Steine auf geheimer Wanderschaft

8. August 2013, 17:30
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Heike Baranowskys Videoinstallationen verlangen dem Betrachter große Aufmerksamkeit ab. Ihre Arbeiten zeigt aktuell das Lentos

Linz - Die Steine in Heike Baranowskys Videoinstallation Racetrack bewegen sich tatsächlich. Echt sind auch die Schleifspuren, die sie im Sand des Death Valley hinterlassen. Dennoch ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Nur beschränkt sich die Manipulation der deutschen Künstlerin auf eine Kleinigkeit: Baranowsky spielt mit der Zeit, schraubt ein wenig am Ablauf , erzeugt "Zeitfallen" oder Time Traps, wie ihre Ausstellung betitelt ist.

Jeder der drei Projektionsloops von Racetrack besteht aus circa 1000 auf der Hochebene Racetrack Playa im kalifornischen Death Valley aufgenommenen Fotos. Im Zentrum stehen die Steine, die sich auf wissenschaftlich bisher ungeklärte Weise bewegen und tiefe Schleifspuren im Untergrund hinterlassen.

Baranowsky umkreist diese und nützt die Bilder für eine Stop-Motion-Animation. So entsteht ein Film, ein Zeitfluss, der vorgibt, die Steine würden sich binnen eines Tages so bewegen, dass es für menschliche Augen wahrnehmbar ist.

Auf subtile Weise irritiert auch die Videoinstallation Blown in the Wind (2002): Ein "Salzkraut-Steppenläufer" (hierzulande besser bekannt als "das Ding, das in Westernfilmen durchs Bild rollt") wird offenbar von starkem Wind durch die kalifornische Wüste getrieben. Irritierend ist dabei, dass die Landschaft eingefroren bleibt, sich kein Blatt rührt und kein Wölkchen den Himmel trübt. Baranowsky gelang dies durch die Kombination aus Bewegung und "Freeze-Frame".

Die Schau im Lentos (in Kooperation mit der Kunsthalle Nürnberg) zeigt noch weitere bemerkenswerte, Aufmerksamkeit beanspruchende Arbeiten, darunter die heuer fertiggestellte Installation Barometer (iiii): Gedreht wurde in der Unterdruckkammer des brandenburgischen Hochleistungssport-Trainingszentrums BLZ Kienbaum. In den zu DDR-Zeiten errichteten, nach wie vor voll funktionstüchtigen Räumlichkeiten experimentiert die Künstlerin mit Wetterballons.      (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 9.8.2013)

Bis 18. 8.

  • Heike Baranowsky macht den Spaziergang der Steine im Death Valley sichtbar: "Racetrack" (2010).
    foto: galerie barbara weiss, heike baranowsky / vbk, wien 2013

    Heike Baranowsky macht den Spaziergang der Steine im Death Valley sichtbar: "Racetrack" (2010).

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