Radenska, Zeitung Delo werden verkauft

6. August 2013, 14:37
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Slowenischer Getränkekonzern schuldet den Banken Hunderte Millionen und muss im Zuge der Sanierung Töchter los werden

Ljubljana - Der überschuldete slowenische Getränkekonzern Pivovarna Lasko muss sich im Zuge der Sanierung von einem großen Teil seines Vermögens trennen. Dabei geht es um die Zeitungsverlage Delo und Vecer, den Minteralwasser-Abfüller Radenska sowie die Mehrheit an der kosovarischen Brauerei Birra Peja. Im September soll der Verkauf von Tochterunternehmen eingeleitet werden, kündigte die Lasko-Gruppe laut slowenischen Medienberichten an.

Umschuldung

Lasko schuldet den Banken immer noch 350 Millionen Euro. Die Gläubigerbanken, die gleichzeitig auch die größten Aktionäre des Getränkekonzerns sind, gewährten Pivovarna Lasko kürzlich eine Umschuldung ihrer Verbindlichkeiten bis April 2014. Der Abverkauf des Vermögens gilt Berichten zufolge als eine wesentliche Bedingung für die finanzielle Sanierung des Konzerns.

Die Sanierung hängt derzeit noch mehr vom erfolgreichen Verkauf der Handelskette Mercator an den kroatischen Lebensmittelkonzern Agrokor ab. Pivovarna Lasko gehört mit ihren 23 Prozent der Mercator-Anteile zum Verkaufskonsortium, das im Juni mit Agrokor den Deal bereits besiegelt hat. Wenn der Verkauf auch tatsächlich abgeschlossen wird - voraussichtlich im April 2014 -, dann kann Lasko mit einem Kaufpreis von 105 Millionen Euro rechnen, was eine deutliche Schuldenreduktion ermöglichen würde.

Tschechen an Wasser interessiert

Mit dem Verkauf von Radenska würde der Getränkekonzern nach Berechnungen der Wirtschaftszeitung "Finance" weitere 80 Millionen Euro einnehmen können, Delo würde noch zehn Millionen einbringen. Um ihre Schuldenlast zu verringern, hat die Lasko-Gruppe vor zwei Jahren bereits ihren Fruchtsaftproduzenten Fructal an den serbischen Konkurrenten Nektar verkauft.

Der Kampf des Lasko-Vorstands um den Erhalt des Getränkegeschäfts scheint an den Forderung der Banken zu scheitern, die auf den Verkauf des kompletten Vermögens drängen. Als erstes Unternehmen aus dem Kerngeschäft soll nun die Tochtergesellschaft Radenska veräußert werden. Sein Interesse an Radenska, deren bekanntestes Produkt die gleichnamige Mineralwassermarke ist, hat bereits der tschechische Getränkehersteller Kofola bestätigt, berichteten die Zeitungen.

Ausverkauf

Weil die Banken auch den Abverkauf des Kerngeschäfts verlangen, ist es laut Medienberichten nur eine Frage der Zeit, wann auch die beiden slowenischen Brauereien aus der Gruppe, Pivovarna Lasko und Pivovarna Union, verkauft werden. Vorerst will die Lasko-Gruppe aber ihr verbliebenes Getränkegeschäft in einem einheitlichen Unternehmen zusammenbringen. Die Verfahren dazu sollen parallel mit dem Vermögensverkauf laufen.

Weniger Glück hatte Lasko bisher mit dem Verkauf der beiden Zeitungsunternehmen. Für den Zeitungsverlag Delo gab es beim Verkaufsversuch im Jahr 2011 kein verbindliches Angebot. Der Verkauf des Marburger Zeitungsunternehmens Vecer, das im Besitz von Delo ist, ist bereits zweimal geplatzt. Beim nunmehr dritten Verkaufsversuch wird in slowenischen Medien - wie schon in der Vergangenheit - die Grazer Styria Media Group als potenzieller Käufer gehandelt. Interesse am Kauf von Vecer haben bereits die Redakteure der gleichnamigen Zeitung verkündet.

Banken bestimmen

Die Banken - darunter auch die Hypo Alpe Adria Bank, die mit 7,05 Prozent der drittgrößte Lasko-Aktionär ist - halten insgesamt 54 Prozent an dem Getränkekonzern. Im Jahr 2009 sind sie zu Eigentümern des Konzerns geworden, indem sie Lasko-Aktien als Pfand für vergebene Kredite von der Investmentgesellschaft Infond Holding einkassiert haben. Die Infond Holding - damals Mehrheitsaktionär von Pivovarna Lasko - stand über ein komplexes Netz von Beteiligungen unter Kontrolle des Ex-Lasko-Chefs Bosko Srot. Sein Geschäftsimperium ist an der Wirtschaftskrise zerbrochen, Srot selbst steht wegen seines dubiosen Management-Buy-Outs (MBO) von Pivovarna Lasko vor Gericht. (APA, 6.8.2013)

  • Der Abfüller des "Herzale-Wassers" wird verkauft.
    foto: radenska

    Der Abfüller des "Herzale-Wassers" wird verkauft.

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