HTC One Mini im Test: Flotter Androide mit Wärmeproblem

12. August 2013, 13:59
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Kleine Ausgabe des HTC One-Smartphones überzeugt mit Handlichkeit und tollem Display, schwächelt aber in punkto Akkuleistung

Wenige Wochen nach dem Hands-on mit einem Vorseriengerät konnte der WebStandard sich nun ausführlich mit einer fertigen Ausgabe des HTC One Mini beschäftigen, wie sie mittlerweile im Handel zu finden ist. Dabei bestätigten sich schon vorab festgestellte Stärken – aber auch manche Befürchtungen.

132 x 63,2 x 9,3 Millimeter misst der kleine Bruder des HTC One. Verbaut auf dieser Fläche sind zwei auffällige Lautsprecher unter silbrigen Zierleisten und ein Display mit einer Diagonale von 4,3 Zoll. Dieses löst, im Gegensatz zur "großen" Version nicht in Full HD auf, sondern liefert 720p, also 1.280 x 720 Pixel oder gute 342 PPI.

Top-Display

Der kratzfeste Bildschirm ist fast über alle Zweifel erhaben, sieht man von starken Spiegelungen unter Sonnenlicht ab. Ein Problem, mit dem aber ohnehin viele Geräte zu kämpfen haben. Farbgebung, Kontraste und Helligkeit überzeugen, wenn es um die Darstellungsqualität geht, hat HTC bei seinen beiden One-Modellen das aktuell wohl beste Pferd im Rennen.

Das One Mini ist außerdem solide verarbeitet, wenngleich der Kunststoffrahmen billig wirkt – aber von der Materialqualität her in Ordnung ist. Mit seinem Format findet das Gerät fast in allen Händen wunderbar Platz, die schwer ertastbaren Knöpfe erschweren jedoch die Blind-Bedienung etwas.

Abgespeckt und trotzdem flott

Unter der Haube hat HTC die Drehzahl etwas verringert. Statt des Snapdragon 600 mit Quadcore-CPU setzt HTC auf die Snapdragon 400-Plattform mit 1,4 Ghz-Dualcore-Prozessor. Der Arbeitsspeicher wurde auf einen GB halbiert, für das Betriebssystem und das Ablegen von Apps, Dokumenten und Mediendateien stehen insgesamt 16 GB bereit. Dem User stehen davon elf GB zur Verfügung. Einen microSD-Slot gibt es nicht, das Gehäuse kann nicht geöffnet werden.

Summa summarum ergibt sich daraus ein solides Gerät der Mittelklasse. Bei allen typischen Anwendungen – Browsen, Medienkonsum, Casual Games – zeigt das Gerät keine Performanceschwächen. Die gelegentlichen Ruckler, die beim Vorseriengerät noch aufgefallen waren, sind ausgemerzt. Auch aufwändigere Apps bewältigt das One Mini gut.

Guter Sound

Neben dem hervorragenden Display soll dieses aber auch mit gutem Lautsprecher-Sound und einer "Ultrapixel"-Kamera überzeugen.

Ersteres gelingt. Das One Mini liefert für Smartphone-Verhältnisse erstklassigen Sound mit guten Höhen und Mitteltönen, aber erwartbaren leichten Schwächen beim Bass. Das handliche Telefon schafft dabei auch eine ansprechende Lautstärke, um ein 20 Quadratmeter großes Zimmer angenehm mit Hintergrundmusik für lockere Gespräche zu beschallen.

Ganz selten führt die automatische Aussteuerung über Beats-Audio zu kleineren Lautstärkeschwankungen. Mit guten Stand-Alone-Lautsprechern kann das HTC One Mini freilich nicht mithalten, dies wäre aber wohl zu viel verlangt.

In Sachen Gesprächsqualität gibt es Grund zur Entwarnung. Beim Vorseriengerät war deutliches Rauschen zu vernehmen, das bisweilen störend für das Verstehen des Gegenübers war. Dies ist nun nicht mehr zu bemerken, beide Seiten verstehen sich meist klar und deutlich, die Rauschfilterung arbeitet verlässlich.

Kamera erfüllt Versprechen nicht

Die Kamera liefert aber, gemessen an den Versprechungen, eher ernüchternde Ergebnisse. Unter Tageslicht und ausreichend Kunstlicht gehört sie definitiv zu den besseren ihrer Klasse, erkauft die ansprechende Bildqualität jedoch mit einer reduzierten Auflösung von vier Megapixel. Bei genauerem Hinsehen bzw. Hineinzoomen offenbart sich auch eine deutlich erkennbare Detailarmut. Bei allgemein wenig Licht "sieht" sie zwar mehr als viele andere Smartphone-Cams, dafür macht sich auf den Aufnahmen Unschärfe und deutliches Rauschen bemerkbar. Die frontseitige Kamera schießt Bilder mit 1,6 Megapixel.

Akkufresser LTE

Konnektivitätsseitig bietet das One Mini alles, was geboten werden muss – WLAN, 3G und Bluetooth. Darüber hinaus unterstützt das Phone auch den neuen mobilen Breitbandstandard LTE – was sich als Fluch und Segen gleichermaßen erweist.

Ist die Abdeckung gegeben, kann mit dem Mini pfeilschnell im Web gesurft werden. Auf diesem Wege laden auch Youtube-Videos und ähnliche Inhalte in Windeseile. Dies geht allerdings stark zu Lasten des mit 1.800 mAh durchschnittlich bemessenen Akkus, für den HTC bis zu 690 Stunden Standby und 13 Stunden Sprechzeit im 3G-Betrieb vespricht.

Kommt man bei durchschnittlicher Nutzung ohne LTE mit Ach und Krach über den Tag, fällt der Akkuladestand im 4G-Betrieb teilweise alarmierend schnell – insbesondere bei hohen Außentemperaturen. Beim "Ingress"-Testlauf war mit 4G nach rund einer Stunde der Akku leer, bei reiner 3G-Nutzung verlängerte sich der Spielzeitraum um etwa eine halbe Stunde.

Hitzkopf

Wohl der engen Bauweise ist geschuldet, dass das One Mini aber auch ganz ohne Rekordhitze ein Wärmeproblem mitbringt. Wird das Telefon ein paar Minuten lang überdurchschnittlich beansprucht, wird die Rückseite unangenehm warm. Nutzt man gleichzeitig LTE, verschlimmert sich das Problem.

Dies scheint im Gegenzug wiederum eine schnellere Entladung des Akkus nach sich zu ziehen. Hier stellt sich die Frage, ob HTC nicht besser ein, zwei Millimeter mehr an Dicke in Kauf nehmen hätte sollen, um ein besser "klimatisiertes" Telefon mit größerem Akku abzuliefern.

Benchmarks

Benchmarkseitig schneidet das HTC One Mini mit finaler Software geringfügig besser ab als das Vorseriengerät. Im Allround-Test Antutu erzielt es mit 11.240 Zählern rund 100 Punkte mehr, im HTML5-Browserbenchmark Vellamo ist das Ergebnis mit circa 2.300 Zählern gleichauf. 52 Frames pro Sekunde im 3D-Durchlauf mit Epic Citadel zeigen, dass auch die reduzierte Version des HTC One für aufwendigere Zwecke zu nutzen ist.

Sense 5

Bleibt noch ein Blick auf die Systemoberfläche zu werfen. Vorinstalliert ist Android 4.2.2, mit einem Update auf 4.3 ist wohl zu rechnen. Anstelle eines puren Android-Systems kommt HTCs eigene Sense-Oberfläche in der fünften Generation zum Einsatz. Diese packt den sogenannten "Blinkfeed" auf die Startseite, eine Art Newsaggregator, der Neuigkeiten aus den Social Media-Kanälen des Nutzers bezieht.

Darüber hinaus weicht Sense 5 im Prinzip nicht sonderlich stark von purem Android ab, nur verschiedene Menüs - etwa die Systemeinstellungen - wurden umstrukturiert. Auch dem Taskmanager wurde ein Facelifting spendiert, er ist übersichtlicher als das Default-Tool, in Sachen Funktionalität ist kein Unterschied erkennbar.

Auch die Kamera-App wurde umgebaut und sieht im Vergleich mit der Standard-App von Android 4.2 etwas altbacken aus. Videos können in Full HD aufgenommen werden, die Funktion "Zoe" kann auf Wunsch automatisch Highlights zusammenschneiden.

Fazit

HTC liefert mit dem One Mini ein solides Mittelklassegerät mit vernachlässigbaren Ergonomieproblemen, guter Verarbeitung, robuster Performance und tollem Display ab. Die Kamera liefert überdurchschnittliche Aufnahmen, erfüllt aber nicht die Versprechen der "Ultrapixel"-Werbebotschaft.

Dafür brilliert das Gerät wiederum in Sachen Audiowiedergabe, was es insgesamt zu einem empfehlenswerten Multimedia-Device macht. Wäre da nicht die hohe Wärmeentwicklung und der recht hohe Akkuverbrauch – insbesonderes letzterer Punkt wird berücksichtigt werden müssen, wenn man das Smartphone tagtäglich intensiv nutzen will.

In Österreich wird das HTC One Mini von A1 als Vertragsgerät angeboten. Im freien Handel kostet das Smartphone rund 440 Euro. (Georg Pichler, derStandard.at, 12.08.2013)


Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde der Redaktion von A1 für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt.

  • Mit dem HTC One Mini hat HTC sein Flaggschiff zu einem handlichen Mittelklassegerät geschrumpft.
    foto: derstandard.at/pichler

    Mit dem HTC One Mini hat HTC sein Flaggschiff zu einem handlichen Mittelklassegerät geschrumpft.

  • Das Gerät bietet gute Ergonomie, sieht man von der stabilen, aber eher rutschigen Rückseite...
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Gerät bietet gute Ergonomie, sieht man von der stabilen, aber eher rutschigen Rückseite...

  • ...und den schwer ertastbaren Knöpfen ab.
    foto: derstandard.at/pichler

    ...und den schwer ertastbaren Knöpfen ab.

  • Nahaufnahme: Der Bildschirm begeistert mit satten Farben, guter Helligkeit und starken Kontrasten.
    foto: derstandard.at/pichler

    Nahaufnahme: Der Bildschirm begeistert mit satten Farben, guter Helligkeit und starken Kontrasten.

  • Die Audiowiedergabe durch die intgrierten Stereolautsprecher ist für ein Smartphone erstklassig.
    foto: derstandard.at/pichler

    Die Audiowiedergabe durch die intgrierten Stereolautsprecher ist für ein Smartphone erstklassig.

  • Die vielbeworbene "Ultrapixel-Kamera" erfüllt, wie an den Fotosamples unterhalb erkennbar ist, ihre Versprechungen allerdings nicht.
    foto: derstandard.at/pichler

    Die vielbeworbene "Ultrapixel-Kamera" erfüllt, wie an den Fotosamples unterhalb erkennbar ist, ihre Versprechungen allerdings nicht.

  • Bei Tageslicht gelingen gute, wenn auch etwas detailarme, Aufnahmen mit realistischer Farbgebung.
    foto: derstandard.at/pichler

    Bei Tageslicht gelingen gute, wenn auch etwas detailarme, Aufnahmen mit realistischer Farbgebung.

  • Bei genügend Kunstlicht können sich die Bilder ebenfalls sehen lassen (findet auch Ser Piggy).
 
    foto: derstandard.at/pichler

    Bei genügend Kunstlicht können sich die Bilder ebenfalls sehen lassen (findet auch Ser Piggy).

     

  • In der Nacht "sieht" die Kamera des HTC One Mini zwar mehr als jene, vieler anderer Geräte, erkauft diesen Vorteil aber mit deutlich wahrnehmbaren Rauschen.
    foto: derstandard.at/pichler

    In der Nacht "sieht" die Kamera des HTC One Mini zwar mehr als jene, vieler anderer Geräte, erkauft diesen Vorteil aber mit deutlich wahrnehmbaren Rauschen.

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