Der Mensch ist schlauer als der Stau

Kolumne8. August 2013, 17:23
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Angekündigte Standzeiten finden nicht (immer) statt

Was wir uns eigentlich schon länger gedacht haben, ist jetzt schwarz auf weiß wissenschaftlich bestätigt. Angekündigte Verkehrsstaus finden in der Regel nicht statt oder zumindest nicht im prognostizierten Ausmaß.

Das jedenfalls hat Harald Frey vom Institut Verkehrswissenschaften an der TU Wien erforscht. Damit erübrigen sich auch alle dramatischen Szenarien in puncto Schadstoffausstoß, die aus solchen Stauprognosen errechnet werden. Die Menschen sind nämlich eine Spur schlauer als viele Computerberechnungen oder zumindest flexibler.

Fantasievolle Reaktion

Üblicherweise werde das Ausmaß der Verkehrsbehinderungen überschätzt, so Frey. Ist die Verkehrsbehinderung rechtzeitig bekannt, entwickeln die Menschen sehr viel Fantasie, mit ihr umzugehen, und weichen auf öffentliche Verkehrsmittel aus oder verschieben ihre Fahrt oder verzichten auf ihr Auto ganz, zumindest vorübergehend, was viele Computerprogramme nicht oder zu wenig berücksichtigen. So kommt Frey zu dem Schluss: "Das Gesamt­verkehrsaufkommen ist keine Naturkonstante."

Auch wenn man sich dies denken konnte, ist es wichtig, dass dieses Phänomen mit Zahlen belegt ist. Damit kann man engagierter darangehen, überkommene Verkehrsstrukturen umzukrempeln, um das Autofahren umweltfreundlicher und freudvoller zu gestalten. Niemand braucht Angst zu haben, dass der Verkehr zusammenbricht, wenn einmal Autos nicht fahren dürfen. 

Miteinander ist Grundvoraussetzung

Was Autoverteidiger gerne übersehen: Das erquickliche Miteinander der verschiedenen Verkehrsträger ist eine Grundvoraussetzung, damit Autofahren in Zukunft überhaupt stattfinden kann, und es gibt Momente, da ist Autofahren durch nichts zu ersetzen, rational wie emotional. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 9.8.2013)

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Angekündigte Staus finden nicht statt (TU Wien, Institut für Verkehrswissenschaften)

  • Eine Studie beweist: Der angekündigte Stau bleibt meist ein angekündigter.
    foto: apa/leonhardt

    Eine Studie beweist: Der angekündigte Stau bleibt meist ein angekündigter.

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