Elektrobootfahren

8. August 2013, 17:01
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Einen Fahrer-Arm um die Schultern lauschen wir dem leisen Schnurren des Elektromotors - Oder: Das surrende Motorgeräusch verhindert nicht nur jede Romantik, sondern zerstört auch das Naturerlebnis


Pro: Lässig flanieren am Ufer entlang
Von Mia Eidlhuber

Es lag am Geld. Immer reichte es nicht, bloß fürs Tret- und nie fürs Elektroboot. Wie gerne hätte man den Arm des aktuellen Kapitäns seines Herzens um die eigenen knackig angebräunten Schultern gespürt, aber nein, der Bursche saß mit einem nicht zu überwindenden Abstand neben einem, weil dazwischen die Plastikabdeckung Platz nahm für das Wasserrad, das man selbst bei größter Hitze durch harte Beinarbeit zum Rauschen bringen musste: schweißtreibend das alles und ein Höllenlärm. Selten genug wurde aus der Tret-Galeere eine schwimmende Insel der Seligen, aber nie für lange. Denn gleich hieß es wieder: Los, treten, schneller! Wir müssen zurück, die Bootsstunde ist gleich um! Darum halten wir Erwerbsmenschen es heute mit dem Album-Titel der heimischen Band "Heinz aus Wien" und sagen: Elektroboot bitte! Einen Fahrer-Arm um die Schultern, angeweht vom kühlenden Fahrtwind, lauschen wir dem leisen Schnurren des Elektromotors und flanieren so lässig die Seeufer entlang. Auch die Akkus werden immer besser.

Kontra: Keine Romantik, kein Naturfeeling
Von András Szigetvari

Die Sache hat natürlich einen Haken: Wer Frauen bei einem Date mit Muskelkraft beeindrucken will, läuft Gefahr, als Macho - oder noch schlimmer, wenn die Sache nicht klappt, als Weichei - verschmäht zu werden. Aber der Gefahr muss man bekanntlich ins Auge sehen, weshalb für den Ausflug über den See nur das Ruder- oder das Tretboot infrage kommen.

Wer mit seinen Beinen so viel Tempo machen kann, dass sich die Fahrt mit dem Kahn über den Neusiedler See anfühlt wie ein Segeltörn an der französischen Riviera, hat schon gewonnen. Aber selbst für reifere Semester, denen das erste Date wie ein Erlebnis aus einem früheren Leben vorkommt, gilt: Finger weg vom Elektroboot. Das surrende Motorgeräusch verhindert nicht nur jede Romantik, sondern zerstört auch das Naturerlebnis. Und schließlich: Streikt einmal der Motor, geht beim Elektroboot gar nichts mehr. Das kann dann doppelt deprimierend wirken, weil man merkt, dass man nicht nur faul ist, sondern auch von Technik keine Ahnung hat. (Rondo, DER STANDARD, 9.8.2013)

  • Elektroboot bitte!
    foto: andrea maria dusl

    Elektroboot bitte!

  • Artikelbild
    foto: sascha aumüller
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