Gigantenspiele auf Augenhöhe

9. August 2013, 19:48
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Die Superreichen geben für Kunst derzeit weniger aus als noch 2010. In der Auktionsbranche stiegen die Umsätze dennoch, New York und London bleiben die Hotspots

Kunst? Damit kann man auf reizvolle Art und Weise sein Geld, wenn auch nicht Milliarden verdienen, theoretisierte Alec Baldwin kürzlich am Rande der Vernissage zu einer von ihm kuratierten Ausstellung. Und, weihte der Hollywoodstar das Wall Street Journal in seine aktuellsten Pläne ein, er spiele mit dem Gedanken, eine Galerie in New York zu eröffnen, eher in Tribeca als im gesättigten Chelsea und spezialisiert auf Fotografie.

"Good luck, Alec!", kommentierte ein Poster aufrichtig oder auch ironisch, wer weiß das schon. Gesichert ist hingegen, dass die wachsende Schar der "high net worth individuals" (HNWIs), also jene, die über Spielgeld von mehr als einer Million Dollar verfügen, traditionell in Kunst investiert. Wenn anteilsmäßig auch weniger oft als noch vor einigen Jahren.

Schmuck und Uhren vor Kunst

An der Spitze der sogenannten "Investments of Passion" steht stärker denn je das Segment Schmuck, Edelsteine und Uhren: Für das erste Quartal 2013 weist der jüngst publizierte "World Wealth Report" (Capgemini & RBC Wealth Management) einen weltweiten Anteil von 31,6 Prozent aus. Noch 2010 lag der Jahresanteil hier bei "nur" 22 Prozent.

Interessanterweise spiegelt sich dieser Trend sogar erstmals im Ranking der zehn höchsten in New Yorker Auktionssälen verzeichneten Zuschläge: 39,32 Millionen Dollar (29,88 Mio. Euro) ließ sich ein anonymer Käufer Princie kosten, einen 34,65-karätigen Diamanten im Kissenschliff in der Farbe Fancy Intense Pink. Auch in Österreich hatte sich, wie die Halbjahresbilanz vor Augen führte, ein Brillantring (596.300 Euro, Dorotheum) auf den dritten Platz und noch vor eine Schiele-Zeichnung geschummelt.

Und welche Priorität genießt die Kunst in der Welt der Millionäre und Milliardäre? Ihre Quote sank im gleichen Zeitraum von 25 (Höchstwert aus dem Jahr 2008; 2010: 22 Prozent) auf derzeit 16,9 Prozent. So weit die internationalen Durchschnittswerte, die regional unterschiedlichen Schwankungen unterlagen. 2009 waren Europa und Lateinamerika mit je 27 Prozent die am stärksten aktiven Regionen, derzeit liegt deren Anteil bei 17,7 bzw. 15,8 Prozent, während die US-amerikanischen HNWIs immerhin noch 19,1 Prozent ihrer monetären Leidenschaft der Kunst widmen.

Historischer Auktionsumsatz

Shoppingtouren bei der Art Basel oder im Zuge der Mai-Auktionen in New York sind hier jedoch nicht berücksichtigt, die jedoch nicht nur dem Vernehmen nach beachtlich waren.

Am 15. Mai notierte Christie's dort nämlich den höchsten bisher in der Geschichte des Kunstmarktes eingespielten Umsatz: 66 Besitzerwechsel der Sparte Post-War & Contemporary schlugen sich mit gigantischen 495 Millionen Dollar (386,11 Mio. Euro) zu Buche. Die zehn teuersten Kunstwerke dieses Abends, angeführt von Jackson Pollocks 58,36 Millionen Dollar teurem Number 19 (1948), verdankte man fünf anonymen Käufern, zwei dem amerikanischen Handel und immerhin deren drei europäischen Privatsammlern, die summarisch knapp 120 Millionen Dollar für einen Lichtenstein, einen Basquiat und einen Manzoni springen ließen.

Europa mausert sich

Die jüngst von Christie's veröffentlichte Halbjahresbilanz liest sich insgesamt jedenfalls beeindruckend, auch wegen des historischen Höchstwertes von 3,68 seit Jänner eingespielten Dollarmilliarden, der abseits öffentlicher Auktionen abgeschlossene Private Sales inkludiert.

Die Auktionen selbst verliefen stärker als im Vergleichszeitraum des Vorjahres: In der führenden Sparte zeitgenössischer Kunst verbuchte man ein Total von etwas mehr als einer Milliarde Dollar (+zehn Prozent), der bei Versteigerungen in den USA erwirtschaftete Umsatz stieg um 28 Prozent auf 1,35 Milliarden Dollar.

Europa schlug sich in diesem Zeitraum mit 1,18 Milliarden Dollar (-15 Prozent) recht wacker, wobei der Löwenanteil dabei auf Auktionen in London (882,9 Mio. Dollar) entfiel, gefolgt von Paris (120,1 Mio. Dollar).

Gemessen am Ranking der höchsten, auf den Marktplätzen New York und London verzeichneten Auktionszuschlägen (siehe Tabellen), begegnen sich Christie's und Sotheby's auf Augenhöhe. In welchem Ausmaß die Sotheby' s-Zwischenbilanz von der Performance des Erzrivalen Christie's abweicht, wird das im Zuge des Quartalsberichts in den nächsten Tagen kredenzte Zahlenfutter zeigen.

Eines sei vorweg verraten: Per Ende Juni summierte sich allein der weltweit über Auktionen eingespielte Umsatz auf 2,55 Milliarden Dollar (Stand Juni 2012: 2,44 Mrd. Dollar), wozu die USA mit 1,10 (2012: 1,12) traditionell stärker beitrugen als Europa mit immerhin knapp 850 Millionen Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr stieg dieser Wert dort jedoch um stattliche 107,5 Millionen Dollar.     (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 10./11.8.2013)

  • Die vorläufigen Stars des internationales Marktes: Jackson Pollock ("Number 19") setzte sich in New York an die Spitze.
    foto: christie's / pollock-krasner foundation, ars

    Die vorläufigen Stars des internationales Marktes: Jackson Pollock ("Number 19") setzte sich in New York an die Spitze.

  • In London wiederum erzielte Pablo Picasso ("Femme assise") den höchsten Preis.
    foto: sotheby's

    In London wiederum erzielte Pablo Picasso ("Femme assise") den höchsten Preis.

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