man spielt immer eine wahre Person, doch meistens wissen die Zuschauer nicht, wen man spielt. Dann hat man die Freiheit, Fehler zu machen. Wahrscheinlich werden manche Leute finden, dass ich bei Jobs Fehler gemacht habe. Aber es gibt so viele Sichtweisen auf diesen Typen. Ich habe mir den Steve Jobs vorgenommen, den meiner Einschätzung nach die meisten Menschen kannten, nämlich den Typen im schwarzen Rollkragenpulli, der runden Brille und den New-Balance-Schuhen, der ein Produkt vorstellt.

Sie sprechen im Film mit einem ganz besonderen Akzent.

Seine Adoptiveltern waren aus Wisconsin und aus Nordkalifornien, daher kommt da eine Mischung zusammen. Dann habe ich mir seine Verhaltensmuster angeschaut, seine Gesten, seinen Gang und die Art, wie er an der Hand abzählte und mit dem kleinen Finger anfing. Ich habe Bücher gelesen, die er auch gelesen hatte: „Die Autobiographie eines Yogi", „Schleimfreie Heilkost". Ich habe viel über die Unternehmer gelernt, die er bewunderte, sei es die Hewlett-Packard-Gründer, Edwin Land oder Thomas Edison. Außerdem über die Künstler, die er mochte: Bauhaus, Folon, Ansel Adams. Ich hörte die Musik, die er mochte (Bob Dylan). Ich nahm an, dass ich die Welt etwas mehr wie er sehen könnte, wenn ich die gleichen Dinge in mich aufnehmen würde wie er.

Haben Sie Ratschläge von Menschen bekommen, die ihn kannten?

Ich habe Zeit mit Avie Tevanian verbracht, ein Kollege von Steve bei NeXT. Er wurde später einer der leitenden Software-Ingenieure bei Apple. Ich habe Zeit mit Alan Kay verbracht, der die graphische Benutzeroberfläche und das objektorientierte Programmieren erfand. Jobs respektierte und bewunderte ihn. Ich habe auch einen Mann namens Mike Hawley kennengelernt, der eine Zeitlang mit ihm zusammenwohnte, um zu verstehen, wie er privat war. Ich lernte, wie Jobs auf bestimmte Situationen reagierte, warum er weinte, wie es klang, wenn er weinte, was ihn froh oder traurig machte.

Im Film sieht es aus, als sei er ein richtiger Idiot. Er haut sogar seine Freunde übers Ohr, die geholfen haben, Apple zu gründen.

Ich glaube, es gibt viel, das wir über ihn nicht verstehen. Der Typ, der am meisten Radau darum macht, keine Apple-Aktien erhalten zu haben, hat das Unternehmen verlassen, als es nur eine Handvoll Angestellte hatte, und kam zurück, als das Unternehmen schon auf dem Weg zum Erfolg war. Ich weiß nicht, was in Steve vorging, aber wenn man ein Unternehmen leitet, hat man für dieses eine Verantwortung, und dann muss man solche Entscheidungen treffen.

Auch über diesen Film hinaus sind Sie ein Tech-Fan. Sie haben Ihren eigenen Risikofonds?

Ich habe einen Private-Equity-Fonds. Wir investieren in junge Unternehmen, hauptsächlich Tech-Firmen mit einem Verbraucherfokus.

Was halten Sie von Google Glass?

Ich finde diese Technologie sehr interessant. Es dauert vielleicht noch ein paar Jahre, bis sie wirklich effizient ist. Es gibt Probleme mit den Batterien. Die Entwickler müssen auch erst noch zu dieser Technologie aufholen. Das hat Ähnlichkeiten mit den Macintoshs, als diese erstmals auf den Markt kamen. Die Leute fanden es cool, aber es dauerte Jahre, bis Entwickler die Software dazu entwickelt hatten, mit der diese Computer wirklich nützlich wurden.

Wovon sind Sie sonst noch begeistert?

Wie viel Zeit haben wir? Es passiert gerade sehr viel bei den sozialen Netzwerken. Mit Facebook haben wir ein Netzwerk gebaut, in dem jeder ist, den man kennt. Eine Firma namens Path betreibt ein Netzwerk für engere Beziehungen, also für Freunde und Familie. Die Plattform Nextdoor ist speziell auf die Nachbarschaft ausgerichtet, zum Beispiel, um Wohngegenden sicherer zu machen. Außerdem gibt es noch die Seite Couple, die für besonders enge Beziehungen geschaffen ist.

Der Bereich der intelligenten Optik ist sehr spannend. Es gibt eine Firma namens Smartthings, die Sensoren baut, mit denen man sein Heim automatisieren kann. Auch die Firma Nest versucht etwas Ähnliches. Mit Styleseat kann man Friseure buchen, bei Uber einen Fahrer. Dann gibt es die Seite Houzz, wo man sich über Baufirmen und Architekten informieren und einen Innenarchitekten buchen kann. Außerdem gibt es zweiseitige Marktplätze wie Airbnb und Getaround, wo Angebot und Nachfrage zusammenkommen.

Auch im Finanzbereich gibt es interessante Produkte. Dwolla erleichtert Finanztransaktionen, indem es die automatisierte Clearingstelle eliminiert. Square bietet einen ähnlichen Dienst für Kreditkartentransaktionen. Überall gibt es Innovationen. (DON STEINBERG, Wsj.de/derStandard.at, 11.8.2013)

  • Ashton Kutcher spielt Steve Jobs
    foto: ap

    Ashton Kutcher spielt Steve Jobs

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