Kompaktkameras für Einsteiger sind Auslaufmodelle

6. August 2013, 10:00
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Verkaufszahlen heuer schon um 42 Prozent rückläufig, Smartphonehersteller greifen an

Beobachtbar ist es schon länger, doch mittlerweile ist es unübersehbar: Digitale Billigkameras waren gestern - die Knipser von heute halten Smartphones in den Händen. "Auch wenn die Hersteller sagen, Kompaktkameras für Einsteiger bleiben am Markt, es ist eindeutig, dass sie ein Ablaufdatum haben", stellt Klaus Lorbeer, Chefredakteur des Fachmagazins Fotoobjektiv fest.

Von 132 auf 80 Millionen

Die Verkaufszahlen für die Geräteklasse der billigen Fotoapparate gingen laut japanischer Imaging Products Association in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 42 Prozent zurück. 80 Millionen Stück sollen heuer noch über die Ladentheke gehen. Vor drei Jahren waren es 132 Millionen.

Immer mehr Nutzer wollen immer mehr Bilder mit anderen teilen. Vom Smartphone oder Tablet mit Internetanbindung aus funktioniert das mit wenig Aufwand. Foto-Plattformen wie Instagram oder Netze wie Facebook sind voll von Schnappschüssen mit den Spitzenwerten von Innenraum- und Poolthermometer, vollen Essenstellern und anderen die kleine Welt bewegenden Ereignissen.

Die Hersteller hätten darauf in den vergangenen zwei Jahren zwar mit neuen Modellen reagiert, meint Lorbeer. Doch wie aus einer Untersuchung des Marktanalysten IDC hervorgeht, wird heuer erst jede sechste verkaufte Digitalkamera über einen drahtlosen WLAN-Anschluss verfügen. Ein neuer Trend, um potenzielle Käufer zu Kompaktgeräten greifen zu lassen, ist die zusätzliche Integration von NFC-Chips. Damit soll die Wlan-Anbindung an ein (NFC-fähiges) Smartphone, Tablet oder Fernseher erleichtert werden. Für ausgefeiltere Modelle, mit großem Zoom und vielen Einstellmöglichkeiten muss aber mit Preisen ab 300 Euro gerechnet werden.

Galaxy S4 Zoom

Smartphonehersteller reiten mit immer besseren Kameras Attacken auf die klassischen Kamerabauer. Nokia legte zum Beispiel erst im Juli mit dem Lumia 1020 eine Kamera mit einer hochauflösenden 41-Megapixel-Kamera und Zeiss-Optik die Latte erneut hoch. Samsung präsentierte mit dem Galaxy S4 mit 10-fach-Zoom eine "als Smartphone getarnte Digitalkamera", wie es Fotoobjektiv-Chef Lorbeer formuliert.

Der stückzahlenmäßige Rückgang bei Billigkameras trifft die Hersteller zu einer Zeit, in der Fotos exponentiell zulegen. Fujifilm schätzt, dass jährlich 1,6 Billionen Bilder digital geschossen werden. In der Hochzeit von Filmkameras, um 2000 herum, waren es 100 Milliarden Fotos.

Umsatzmäßig kompensieren große Hersteller wie Canon, Nikon, Olympus Panasonic oder Sony die sinkenden Kompaktverkäufe mit fotografisch anspruchsvolleren und teureren Geräten wie Systemkameras oder Spiegelreflexapparaten. "Es gibt nach wie vor genügend Leute, denen es auf gute, knackscharfe Bilder ankommt, die in hoher Qualität bereits aus der Kamera kommen und sich ohne viel Nachbearbeitung schön ausarbeiten lassen", meint Lorbeer. Mit Smartphones ließen sich bei gutem Licht Bilder mit der Qualität von Kompaktkameras machen. Doch überall, wo Bewegung ins Spiel komme oder bei schlechtem Licht, habe man mit Smartphones ein Problem. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, 6.8.2013)

  • Die Blütezeit digitaler Kompaktkameras ist vorüber. Smartphones, mit denen sich Bilder leicht mit anderen teilen lassen, haben die Vorherrschaft übernommen.
    foto: ap

    Die Blütezeit digitaler Kompaktkameras ist vorüber. Smartphones, mit denen sich Bilder leicht mit anderen teilen lassen, haben die Vorherrschaft übernommen.

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