Barbie: Nicht ohne mein Beauty Case

7. August 2013, 15:22
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Neue "Mars Explorer Barbie": Mattel versorgt Barbie zwar mit männerdominierten Berufen, doch an den rigiden Schönheitsidealen bleiben - Zitrone für einen antifeministischen Klassiker

Wenn ein Mädchen die Barbie-Puppe als Vorbild bezeichnet, weiten wohl nicht wenige Eltern entsetzt die Augen. Doch für den Spielzeugriesen Mattel sind die anorektischen Puppen nicht nur das. Als "Role Models", ja gar als "Agentinnen des Wandels"("Agent of Change") wird auf der Mattel-Website die Produkt-Reihe "Careers" beworben.

Neben Barbies Tätigkeiten als Fitnesstrainerin, Rock Star, Feuerwehrfrau oder Präsidentschaftskandidatin wird sich Barbie künftig auch der Erkundung des Mars widmen. Die "Mars Explorer Barbie" wurde aus Anlass des Jahrestages der Landung des Mars Rovers Curiosity in Zusammenarbeit mit der NASA auf den Markt gebracht. "Mädchen von Heute können die Mars-Forscherinnen von Morgen sein" heißt es in einer Aussendung von Mattel. Nicht zuletzt hätte die Marke Barbie Mädchen zu großen Träumen "ermächtigt" und sie dazu ermuntert, die Welt zu erforschen.

Raumanzug, stylisch getrimmt

Nun – mitgegeben wird den kleinen Barbie-Besitzerinnen allerdings auch, dass in all diesen Träumen Outfit und Aussehen an erster Stelle steht. Mattel ist offenbar der Auffassung, dass Raumfahrt für Mädchen nur dann interessant wird, wenn sie in einem "stylischen Raumanzug" mit reflektierenden – und jetzt kommt das wichtigste – pinken "Akzenten" stecken. Und weil bei den Barbie-Produkten Jahr um Jahr alles pinker und pinker wird, hat Barbie auf dem Mars nicht zuletzt auch die Aufgabe, dem Planten einen "einen pinken Touch" zu verpassen.

Zugute halten muss man dem Konzern, dass die Barbie-Berufsreihe seit den 60ern tatsächlich versucht, mit der Zeit zu gehen. So war zwischen 1959 und 1961 Barbie ausschließlich Model, Mode-Journalistin, Ballerina, Sängerin, Flugbegleiterin und Krankenschwester. Doch die mit den Jahren breiter werdende Berufspalette (Polizistin, Ärztin bei der Army oder Computerfachfrau) täuscht nicht darüber hinweg, dass die Schenkel im dürrer wurden. Das einzige, das sich im Laufe der Jahrzehnte verbreitern durfte, war Barbies sanftes Lächeln.

Agentinnen des Wandels?

Und wenn man selbst auf dem Mars noch eine gute Figur machen und pinken Lidschatten und Lipgloss quer durchs Weltall mitschleppen muss, dann kann einem der große Traum schon mal vergehen. "Agentinnen des Wandels" sehen anders aus. (beaha, dieStandard.at, 7.8.2013)

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Barbie

  • Immer dünner, immer pinker - Barbie. Zitrone für einen antifeministischen Klassiker.
    foto: epa/bill kroll/ machiko tanaka / mattel

    Immer dünner, immer pinker - Barbie. Zitrone für einen antifeministischen Klassiker.

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