Die umstrittenen vier Konzepte

8. August 2013, 10:23
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derStandard.at liegen jene Konzepte vor, um die sich im FPÖ-Telekom-Prozess alles dreht - ein Überblick

Vier Konzepte waren es, die Rumpold der Telekom Austria zum stolzen Preis von 600.000 Euro verkaufte - der Staatsanwalt glaubte, dass es sich dabei um ein Scheingeschäft handelt, um Telekom-Gelder zur damals regierenden FPÖ zu schleusen. Die Frage, ob die vier Konzepte ihren Preis tatsächlich wert waren, steht also im Zentrum des Gerichtsverfahrens, das am Freitag in einem Urteilsspruch münden soll.

Konzepte seien nur "Präkonzepte"

derStandard.at liegen jene Konzepte vor, die Rumpold im Mai 2004 an die Telekom Austria übermittelte: jeweils vier bis acht dünn beschriebene A4-Seiten, die wenig von dem Arbeitsaufwand erahnen lassen, der durch den stolzen Preis von 600.000 Euro angedeutet wird. Rumpold rechtfertigt sich jetzt, vor Gericht, dahingehend, dass diese vier Dokumente lediglich "Präkonzepte" seien - also ein Kurzüberblick über die endgültigen, ausführlicheren Konzepte. Letztere seien jedoch bei einer seiner vielen Büroübersiedlungen verlorengegangen und somit nicht mehr auffindbar, beteuert der Angeklagte.

In jenem Schreiben, das Rumpold am 28. April 2004 an den früheren Telekom-Prokuristen Michael G. per Postbote übermitteln ließ und das derStandard.at vorliegt, liest sich das anders: "Sehr geehrter Herr Prokurist G.! (Name v. d. Red. abgekürzt, Anm.) Anbei übermitteln wir ihnen die vier Studien, die von der Telekom Austria AG am 1. April 2004 in Auftrag gegeben wurden. Es handelt sich um folgende vier Studien bzw. Konzepte …"

Die "neuen Technologien"

Allen vier Konzepten ist eines gemeinsam: Sie strotzen vor Superlativen. Von einem "revolutionären Umbruch" ist beispielsweise in der sogenannten "B2B-Fibel" die Rede: Hier bietet Rumpold der Telekom ein Brevier an, das Geschäftskunden mit den wichtigsten Entwicklungen im Business-to-Business-Handel vertraut machen soll. Allerdings finden sich im Konzept nur wenige konkrete  Hinweise darauf, wie sich das Projekt denn praktisch umsetzen ließe - es bleibt bei schwülstigen Allgemeinplätzen. So heißt es hier, übrigens vier Jahre nach dem Platzen der Dotcom-Blase: "Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien verändern in einem atemberaubenden Tempo unsere Welt. Die 'New Economy' ist bereits Realität." Und: "In den kommenden Jahren wird es weltweit in allen Märkten eine starke Durchdringung des Geschäftsverkehrs durch die neuen Technologien geben."

Die Frage, worum es in der Fibel gehen soll, wird in einer Aneinanderreihung von Worthülsen auf einer knappen A4-Seite behandelt (siehe Screenshot links). In welchem Format die Fibel erscheinen soll, ob online oder gedruckt, in welcher Auflage - all diese Fragen bleiben unbeantwortet.

Substanzreicher ist das Konzept "ParkYourBike": Hier werden Unternehmen eingeladen, bis zu 120 Fahrrad-Abstellplätze in Wien als Werbeflächen zu nutzen. Das Konzept hat vier DIN-A4-Seiten, mehr braucht es aber auch nicht, da die Idee relativ simpel ist: Zu erklären ist lediglich, wo die Standorte der Fahrradbügel sind und welche Blickkontakt-Frequenzen es an diesen Standorten gibt - oder anders gesagt, wie oft Fußgänger an jenen Orten auf die Werbeflächen schauen. Die wichtigsten Fragen werden in dem Kurzkonzept beantwortet - allerdings stellt sich auch hier die Frage, woraus sich der hohe Preis ergibt, den sich die Telekom Austria die Konzepte hat kosten lassen. Denn das Konzept war vorher bereits mehreren anderen Unternehmen angeboten worden, Telering und Wiener Städtische hatten ParkYourBike bereits realisiert, das "Konzept" lag bei den Rumpolds also bereits seit längerem in der Schublade.

Mobiler Würstelstand

Ähnlich verhält es sich mit einem mobilen Verkaufsstand namens "Q_Bus", für den sich die Telekom Austria ebenfalls erwärmen konnte - zumindest theoretisch, denn umgesetzt wurde auch dieses Konzept, ebenso wie die anderen drei Rumpold-Konzepte, bei der Telekom bekanntlich nie. Der "Q_Bus" kann als Würstelstand oder als mobiler Verkaufsstand verwendet werden - welche Funktion der Bus für die Telekom konkret haben könnte, darüber findet sich im Konzept nichts. Die ersten drei Seiten halten sich mit allgemeinen Lobhymnen auf die Genialität des Konzepts auf (siehe Screenshot), die übrigen vier lose beschriebenen Seiten geben die technischen Details des mobilen Standes wieder - doch auch hier beschränkte sich Rumpolds Arbeitsbeitrag auf ein Minimum: Das Konzept stammt von einem Architekten, die Pläne dafür waren schon seit geraumer Zeit fertig, was fehlte, war nur die Vermarktung - und mit dieser beauftragte er Rumpold.

Eine Million Anrufer pro Woche

Wenig Konkretes findet sich auch im Konzept zum Projekt "TeleChampion", einem Telefongewinnspiel, das Anrufer an die Telekom Austria binden soll. Die Idee: Handynutzer rufen eine Mehrwertnummer an - Kostenpunkt laut Rumpold: 3,8 Euro pro Minute – und stellen sich einem Wissensquiz. So weit, so simpel. Weniger schlicht gehalten sind jedoch die Rumpold'schen Schätzungen, wie viele Menschen sich an dem Quiz beteiligen könnten - von einer Million Anrufern pro Woche (!) ist die Rede: "Die großen Gewinne der Woche werden nach Anrufern ausgelost. Jeder 100.000. Mitspieler mit den richtigen Antworten erhält einen großen Gewinn. Jeder millionste Anrufer in einer Woche mit den richtigen Antworten erhält den Hauptgewinn."

Details, wie das Quiz technisch umgesetzt werden könnte, wer das Spiel erstellen soll und wie viel das kostet, lässt das Konzept vermissen. Rumpold versichert jedoch: "Media Connection Austria Werbeagentur GesmbH arbeitet auf redaktioneller, logistischer, technischer und produktionsrelevanter Seite ausschließlich mit den erfahrensten Partnern zusammen. Damit ist ein optimaler Spielverlauf garantiert." Und in der halbseitigen "Präambel" zum Konzept (siehe Screenshot) heißt es: "Dieses Spiel finanziert sich praktisch von selbst!" Darüber hinaus sei TeleChampion "eine Idee, bei der es auf jeden Fall einen Gewinner gibt: Telekom Austria". Ob dies auch das Gericht im derzeit anhängigen Untreueprozess so sieht, wird sich am kommenden Freitag klären. (red, derStandard.at, 8.8.2013)

  • Auszug aus dem Projekt "B2B-Fibel".
    screenshot: derstandard.at

    Auszug aus dem Projekt "B2B-Fibel".

  • Aus dem Projekt "Q_Bus".
    screenshot: derstandard.at

    Aus dem Projekt "Q_Bus".

  • Die "Präambel" zum Konzept "TeleChampion".
    screenshot: derstandard.at

    Die "Präambel" zum Konzept "TeleChampion".

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