"Medienbranche braucht Leute, die sich auskennen"

5. August 2013, 17:19
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Nämlich gleichermaßen in Wirtschaft, Technik, Inhalten, findet neuer FH-Departmentchef Christl

St. Pölten / Wien – Den Medienfuhrpark präsentiert Reinhard Christl (51) ein wenig stolz: ein Fernsehstudio, wie es einige österreichische Sender gern hätten. Mehrere professionelle Tonstudios. Ein Mediennutzungslabor. Ein ziemlich professionelles Radiostudio, und bald ein noch professionelleres, das bisher der Privatsender 88.6 in St. Pölten nutzte.

Vor einem Jahr verabschiedete sich Christl von der Donau Richtung Traisen, von Wien nach St. Pölten. Von der Fachhochschule für Journalismus und Medienmanagement, die er seit 2003 führte, zum Leiter des Departments Wirtschaft an der Fachhochschule St. Pölten.

Eine Frage der Technik

Wirtschaft meint hier insbesondere Medienwirtschaft. Und den Fuhrpark verdankt die FH St. Pölten der Medientechnologie am selben Standort, die Alois Frotschnig und Hannes Raffaseder leiten. Diese Nähe, Christl spricht vom "klaren USP", einer Alleinstellung dieser Fachhochschule also, will Christl noch stärker nützen.

Von den zusammen rund 1000 Medienstudierenden ist naturgemäß zur Ferienzeit im großen Glaskubus wenig zu sehen. In einem Jahr sollen es noch ein paar mehr sein, hat sich Christl vorgenommen.

Im Herbst 2014 starten Medienwirtschaft und Medientechnologie gemeinsam einen Bachelor-Studiengang Digital Business. "Geschäft in der digitalen Welt" greift viel weiter als klassische Medien, Christl spricht von "Geschäftsmodellen für alle Unternehmen mit Kundenkontakt". Bezahlsysteme im Netz, die Nutzbarkeit von Webseiten, Sicherheit, Datennutzung (Stichwort: "Big Data") nennt er als Themen.

Christl rechnet mit Referenten und Referentinnen von Google, APA, aus der Mediengruppe um DER STANDARD und derStandard.at, von Agenturen wie Ambuzzador. Dozentin Natalie Völk aus Christls Team leitete die Vorarbeiten für diesen Studiengang. 48 Plätze für Studierende sind vorgesehen.

"Die Medienbranche braucht Leute, die sich in allen drei Bereichen auskennen: Wirtschaft, Technik und in der Produktion von Inhalten. Die wollen wir in St. Pölten gerne ausbilden."

Medienwirtschaft, Inhalte und Technologie sollen auch beim bestehenden Studiengang Medienmanagement stärker ineinandergreifen, multimedialer, wenn man so will. Für 2014 überarbeitet Christl den Lehrplan. Die Studierenden entscheiden sich dann für den Schwerpunkt Fernsehen/Radio oder Print, digitale Medien machen beide. Medienmanager sollen auch eine Ahnung haben, "wie man einen Beitrag schneidet und textet oder wie man einen guten Text schreibt", findet Christl. Vor 2003 war er Chefredakteur des "Industriemagazin" und Wirtschaftsredakteur von "Profil" und "Format". Seine Formel für den Lehrgang: 70 Prozent Management, 30 Technik, "alles sehr praxisorientiert".

Forschung will der neue Departmentleiter in St. Pölten auch vorantreiben. Die FH bewertet etwa für die Rundfunk- und Telekomregulierung die ersten zehn Jahre Fernsehförderung.

Newsroom für die FH

Zwei berufsbegleitende Lehrgänge hat er sich spätestens für 2014 vorgenommen: Mobile Marketing in drei Semestern, ein weiteres für den Master. Und einen Lehrgang, den er Creative Management nennt. Da will er Excel-Akrobaten und Betriebswirte zusammenbringen mit Kreativen aus der Kommunikationsbranche.

Mit dem Medienfuhrpark hat Christl auch noch Pläne. Derzeit produzieren Studenten nebeneinander Campusfernsehen (c-tv), Ausbildungs- und nicht kommerzielles City-Radio und ein Magazin. Da liegt für einen gelernten Journalisten in diesen Tagen der Gedanke an einen "trimedialen Newsroom" an der FH nicht weit. Aber: Noch ist das nur ein Gedanke. (fid, DER STANDARD, 6.8.2013)

  • Plant Studiengang Digital Business und Lehrgänge für Mobile Marketing sowie Creative Management: Reinhard Christl, neuer Departmentchef in Sankt Pölten.
    foto: fh

    Plant Studiengang Digital Business und Lehrgänge für Mobile Marketing sowie Creative Management: Reinhard Christl, neuer Departmentchef in Sankt Pölten.

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