Kein schöner Anblick

7. August 2013, 17:30
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Nicht einer war dabei, der erklärte: "Der Peer ist ein total klasse Typ"

Geben wir es doch zu: Zeigt das Fernsehen ein Politiker-Porträt, dann erwartet man nicht nur Auskunft über die politischen Positionen der Person. Der Blick ins Wohn-, wenn nicht sogar Schlafzimmer interessiert genauso. Man will die privaten Seiten sehen, nicht bloß offizielle Redeauftritte.

Dem ZDF-Porträt vom Dienstagabend über  SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kann man sogesehen die Note "sehr bemüht" geben. Klar, dass einer wie Steinbrück die Medien nicht ins Privathaus lässt - erst recht nicht, da sie ihn ohnehin "auf dem Kieker" haben, wie man in der SPD jammert.

Immerhin wurden Steinbrücks medienscheuer Ehefrau Gertrud ein paar Sätze entlockt: dass ihr Mann natürlich in echt  ganz ein Lieber sei. Erstmals zeigte das ZDF auch Fotoaufnahmen des Teenagers Peer. Nett, aber auch nicht dazu angetan, in Steinbrücks Seele zu blicken.

Sehr viel aussagekräftiger waren die vielen Wortmeldungen von Freunden. Nicht einer war dabei, der erklärte: "Der Peer ist ein total klasse Typ, ein echter Kumpel, den mag ich."

Alle legten einen Puzzleteil auf den Tisch, und das Bild war zwar nicht neu, in seiner Gesamtheit aber doch recht eindrucksvoll – und kein so schöner Anblick. Der Mann ist eitel, schnoddrig, blitzgescheit, ungeduldig und scharfzüngig.

Noch bevor man sich fragt, wie ihn – um Himmels willen – seine Gegner beschreiben würden, läuft schon der Nachspann. Schade. Persönliches Porträt hin oder her, in Grundzügen hätte man schon auch vermitteln können, was Steinbrück politisch durchsetzen möchte. Nächsten Dienstag kommt das ZDF-Merkel-Porträt. Vielleicht erfährt man da auch etwas über Inhalte. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 8.8.2013)

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