Flucht als Kulisse

9. August 2013, 17:43
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Der übliche Reality-Show-Klamauk, auf den man auch beim öffentlich-rechtlichen ZDF nicht verzichten will

Der Ekel ist ihnen ins Gesicht geschrieben, sie weinen, sie schreien sich an, sind nervlich am Ende. Die Kandidatinnen und Kandidaten von Auf der Flucht - Das Experiment haben sich aus ihrem vertrauten Umfeld herausschälen lassen und begeben sich auf unbekanntes Terrain. Der übliche Reality-Show-Klamauk, auf den man auch beim öffentlich-rechtlichen ZDF nicht verzichten will. Warum auch? Schließlich wird die Truppe nicht ins Dschungelcamp geschickt.

Diese Show soll der Information und Empathie geschuldet sein: Mirja, Songül, Kevin, Katrin, Johannes und Stephan begeben sich auf jenen Weg, den Flüchtlinge aus Afrika oder dem Irak hinter sich bringen mussten. Im Gegensatz zu realen starten die gecasteten Flüchtlinge in einem deutschen Erstaufnahmelager. "Team Afrika" muss nach Eritrea, die anderen drei in den Irak. "Ich freu mich auf Afrika", "da wollt ich auch hin", strahlen Songül und Mirja.

Ex-Neonazi Kevin vergeht die gute Laune schon im Erstaufnahmelager. "Klar, Luxus hat man nicht erwartet - aber das ist ja nicht mal Standard!" Vom in Deutschland lebenden Salomon Ykealos will Kevin wissen, warum er damals "konkret" aus Eritrea flüchtete. "Es war Krieg", muss Ykealos den jungen Mann aufklären, der Minuten später erzählt, dass er sich bis vor kurzem "als deutscher Übermensch" verstand.

Gefährliche Routen und Transportmittel, keine Papiere - und in der Fremde angekommen, will man das Freibad nicht mit dir teilen. Wird all das erst zur "Reality" und nachempfindbar, wenn sich Mitteleuropäer auf eine durchchoreografierte Pseudo-Flucht begeben? Der Ekel ist uns ins Gesicht geschrieben. (Beate Hausbichler, DER STANDARD, 10./11.8.2013)

Zum Thema
Monitor auf daStandard.at: Auf der Flucht - Ein beschämendes Experiment

  • "Menschen auf der Flucht": Hier im Bild das Team Afrika.
    foto: zdf

    "Menschen auf der Flucht": Hier im Bild das Team Afrika.

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