"ZiB": Drei Viertel Rot um Mitternacht

8. August 2013, 18:02
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Für mehr Präsenz in den ORF-Nachrichten wird nun auch Grünen-Chefin Eva Glawischnig aktiv. Ihr Mediensprecher Brosz wettert seit Wochen über Regierungsfunk. Mediawatch sieht wieder viel SPÖ und ÖVP im Bild

Wien - "Das ist neu", wundert sich Dieter Brosz über die jüngsten Daten von Mediawatch: "Bisher durften die Oppositionsparteien in den weniger gesehenen Sendungen zu Wort kommen."

Die Analyse für Juli zeigt aber: In der "ZiB 24" um Mitternacht entfielen 77 Prozent der O-Töne von Politikern auf solche der SPÖ. Die ÖVP kam auf 17 Prozent der Politikeraussagen. Und das BZÖ auf sechs Prozent.

In der schon deutlich mehr gesehenen "ZiB 2" liegen ÖVP und SPÖ bei jeweils rund 35 Prozent der Redezeit. Die Grünen aber schaffen dort immerhin knapp 16 Prozent, das BZÖ elf, das Team Stronach liegt mit 1,4 noch vor der FPÖ. Wohl wieder ein Fall für eine öffentliche Beschwerde von FP-Generalsekretär und -Mediensprecher Harald Vilimsky. Nicht die erste.

In der "Zeit im Bild" um 19.30 Uhr kommen die Regierungsparteien laut Mediawatch-Analyse für den STANDARD auf zusammen gut 80 Prozent der Redezeit. Diese wichtigsten ORF-Nachrichten verfolgen selbst im brüllend heißen Sommer zwischen gut 600.000 und fast einer Million Zuschauerinnen und Zuschauer. Die Grünen sind auch hier stärkste Oppositionspartei - mit 9,3 Prozent.

"Gewisse Ausgewogenheit gefragt"

Brosz kennt die Argumente des ORF, wenn sich die Grünen wieder einmal beschweren: Die Regierung setze eben um, die Opposition kritisiere. So kurz vor der Wahl und "unklaren Regierungsverhältnissen" sei aber "eine gewisse Ausgewogenheit gefragt", findet Brosz. Er will gar von Anrufen aus Regierungsparteien wissen, in denen Beiträge über Initiativen von Oppositionsparteien "hinausinterveniert" würden. Details nennt er nicht. Und betont: "Wir intervenieren nicht." Dieser Tage dürfte auch Grünen-Chefin Eva Glawischnig den Grant der Grünen zum Thema aufgreifen.

Redezeit in den ORF-Nachrichten bedeutet nicht zwingend willkommene Präsenz: Wichtigstes ZiB-Thema der SPÖ war etwa die Finanzgebarung der Stadt Linz, die zum Rücktritt des roten Stadtrats führte.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, über alle drei großen ZiBs am längsten am Wort, wirkte im ZiB 2-Interview über die Abschiebung von Flüchtlingen nicht rundweg erfreut über die Gelegenheit zum Fernsehauftritt.

Wichtigstes ZiB-Thema der Grünen indes: Das Asylansuchen von NSA-Aufdecker Edward Snowden in Österreich. (red, DER STANDARD, 9.8.2013)

  • In der "ZiB 24" um Mitternacht entfielen 77 Prozent der O-Töne von Politikern auf solche der SPÖ.
    apa-foto: roland schlager

    In der "ZiB 24" um Mitternacht entfielen 77 Prozent der O-Töne von Politikern auf solche der SPÖ.

  • TV-Nachrichten im Juli 2013.
    grafik: der standard

    TV-Nachrichten im Juli 2013.

  • Mediawatch: Analyse für Juli.

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