Finanzgenie und Hochstapler

Rezension5. August 2013, 17:44
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Papst Pius XI. widmete ihm eine eigene Enzyklika - mit dem Kernsatz: "Die Liebe zum Geld ist die Wurzel allen Übels." Und um viel Geld und üble Machenschaften drehte es sich im Leben Ivar Kreugers bis zum Schluss, als er am 12. März 1932 in Paris das Zeitliche segnete. War es Selbstmord oder Mord?

Dies ist nicht die einzige Unklarheit, die das Leben des gebürtigen Schweden, den andere willig zum "Zündholzkönig" erhoben, zum Gegenstand von Untersuchungen, Filmen und Büchern werden ließ. Waren es seine eisblauen, hypnotisierenden Augen und sein Charme, der Frauen schwach werden ließ, und Banker an Anlegermodelle mit unfassbarer Rendite von 25 Prozent glauben ließ?

Der Finanzjurist Frank Partnoy, selbst jahrelang Investmentbanker, zeichnet akribisch die Wege Kreugers als Erfinder komplexer Finanzinstrumente wie stimmrechtslose Vorzugsaktien und Derivate für Privatanleger nach.

In der Krise der 1920er-Jahre erkaufte er sich das Zündholzmonopol finanziell leidender Länder Europas und Südamerikas mit Krediten. Sein Trick: Er emittierte Anleihen (Inhaber-Obligationen) auf sein Unternehmen und nahm dadurch Kredite auf, die er weiterverlieh. Das System kollabierte, als die Staaten nicht mehr zahlen konnten. Das Buch ist Lehrstück für die freiwillige Blindheit von Anlegern, wenn es um schnelle Gewinne geht. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, 6.8.2013)

  • Frank Partnoy: Der Zündholzkönig. Ivar Kreuger. Finanzgenie und Wegbereiter eines Jahrhunderts von Wall-Street-Skandalen, FBV, 2013, Euro 24,99.
    foto: fbv

    Frank Partnoy: Der Zündholzkönig. Ivar Kreuger. Finanzgenie und Wegbereiter eines Jahrhunderts von Wall-Street-Skandalen, FBV, 2013, Euro 24,99.

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