Ausgetrocknete Felder, aufgeheizte Gewässer

5. August 2013, 17:31
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Nach der heuer bereits dritten Hitzewelle mit ihren zwischenzeitlichen Sommerunwettern wird mit Rekordschäden gerechnet. Selbst Fische in Gebirgsseen sind nicht mehr sicher

Hitze und Blitze gehören zusammen wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Während sich viele Urlauber und Ferienkinder über das heuer bereits dritte anhaltende Hoch freuen, richten Dürre und zwischenzeitliche Unwetter schwere Schäden an. In der Steiermark ist sogar ein Todesopfer zu beklagen: Ein 51 Jahre alter Jäger wurde Sonntagabend in Radmer im Bezirk Leoben von einem Baum erschlagen. Starke Sturmböen hatten gleich mehrere Fichten auf die Ansitzhütte, in der sich der Jäger aufgehalten hatte, geschleudert.

Im Waldviertel donnerte zur selben Zeit Hagel vom Himmel, nach zehn Minuten waren 7500 Hektar Agrarflächen in den Bezirken Waidhofen an der Thaya, Zwettl und Gmünd vernichtet. Schaden laut Hagelversicherung: mindestens zwei Millionen Euro. Auch in den Tiroler Bezirken Schwaz und Kufstein begruben Hagelkörner die Hoffnung auf Ertrag von 700 Hektar Feldern.

Rekordtrockenheit

Wie DER STANDARD berichtete, gibt es nach der Rekordtrockenheit schon im Juli bereits massive Ernteausfälle bei Mais, Sojabohnen, Erdäpfeln und Sonnenblumen. Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (VP) hat zwar in der Vorwoche ein Hilfspaket für dürregeschädigte Bauern angekündigt, konkrete Zahlen blieb er aber bisher schuldig.

Auch aus dem Bundesamt für Wasserwirtschaft kommen keine guten Nachrichten: Seen und Flüsse haben sich schon so stark aufgeheizt, dass viele Fischarten mit der Wassertemperatur nicht mehr fertig werden, erklärt Reinhard Haunschmid vom Institut für Gewässerökologie, Fischereibiologie und Seenkunde. Es sei zwar noch kein großes Fischsterben zu beobachten, aber wo das aufgeheizte Oberflächenwasser von Seen in Flüsse fließt, in denen kälteliebende Arten leben, habe man schon tote Fische gefunden. "Bei höheren Temperaturen ist auch weniger Sauerstoff im Wasser gelöst, das ist für die Fische eine zusätzliche Belastung", wird Haunschmid von der Austria Presse Agentur zitiert. Die Fische könnten sich selbst in Gebirgsseen nicht in das tiefere, kühlere Wasser zurückziehen, denn dort gebe es von Haus aus kaum Sauerstoff, weil diese Seen schlecht durchmischt seien.

Auch für die Vögel könne die Hitze problematisch werden, so der Ornithologe Gabor Wichmann von der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich. "Sie können nicht wie Menschen schwitzen, sondern nur hecheln, so ähnlich wie Hunde", erklärte er. Das sei nicht besonders effektiv, deshalb müssten sie sich an schattige Orte wie Büsche und Wälder zurückziehen und viel trinken. "Außerdem kühlen sie sich im Wasser ab; sie sitzen darin und spritzen das kühle Nass auf ihr Gefieder", so Wichmann. Wasser zu finden sei für die flexiblen und mobilen Tiere gerade in solchen Trockenperioden wichtig.

Hohe Ozonbelastung

Zu den Schattenseiten der mediterran anmutenden Witterung gehören auch die hohen Ozonwerte, die unter anderem Schleimhautreizungen hervorrufen können. Bereits am vergangenen Wochenende wurde im östlichen Flachland stellenweise die Warnschwelle von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten. Auch dieser Tage ist Schadstoffbelastung hoch.

Zum Schutz der Bevölkerung sind im Ozongesetz eine Informations- und eine Alarmschwelle festgesetzt. Die Informationsschwelle wird bei einer einstündigen Ozonkonzentration von mehr als 180 Mikrogramm pro Kubikmeter erreicht, die Alarmschwelle bei mehr als 240 Mikrogramm pro Kubikmeter. "Das kann bei besonders empfindlichen oder älteren Personen und erhöhter körperlicher Belastung im Freien Beeinträchtigungen hervorrufen", heißt es im Umweltbundesamt.

Damit bodennahes Ozon entstehe, werde nicht nur die Sonnenstrahlung benötigt, es spielen vor allem auch Bestandteile der Abgase von Autos und Industrie eine Rolle. "Diese chemischen Reaktionen laufen generell mit steigender Temperatur beschleunigt ab", sagt Meteorologin Susanne Danßmann von Ubimet. Paradoxerweise seien Substanzen in den Abgasen auch für den Ozonabbau verantwortlich. Solange die Sonne scheine, überwiege aber die Entstehungsreaktion, und die Ozonkonzentration nehme zu. Am längsten dauere dieser Prozess am Stadtrand. (simo, DER STANDARD, 6.8.2013)

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    grafik: der standard
  • Zu schnell verblüht: Die lange Dürre macht der Landwirtschaft schwer zu schaffen. Nicht nur bei Sonnenblumen gibt es massive Ernteausfälle. Auch Mais, Sojabohnen und Kartoffeln vertrocknen auf den Feldern.
    foto: apa/epa/matthias hiekel

    Zu schnell verblüht: Die lange Dürre macht der Landwirtschaft schwer zu schaffen. Nicht nur bei Sonnenblumen gibt es massive Ernteausfälle. Auch Mais, Sojabohnen und Kartoffeln vertrocknen auf den Feldern.

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