... then we take Berlin

Blog7. August 2013, 16:38
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Auch wenn es mehr als 34 Grad hat: Der Lauf-Herbst ist schon da - Er bringt nämlich Laufevents, für die das Training längst begonnen haben sollte

Die Sache ist die: Ich muss. Nicht nur, weil ich will - sondern weil beinahe Herbst ist. Und im Herbst sollte ich halbwegs laufen können. Sonst hätte es keinen Sinn gehabt, im Vorjahr - am 26. Oktober - wie ein Haftelmacher drauf zu lauern, dass die Seite freigeschalten wird. Und im Dreiminutenrhythmus zu versuchen, durchzukommen: Die ersten 5.000 zahlten nämlich nur 70€. Die nächsten 5.000 schon 90€ - und ab Nummer 10.000 war die reguläre Startgebühr fällig: 110€.

Anmeldestart war um 10 Uhr. Als ich die Seite erreichte, war es 13 Uhr - und ich in der 110€-Liga. Gerade noch gut gegangen! Ein Freund war gegen 16 Uhr zu spät dran: Der Berlinmarathon war ausgebucht. Ach ja: Berlin hat 40.000 Startplätze. Und auch, wenn mich VCM-Kopf Wolfgang Konrad jetzt enthaupten lassen wollen wird, noch einmal "ach ja": In Wien geht höchstens ein Drittel der Angemeldeten über die volle Distanz - aber in Berlin ist dort, wo "Marathon" draufsteht auch ein Marathon drin: Wer an der Spree antritt, hat 42 km vor sich - und muss sich nicht mit Halbmarathonis im selben Startblog herumärgern oder sich alle paar Kilometer mit frisch ins Rennen gehenden Staffelheinis herumschlagen, die für ihre kurzen Etäppchen gern einen auf dicke Hose machen. (Jaja, die strengen sich eh auch brav an.)"

Das Blöde an Berlin: Der Marathon ist am 29. September. Das bedeutet, dass das systematische Training längst in die Intensivphase gehen müsste. Müsste - denn das Blöde (Teil zwei): Ich hatte im Frühjahr Zwangspause. Weil ich mir beim Vienna Citymarathon eine Verletzung geholt hatte, die sonst ein Kicker-Privileg ist (auf das Foul davor steht rot. Zwingend und zurecht.). Ich schaffte es ganz ohne Feindkontakt. Ein Kunststück ... egal, eine andere Geschichte.

Lange und gaaaaanz langsam laufen

Blöd, die Dritte: Bei den aktuellen Temperaturen ist Tempotraining keine gute Idee. Sagt mein Trainer. "Denk nicht mal dran!" befiehlt mir Ex-Laufprofi Michael Buchleitner.

Wieso Buchleitner? Ich habe im Herbst noch ein paar andere Bewerbe am Plan. Neben diversen Charity- und Spaßlaufereien auch die Läufe in Wachau und Palma. Geht es nach Buchleitner, laufe ich bei beiden nur 21 Kilometer. Den Wachaulauf organisiert er, für Palma coacht er eingeladene Journalisten. Palma ist eine Einladung des Veranstalters, der TUI: Ja, das ist ein Privileg des Berufes - aber Kleinevents, Berlin und Wachau zahle ich selbst und voll.

"Denk nicht mal an Tempo", verordnete Buchleitner also bis vor ein paar Wochen - verletzungsbedingt. "Denk nicht mal an Tempo", heißt es auch jetzt - wegen der Hitze. Das einzige was immer schneller rennt, ist die Zeit.

Was erlaubt ist? "Lauf lang - und langsam. Gaaaaanz langsam." So schaut auch mein Trainingsplan aus: Das Übliche - und mindestens einmal pro Woche 20 km. 25 km oder 30 km. Weil das bei 35 Grad auch im Schneckentempo keinen großen Spaß macht, krabble ich derzeit zu Zeiten aus dem Bett, zu denen ich in einem anderen Leben gerade nach Hause ging.

Das geht. Und macht sogar Spaß. Ehrlich. Jedenfalls bitte ich Sie, mir das jetzt nicht durch Augenrollen und Stirntippen wieder auszureden. Dafür kommen hier jetzt zwei kleine, lockere und jedermann/frautaugliche Routen quer durch die Stadt: Keine Angst vor den hohen Zahlen. Auch  die großen Strecken schafft - langsam genug - jeder. Man kann außerdem an 1.001er Stelle mit den Öffis ein- oder aussteigen. Zumindest in den  Morgenstunden sind die Strecken de facto ohne Rote-Ampeln-Warterei zu laufen. Aber vor allem: Jede hat ihren ganz eigenen Reiz.

Route 1 auf Runtastic

Route 2 auf Runtastic

(Thomas Rottenberg, derStandard.at, 7.8.2013)

Fotostrecke: Halbmarathon 1 - "Endstation Theseustempel"

 

Fotostrecke: Halbmarathon 2 - "Die Bobostan-Nordbahnhof-Prater-Schleife"

 

  • "Derzeit krabble ich zu Zeiten aus dem Bett, zu denen ich in einem anderen Leben gerade nach Hause ging."
    foto: thomas rottenberg

    "Derzeit krabble ich zu Zeiten aus dem Bett, zu denen ich in einem anderen Leben gerade nach Hause ging."

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