"Flowers & Mushrooms": Blumen gehen immer

6. August 2013, 17:51
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In der Ausstellung im Museum der Moderne in Salzburg sind die Pilze eher nur Alibi für einen bunten Strauß Blumen von Araki bis Warhol

Salzburg - Der Mann musste klein beigeben. Nicht etwa, weil die Damen in der Überzahl waren, sondern weil sie recht behielten. Seine Behauptung - Herrenpilz und Steinpilz wären zwei unterschiedliche Arten - erwies sich schlichtweg als falsch: Boletus edulis würde der Lateiner zu beiden Waldbewohnern sagen. Womit wiederum die Tischnachbarin irrte, war die Annahme, die Salzburger Runde hätte womöglich eine Ausstellung am Mönchsberg zu dieser Fachsimpelei über eukaryotische Lebewesen angeregt.

Flowers & Mushrooms heißt die Schau im Museum der Moderne. Die Schwämme sind dort jedoch gegenüber den Blütenpflanzen in der Minderzahl. Wer weiß der Schönheit von Blumen schon etwas entgegenzusetzen? Das dekorative Thema ist mehrheitsfähig, funktioniert jenseits von Sprach- und Kulturgrenzen und passt zum Sommer und zu internationalen Gästen. So trivial, so vordergründig wollen die Kuratoren Flowers & Mushrooms freilich nicht verstanden wissen. Nicht die betörende Schönheit der Blumen oder das geheimnisvolle Versprechen der Pilze inspirierte zur Ausstellung. Nein. Vielmehr war es die "Renaissance" dieser Motive in der Gegenwartskunst. Auf einmal, Mitte der 1980er-Jahre, spross und blühte es wieder auf Leinwand und Fotopapier, dass es eine reine Wonne ...

Vordergründige Didaktik

Aber es fehlt der Glaube an das hehre Ansinnen der Ausstellungsmacher. Schon allein deshalb, weil man keine These(n) dafür findet, warum die metaphernstarken Motive plötzlich aufpoppen. Und auch das Ansetzen Mitte des 19. Jahrhunderts, als sich mit der Fotografie Naturwissenschafter wie Künstler gleichermaßen dem Ablichten der Pflanzen zuwendeten, ist als argumentative Herleitung ungeeignet. Obwohl dies Kapitel mit den den ikonischen Qualitäten der Pflanzen huldigenden Fotos Karl Blossfeldts oder Imogen Cunninghams ein Augenschmaus ist.

Obendrein wird eben doch wieder gängige Blumensymbolik zitiert: Vanitas, Tod, Erotik, Geschlecht, Verführung; aktualisiert um Gender, Fetisch, Feminismus. Daher sucht man konzeptuelle Arbeiten wie zum Beispiel von Olaf Nicolai vergeblich. Der hat sich in einer Arbeit etwa mit den Blumen des Terrors - mit der seit 1975 in Massen gezüchteten ideologischen Orchidee "Kimilsungia", der Repräsentativblüte des einstigen nordkoreanischen Führers, beschäftigt.

Stattdessen will man dem Besucher die bis zu 300 x 100 Zentimeter großen Hochglanzaufnahmen von Tulpensträußen (Luzia Simons) als "nachdenkliche Betrachtungen" zur Tulpomanie verkaufen. Überzeugender hat jedoch bereits Isa Melsheimer zum Tulpenfieber, der ersten belegten Spekulationsblase der 1630er-Jahre, gearbeitet. Beide hier angeführten Alternativen hätten aber leider nicht zum heimlichen Credo "großformatig, bunt und glänzend" gepasst. Dazu passen Silvie Fleurys mit Autolack versiegelte Riesenpilze formidabel. Warum nicht einfach zugeben, dass "Schauen und Genießen" das Motto ist? Ein effektvoller Garten mit nachdenklicheren Streublumen und ein paar Blumen des Bösen ist es allemal. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 7.8.2013)

  • Fischli und Weiss schufen durch Überblendung Zwittergewächse aus Pflanzen und Pilzen.
    foto: bayerische staatsgemäldesammlungen münchen – pinakothek der moderne erworben von pin, freunde der pinakothek der moderne für die sammlung moderne kunst

    Fischli und Weiss schufen durch Überblendung Zwittergewächse aus Pflanzen und Pilzen.

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