Arbeiterkammer hofft auf "gute Angebote" für Wiener Abfallberater

7. August 2013, 18:31
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Experte glaubt nicht, dass die MA 48 gegen das Arbeitsgerichtsurteil Berufung einlegen wird

Wien - Nach dem Erfolg einer Abfallberaterin der Stadt Wien vor dem Arbeits- und Sozialgericht glaubt die Arbeiterkammer (AK) Wien nicht an einen Einspruch der MA 48. Die Magistratsabteilung hat ein Monat Zeit, um das Urteil anzufechten, dass die Tätigkeiten der ehemaligen Mitarbeiterin eigentlich einem Angestelltenverhältnis und nicht Werkverträgen entsprachen. "Das Urteil wurde sehr detailliert und versiert ausgearbeitet", sagt Hans Trenner, Bereichsleiter Arbeitsrecht der Arbeiterkammer, im Gespräch mit dem Standard: "Ein Einspruch wäre rausgeschmissenes Geld."

Zudem rechnet Trenner damit, dass den rund dreißig anderen Klägern "gute Angebote gelegt werden". Doch trotz möglicher Berufung ist das Urteil rechtswirksam. Die Klägerin muss gleich wieder beschäftigt und rückwirkend bezahlt werden.

Problem in allen Branchen

Das Prozessergebnis war für den AK-Experten trotzdem nicht selbstverständlich. Denn: Je länger Arbeitnehmer mit solchen Klagen warten würden, desto mehr Vorurteile würden die Richter haben. "Immerhin wurde der Werkvertrag über einen längeren Zeitraum akzeptiert und auch die Vorteile genossen", sagt Trenner. Er meine damit die flexiblen, selbstständigen Arbeitszeiten und steuerlichen Begünstigungen. Deshalb rät er Betroffenen, sich so schnell wie möglich gegen unrechtmäßige Verträge zu wehren.

Die Scheinselbstständigkeit tritt laut Trenner in allen Branchen auf, sie sei allerdings nicht weit verbreitet: "Das Risiko, einen Prozess zu verlieren, ist zu groß und zu teuer." Extrembeispiele gebe es aber immer wieder. So erzählt der AK-Experte von Gerüchten über Werkverträge von Zimmermädchen, die pro gemachtes Bett bezahlt werden. (bbl, DER STANDARD, 9.8.2013)

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