Teilzeitautos sorgen für Konflikte in Bezirken

8. August 2013, 05:30
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Die Deutsche Bahn bietet mit Flinkster nun auch in Wien als mittlerweile dritte Firma Carsharing an. Der bürokratische Aufwand ist groß, mit jedem Bezirk muss eine Vereinbarung getroffen werden.

Wien - Wien sei für Carsharing ein interessanter Markt. Deshalb habe sich die Deutsche Bahn dazu entschlossen, ihre Autos auch in Österreich anzubieten. Die Flotte wird in den nächsten Wochen sukzessive auf 50 Fahrzeuge aufgestockt. In 18 Bezirken sollen die Autos den Wienerinnen und Wienern zur Verfügung stehen. Die Stadtregierung hat die rechtliche Grundlage dafür geschaffen, dass öffentlicher Parkraum für die Zwecke von Carsharing gegen Entgelt genutzt werden kann. Der Vertrag muss mindestens für sechs Jahre abgeschlossen werden. Einfach ist es für die Carsharing-Firmen dennoch nicht, in Wien Fuß zu fassen. Die Anzahl der Standplätze muss zwischen Bezirk und Carsharing-Betreiber fixiert werden. Die Anbieter müssen also mit den jeweiligen Bezirken in Verhandlungen treten.

Flinkster startet daher vorerst mit nur einem Standort - und der befindet sich am Westbahnhof in der Felberstraße. Für einen Stundenpreis ab einem Euro stehen die Autos zur Verfügung. Dazu kommt eine Pauschale ab 18 Cent pro Kilometer, mit der weitere Kosten beglichen werden.

Tarife variieren

Die bisherigen Anbieter funktionieren unterschiedlich. Während bei den blau-weißen Smarts von Car2go keine fixen Standplätze, aber ein beschränktes Gebiet für die Rückgabe vorgesehen ist, gibt es bei Zipcar, auch bekannt unter Carsharing.at, 83 Stellplätze über die ganze Stadt verteilt. Bei Car2go zahlt man 69 Euro pro Tag, bei Zipcar je nach Fahrzeugklasse zwischen 59 und 119 Euro.

Das für Verkehrsfragen zuständige Büro von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou freut sich über den neuen Anbieter. "Carsharing ermöglicht es vielen Menschen, ein Auto zu benutzen, ohne eines besitzen zu müssen", sagt Vassilakous Sprecher. Es spare Geld, schaffe Platz und sei ein Anreiz dafür, in der Stadt auf den eigenen Pkw zu verzichten.

Auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sieht den zusätzlichen Anbieter positiv. "Das Potenzial von Carsharing ist groß", sagt Christian Gratzer. Er weist darauf hin, dass in Österreich jeder vierte Haushalt mehr als ein Auto besitzt. Zweitwagen würden im Schnitt aber nur rund 8500 Kilometer pro Jahr gefahren.

Carsharing kann sich bereits unter 12.000 Jahreskilometern rechnen, so der VCÖ. Ein Carsharing-Auto ersetze acht bis 15 private Autos. Gleichzeitig sieht der VCÖ noch Aufholbedarf, gerade was die Stellplätze in Wien betrifft. Diese seien zu knapp bemessen und Grazer plädiert dafür, mehr öffentliche Standorte zur Verfügung stellen.

Wie schwierig das in der Praxis ist, zeigt die Situation in Wien-Mariahilf. Die Grünen haben dort im Juni einen Antrag eingebracht, die Stellplätze von bisher zwei im gesamten Bezirk auf fünf auszuweiten. Der Antrag wurde jedoch von SPÖ, ÖVP und FPÖ abgelehnt. Renate Kaufmann, rote Bezirkschefin in Mariahilf, erklärt, warum: "Es muss ein Lösungsmodell geben, das für alle gleich ist." Sie fürchtet, dass für einzelne Anbieter unterschiedliche Konditionen gelten. Die Stadt weist das zurück. "Die Rahmenbedingungen und die Vertragsinhalte sind für alle gleich." Nur die Standorte seien mit den Bezirken abzustimmen.

Parken in Garagen

Kaufmann fürchtet auch, dass mehr Carsharing auf Kosten der Parkplätze für Anrainer gehe. Sie fordert, dass die Anbieter auch in Garagen Plätze anmieten sollen. Die Grünen in Mariahilf wollen sich weiterhin für mehr Stellplätze einsetzen. Bei Bezirksrätin Susanne Jerusalem sorgen die unterschiedlichen Anbieter für keine Verwirrung: "Je mehr Angebot, desto besser." (Rosa Winkler-Hermaden, DER STANDARD, 8.8.2013)

  • Carsharing-Firmen feilschen mit Bezirken um die Stellplätze. Jene sind nicht immer interessiert, diese auszuweiten.
    foto: standard/newald

    Carsharing-Firmen feilschen mit Bezirken um die Stellplätze. Jene sind nicht immer interessiert, diese auszuweiten.

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