Android Open-Source-Entwickler wirft frustriert Job hin

9. August 2013, 10:27
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Streit um fehlende Binaries für neues Nexus 7 - Kritik an Qualcomm - "Keine Lust mehr Kopf hinzuhalten"

Üblicherweise ist Google bemüht, die Geräte seiner Nexus-Reihe möglichst offen zu gestalten: So werden parallel zur Veröffentlichung neuer Softwareversionen auch die "Binaries" mit den proprietären Treibern der Hersteller sowie die vollständige "Factory Images" gepostet, mit denen nach etwaigen Modifikationen am System wieder der Auslieferungszustand hergestellt werden kann.

Konsequenzen

Wer genau geschaut hat, wird bemerken: Für das 2013er-Modell des Nexus 7 fehlt bisher beides. Ein Umstand, der nicht nur schnell Kritik von außen auslöste, sondern nun auch Google-intern Konsequenzen hat.

Abgang

Jean-Baptiste Quéru, bisher Maintainer des Android Open Source Project, hat öffentlich seinen Job hingeworfen. Es mache keinen Sinn sich um ein Betriebssystem zu kümmern, das nicht einmal bis zum Home-Screen booten kann, da die nötigen Grafiktreiber fehlen. Zudem habe er es satt, sich laufend Vorwürfe für etwas anzuhören, vor dem er intern - ohne Erfolg - seit Monaten gewarnt habe.

Rechtliche Probleme

In einem Tweet hatte Quéru zuvor beklagt, dass "Anwälte den Launch sabotieren, an dem er seit sechs Monaten gearbeitet habe". Später folgt die ernüchternde Erkenntnis, dass er derzeit weder wisse wann oder ob überhaupt jemals Factory Images für das neue Nexus 7 veröffentlicht werden können.

Qualcomm

Zwischen den Zeilen ist klar, wo Quéru die Schuld sieht. Wie beim Nexus 4 und auch beim Nexus One kommt beim neuen Nexus 7 eine GPU von Qualcomm zum Einsatz. Und bei all diesen drei Geräten hatte es in Folge Schwierigkeiten mit den nötigen Lizenzen zur Freigabe der Binaries gegeben. So waren im Vorjahr kurzfristig die Images für das Nexus 4 von der Google-Seite verschwunden. Allerdings konnte man damals die Situation innerhalb weniger Wochen bereinigen.

Unsicher

Mit dem Abgang von Quéru ist die Situation rund um die Auslieferung der Nexus-7-Images nun unsicherer als je zuvor. Der Entwickler hat übrigens nicht vor Google als ganzes zu verlassen, statt dessen werde er sich einfach neuen Aufgaben innerhalb des Konzerns zuwenden, so Quéru.

Update, 10.08.13

Und so schnell kann es dann plötzlich gehen: Nur kurz nach der öffentlichen Ankündigung von Quéru hat es Google dann offenbar doch geschafft, die ausstehenden rechtlichen Probleme zu lösen. Das aktuelle Factory Image sowie die Binaries für das neue Nexus 7 stehen seit kurzem zum Download bereits. Ob Quéru unter diesem Eindruck seine Entscheidung wieder rückgängig macht, ließ sich derzeit noch nicht in Erfahrung bringen. (apo, derStandard.at, 09.08.13)

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    grafik: google
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