Eine Tragödie

6. August 2013, 18:21
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Kein Hauch jenes zeitlos fiesen Lächelns, nur noch müder Zorn beschwerte seine Miene

Wenn sich das unbarmherzige Gesetz schließlich doch zwischen den verurteilten Führer und seine Gemeinde stellt, muss der Führer telegen Volksnähe erzwingen. Und kampfeswild klangen Berlusconis Worte (in der "ZiB 24" gehört), als er sich an Adoranten wandte. Doch irgendetwas war diesmal anders; man sah die Segnungen der kosmetischen Straffungsindustrie dahinschmelzen.

Eine Tragödie. Berlusconis gebräunte Glattheit, hinter der auch das Know-how von Wachsfigurkünstlern zu vermuten war, schien versehrt. Als hätte ihm das Alter mahnend zugewinkt, wirkte der Cavaliere, gekränkt ob der Ablehnung seiner Steuertheoreme. Kein Hauch jenes zeitlos fiesen Lächelns auch; nur noch müder Zorn beschwerte seine Miene.

Ja, ernst muss die Lage Italiens sein, wenn selbst der Hobbybarde im TV wirkt, als hätte er längst Jahre in Unfreiheit gedarbt. Zwar wurden zu seiner Rettung Sit-ins abgehalten; und Interviewte schwärmten von der "Liebe zu einem Unschuldigen", wie sie auch aus seinem Schicksal gar eine "Gefährdung der Demokratie" heraufdämmern sahen.

Doch längst zeigen sich auch Philosophen nicht mehr fasziniert. Jener in der "ZiB 24", Lorenzo Bellettini, wunderte sich zwar, dass man den Cavaliere nun verurteilt habe. "Gnade" jedoch schloss er in diesem Fall dezidiert aus. Bitter. So heißt es für TV-Konsumenten, wohl langsam vom lustigen Berlusconi Abschied nehmen. Zwar hat der TV-Entertainer verlauten lassen, ins Gefängnis gehen zu wollen, statt Hausarrest und Sozialdienst zu wählen.

Es bleibt jedoch höchst zweifelhaft, ob es ihm gelingen wird, daraus ein Massen bewegendes Mitleid-Format (etwa "Märtyrer-TV") zu formen.  (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 7.8.2013)

  • Silvio Berlusconi während einer Protest-Rally gegen seinen Prozess in Rom.
    foto: epa

    Silvio Berlusconi während einer Protest-Rally gegen seinen Prozess in Rom.

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