Ein Fünftel nach Schulpflicht ohne Zeugnis

6. August 2013, 05:32
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Bildungsexpertin: Frühe Schulabbrecher "überproportional oft von Kompetenzarmut betroffen"

Wien - Im Integrationsbericht, der heute von der Expertengruppe des Integrationsstaatssekretariats präsentiert werden soll, wird eine Bildungspflicht bis maximal 18 für jene Schüler, die am Ende ihrer Schulpflicht keine ausreichenden Bildungskompetenzen erworben haben, empfohlen. Diese wurde bereits im Februar von den Sozialpartnern gefordert - aber nicht unter dem Etikett "Integration". Die Sozialpartner treten für die Erreichung verbindlicher Bildungsziele statt für das bloße Absitzen der Schulpflicht ein.

Wer sind die Jugendlichen, die von einer Bildungspflicht betroffen sein könnten? Dabei seien die "Early school leavers", die frühen Schulabbrecher, die nur die neun Pflichtjahre absolvieren, und jene, die bestimmte Kompetenzniveaus nicht erreichen, zu unterscheiden, erklärt die Herausgeberin des Nationalen Bildungsberichts 2012, Barbara Herzog-Punzenberger, im STANDARD-Gespräch.

Die Gruppe derer, die neun Jahre und kein Jahr mehr in die Schule gehen, umfasste 2009/10 rund 7000 Schüler (7,2 Prozent), 6,6 Prozent der Mädchen, 7,8 Prozent der Buben, etwa eine Hälfte laut Statistik Austria "mit Migrationshintergrund", eine ohne, und es gibt recht große Unterschiede je nach Umgangssprache der Schüler. Fast ein Sechstel derer, die zu Hause Türkisch sprechen, beendet die Schulkarriere nach neun Jahren, einer "im OECD-Vergleich wirklich sehr kurzen Schulpflicht", sagt Herzog-Punzenberger. Es gibt Länder mit bis zu 13 Pflichtjahren.

Von den Bildungsminimalisten hat ein Fünftel (1500) nicht einmal einen Abschluss, diese Schüler verlassen die (Haupt-)Schule ohne Zeugnis in unteren Klassen (Sitzenbleiber) oder wegen zu vieler Fehlstunden oder zu schlechter Noten. Die anderen frühen Schulabbrecher könnten eigentlich in weiterführende Schulen gehen, tun das aber nicht, weil sie in den Arbeitsmarkt einsteigen, Hilfskraft werden oder auf eine Lehrstelle warten. Diese Schüler seien "überproportional von Kompetenzarmut betroffen", sagt Herzog-Punzenberger - potenzielle Bildungspflichtzielgruppe.

Dass das Thema beileibe nicht nur "Integration" betrifft, ist im Nationalen Bildungsbericht nachzulesen. Für die Pisa-Studienpopulation 2009 gilt nämlich: 72 Prozent der 15-/16-jährigen Risikoschüler haben keinen Migrationshintergrund, ein Elternteil oder beide sind also im Inland geboren. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 6.8.2013)

  • Ende der Bildungskarriere nach der Schulpflicht
    grafik: der standard

    Ende der Bildungskarriere nach der Schulpflicht

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