Tauch-Großeinsatz gegen eine drohende Umweltkatastrophe

5. August 2013, 18:09
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Pumpen, bevor das Schiff auf dem Meeresgrund zerfällt: In einer riskanten Bergungsaktion versuchen Taucher vor der Ostseeinsel Bornholm, Treibstofföl aus einem zehn Jahre alten Wrack zu löschen

Kopenhagen - Mit 66.000 Tonnen Düngemittel und vollen Treibstofftanks war das chinesische Frachtschiff Fu Shan Hai am 30. Mai 2003 aus dem lettischen Hafen Ventspils in die Ostsee ausgelaufen. Bei guter Sicht und klarer See kollidierte sie am Folgetag nördlich der dänischen Ostseeinsel Bornholm mit dem polnischen Containerschiff Gdynia und sank 70 Meter in die Tiefe. Beide Schiffe hatten stundenlangen Sichtkontakt gehabt, waren einander trotzdem nicht ausgewichen.

Geschätzte 1000 Tonnen Treibstofföl leckten damals aus und verursachte einen zehn Kilometer langen Ölfilm an den nahegelegenen Küsten.

Alles wurde saniert; die unter zypriotischer Flagge reisenden Polen mussten wegen Unachtsamkeit eine hohe Strafe zahlen. Doch seit nun zehn Jahren gilt das chinesische Wrack als eine tickende Zeitbombe. Zwischen 250 und 300 Kubikmeter Treibstoff- und Schmieröl blieben in den Tanks. Diese sollen nun in einem der größten und riskantesten Tauchereinsätze der dänischen Seefahrtsgeschichte entfernt werden.

24-Stunden-Schichtbetrieb

13 Hochseetaucher arbeiten derzeit, mit Unterstützung der dänischen Marine und Unterwasserrobotern, im 24-Stunden-Schichtbetrieb daran, verbleibende Ölreservoirs im Wrack ausfindig zu machen. Zudem müssen geeignete Anschlusspunkte gefunden werden, an denen die Taucher Schläuche anschließen können, um das Restöl abzupumpen, bevor es sich durch die altersbedingte Zersetzung des Wracks ins Meer ergießt. Die Suche sei nicht einfach. Das Schiff ist 225 Meter lang und 33 Meter breit, erklärten Taucher dänischen TV-Teams, die von der Aktion berichten. Der Einsatz kostet rund 25.000 dänische Kronen (3353 Euro) pro Tag.

Erste Erfolge

Erste Erfolge gibt es schon: Rund 200 Liter Schmieröl konnten geborgen werden. Am Sonntag wurden auch die ersten 20 Kubikmeter Motoröl auf ein Tankschiff gepumpt, verkündete Bergungskapitän Frank Rasmussen im dänischen TV2 nicht ohne Stolz. Zwei bis drei Wochen sollen die Bergungsaktionen noch dauern. Sicher ist man sich jedoch nicht. "Wie lange es dauert, liegt an den Wetterbedingungen und der Konsistenz des Öls, das wir vorfinden. Ich gehe davon aus, dass die Bergung den ganzen August dauern könnte", sagte Jesper Rasmussen von der dänischen Marine. "Es ist sehr kalt im Wasser, und wir wissen nicht, wie dickflüssig das Öl aus den drei Tanks teilweise ist und ob alles wirklich abpumpbar ist" , sagt auch Marinesprecher Kent Hansen.

Umweltorganisationen forderten seit 2003 immer wieder, dass Dänemark das restliche Öl im Wrack abpumpt. Dieses bewege sich ständig auf dem Meeresgrund durch die Strömungen, und es sei nur eine Frage der Zeit, bis alles auslaufe, so deren Argumentation. Doch erst nachdem 2010 eine neue Öllache oberhalb des Wracks gefunden worden war, reagierte die Regierung.

Drei neue Bergeschiffe

Bei der Ölkatastrophe von 2003 wurde ein Großteil des Öls von Sanierungsschiffen aus Deutschland, Schweden und Dänemark abgetragen. Zudem bestellte die dänische Küstenwache damals aufgrund der Katastrophe drei neue deutlich größere Schiffe zur akuten Sanierung von Ölverschmutzungen und um auch größere, sinkende Schiffe mit ausleckender Ladung besser abschleppen zu können. (André Anwar, DER STANDARD, 6.8.2013)

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    31. Mai 2003: Der chinesische Frachter Fu Shan Hai sinkt rund 7,5 Kilometer nördlich der Insel Bornholm. Jetzt muss in einer Großaktion das restliche Öl aus dem Wrack geborgen werden.

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