Der Pinzgauer Beitrag zu den Kronjuwelen

9. August 2013, 17:07
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Der Smaragdweg im Salzburger Habachtal gibt einen guten Einblick in die alte und neue Welt der Edelsteinklauber

Das Habachtal im Salzburger Pinzgau ist die einzige relevante Smaragdfundstelle in Europa und gilt obendrein als die mineralienreichste Region der Ostalpen. Zwar sind die dortigen Funde des seltenen Edelsteins urkundlich erst seit 1669 belegt, doch vermutet man aufgrund bronzezeitlicher Funde, dass schon in prähistorischer Zeit nach dem Mineral gesucht worden ist. Der blutrünstige römische Kaiser Nero soll einen Smaragd aus dem Habachtal besessen haben, und ein Prachtexemplar von 42 Karat unter den britischen Kronjuwelen stammt aus dem Pinzgau.

Bis zur Gründung des Nationalparks Hohe Tauern ging es in der Leckbachrinne und im Sedl oberhalb des Gasthofs Alpenrose wie bei den Goldgräbern des Wilden Westens zu: Die Mineraliensucher - in der Schweiz auch Strahler genannt - arbeiteten mit Schaufel und Krampen und leiteten den Bach mit Dachrinnen und Feuerwehrschläuchen um, um die Smaragde zu waschen. Mittlerweile ist auch das Suchen verboten, nur in einer nahe der Alpenrose abgegangenen Mure darf man nach dem grünen Juwel graben - was viele Besucher auch tun.

Seit Juni 2010 gibt es hier den Smaragdweg, der zum Großteil abseits des befahrbaren Güterwegs verläuft, mit zahlreichen Informationstafeln gespickt ist und einen sehr guten Eindruck dieser hochalpinen Landschaft vermittelt. Hier werden unter anderem regelmäßig auch Pyrite, Bergkristalle, Turmaline und Rauchquarze gefunden. Welche Prachtexemplare die Steinsucher dort entdeckten und bargen, ist in den Museen von Bramberg und Mittersill zu sehen, deren Besuch man sich nicht entgehen lassen sollte. Allein der Habach, dessen Wasser sich wie verflüssigter Edelstein ausnimmt, bietet immer wieder eine faszinierende Szenerie.

Das Erwandern des Smaragdweges ist wegen der kurzen Distanz von rund acht Kilometern nicht tagesfüllend, doch bieten sich im Umfeld etliche Erweiterungsmöglichkeiten an. So kann man ein gutes Stück weiter in das Habachtal hinein wandern und hat dabei immer die Gletscher der Hohen Fürleg vor Augen.

Von der Moaralm führt ein unmarkierter, aber sehr gut begehbarer Steig in die Leckbachrinne bis zum alten Smaragdbergwerk in etwa 2000 Metern Höhe. Auch wenn man den steilen Pfad nicht bis zu seinem Ende verfolgt, wird der Weg in die alpine Wildnis zum Erlebnis. Und man erhält einen guten Eindruck unter welch widrigen Umständen die Menschen einst nach dem grünen Edelstein suchten. Der Weg ist allerdings sehr steil und verlangt gute Ausrüstung. Bei unsicherem Wetter sollte man im Tal bleiben. 

Die Wanderroute: Mit dem Tälerbus von Habach (Parkplatz Habachklause) bis zum Gasthof Alpenrose und dann per pedes im wesentlichen dem Bach folgend zur Enzianhütte und zum Ausgangspunkt Habachklause.  (Bernd Orfer, DER STANDARD, Album, 10.8.2013).

  • Das Habachtal ist die mineralienreichste Region der Ostalpen.

    Das Habachtal ist die mineralienreichste Region der Ostalpen.

  • Auf einer Holzbrücke geht es entlang des Smaragdweges über den Habach.
    foto: tvb bramberg

    Auf einer Holzbrücke geht es entlang des Smaragdweges über den Habach.

  • Gehzeit 2 bis 2¼ Stunden, Höhendifferenz  im Abstieg rund 500 m. Gasthaus Alpenrose und Enzianhütte in der Saison durchgehehnd  bewirtschaftet. ÖK25V Blatt 3220-West (Mittersill),  Maßstab 1:25.000
    grafik: der standard

    Gehzeit 2 bis 2¼ Stunden, Höhendifferenz  im Abstieg rund 500 m. Gasthaus Alpenrose und Enzianhütte in der Saison durchgehehnd  bewirtschaftet. ÖK25V Blatt 3220-West (Mittersill),  Maßstab 1:25.000

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