IWF sieht Island und Zypern nicht stabilisiert

8. August 2013, 17:38
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In Island könnte es acht Jahre bis zum Ende der Beschränkungen für den Zahlungsverkehr dauern. Auch die Zyprioten werden vertröstet

Wien - Der Saisonauftakt verlief nach Maß: Im Frühling stieg die Zahl der ausländischen Besucher in Island im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel an. In keinem anderen europäischen Land verzeichnete die Tourismusindustrie einen solchen Boom, und die Chancen stehen laut dem europäischen Tourismusdachverband ETC gut, dass Island auch einen Sommer der Positivrekorde erlebt.

Damit nicht genug: Die isländische Wirtschaft wächst im Vergleich zu Kontinentaleuropa kräftig (plus 1,9 Prozent), die Arbeitslosigkeit fällt stetig. Trotzdem ist der Absturz des Landes nach Ausbruch der Finanzkrise nicht vergessen. Die Isländer müssen sich weiter damit herumschlagen, dass sie ihre Landeswährung nicht in Devisen tauschen können, keine ausländischen Wertpapiere erwerben dürfen, und Unternehmen brauchen für fast jede Auslandstransaktion eine Sondergenehmigung der Notenbank. Kurzum: Die 2008 eingeführten Kapitalverkehrskontrollen sorgen dafür, dass Island von der Außenwelt abgeschottet bleibt.

Angst vor digitalem Bank Run

Für eine Überraschung sorgt nun ein Papier von Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) über die geplante Lockerung der Beschränkungen in Island. Der Währungsfonds hat im Zuge der Krise umgeschwenkt und Kapitalverkehrskontrollen entgegen seiner früheren Position als vorübergehende Maßnahme zur Stabilisierung der Wirtschaft gutgeheißen. In ihrem Papier gehen die IWF-Experten einen Schritt weiter. Weil eine plötzliche Liberalisierung des Zahlungsverkehrs zu einem bedrohlichen Abfluss von Finanzmitteln führen würde, fordern die IWF-Experten eine Übergangsperiode von bis zu acht Jahren. Sprich: In dieser Zeit sollen die Beschränkungen für den Kapitalverkehr langsam und schrittweiße aufgehoben werden.

Der IWF schätzt, dass in einem Worst-Case-Szenario nach der Abschaffung der Kapitalverkehrskontrollen Bürger und Investoren Finanzmittel im Ausmaß von 170 Prozent der isländischen Wirtschaftsleistung aus dem Land abziehen könnten.

Island kämpft tatsächlich an vielen Finanzbaustellen: Im Land befinden sich nach wie vor gewaltige Sparguthaben ausländischer Bürger aus der Zeit vor 2008. Diese Gelder dürfen nur beschränkt konvertiert werden, weil ansonsten die isländische Krone kollabieren würde. Zudem haben isländische Pensionsfonds in den vergangenen Jahren nur heimische Wertpapiere gekauft - in jenem Moment, da ihnen eine Alternative offensteht, würde der Finanzexodus beginnen. Der IWF rät Island auch, kein fixes Datum für das Ende der Kapitalverkehrskontrollen zu nennen - das bisherige Ziel (Abschaffung 2013) wurde ohnehin schon verfehlt.

Ungeduldige Zyprioten

Recht ähnlich argumentiert der Fonds derzeit auch im Fall Zypern. Seit März ist der freie Geldverkehr in dem Euroland ja eingeschränkt. Im April wurden erste Lockerungen vorgenommen - so dürfen Bürger nun statt 3.000 nur 10.000 Euro pro Monat ins Ausland überweisen. Die zypriotische Regierung hat zudem angedeutet, dass ein Ausstieg aus dem System bereits im September 2013 möglich sei.

Die IWF-Missionsleiterin in Zypern, Delia Velculescu, dämpfte allerdings diese Woche die Erwartungen. Es wäre zu früh, um ein konkretes Datum zu nennen, Zypern müsste zuerst seine Problembanken abwickeln, erst nachher könnte die Abschaffung der Kapitalverkehrskontrollen beginnen, meint Velculescu. Auch Zypern müsse sich auf einen langsamen Prozess vorbereiten. (András Szigetvari, DER STANDARD, 9.8.2013)

  • Die Isländer zahlen mit Kronen. Diese können sie momentan nicht so einfach in Euro oder Dollar umtauschen. Die historische Figur auf der 5.000er-Banknote ist übrigens Ragnheiður Jónsdóttir, Ehefrau des Bischofs Gísli Þorláksson.
    foto: archiv

    Die Isländer zahlen mit Kronen. Diese können sie momentan nicht so einfach in Euro oder Dollar umtauschen. Die historische Figur auf der 5.000er-Banknote ist übrigens Ragnheiður Jónsdóttir, Ehefrau des Bischofs Gísli Þorláksson.

  • Ein Land als Blaupause für den Weg aus der Krise: "Wir wollen Island sein", fordern Studenten bei einer Demo in Valencia.
    foto: reuters/kalis heino

    Ein Land als Blaupause für den Weg aus der Krise: "Wir wollen Island sein", fordern Studenten bei einer Demo in Valencia.

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