Mozillas Firefox OS: Viel Smartphone fürs Geld

5. August 2013, 14:25
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In Spanien wird das Firefox-Smartphone von ZTE bereits verkauft - Für den Spotpreis von 69 Euro

In Spanien wird es von Telefonica bereits verkauft das Firefox-Smartphone vom chinesischen Hersteller ZTE und zwar für den Spotpreis von 69 Euro. Enthalten sind in diesem Preis bereits 30 Euro Prepaid-Guthaben. Für das Geld kann man eigentlich nicht viel erwarten. Umso überraschender ist: Das Gerät ist sehr solide verarbeitet. Nichts klappert, der Batteriedeckel sitzt fest. Sicher, der Touchscreen ist nicht der sensibelste, und mit Wischbewegungen lässt sich nichts vergrößern oder verkleinern, aber für 69 Euro kann man jetzt auch kein iPhone-Niveau erwarten. Selbst ein Mittelklasse-Smartphone würde ja schon locker das fünffache kosten.Immerhin, und das ist entscheidend: Auf dem Firefox Gerät können alle Apps geladen werden, die das Netz so bietet.

Das Prinzip der Web-Apps

Zentral bei Firefox OS ist das Konzept der Web-Apps. Anders als die Apps auf iPhone oder Android-Smartphones sind das keine spezielle für diese Plattform entwickelten Anwendungen, sondern Apps, die Webtechnologien wie HTML und Javascript nutzen. Dadurch sind die Apps prinzipiell auf allen Smartphones einsetzbar - und der Nutzer ist nicht an ein Ökosystem gebunden. Einzelne Apps für Firefox OS gibt es im eigenen App Store allerdings auch - der Firefox-App-Store heißt Marketplace.

Der Nachteil der Web-Apps: Noch laufen sie nicht so schnell und reibungslos wie sogenannte native Apps, wie sie auf Googles mobilem System Android und Apples iOS üblich sind. Die Apps sind im Grunde nichts weiter als Links auf Webinhalte, die aber auf dem Gerät gespeichert werden, sobald die Web-App auf dem Homescreen abgelegt wurde. Dadurch stehen sie auch zur Verfügung, wenn das Smartphone nicht mit dem Internet verbunden ist. Ist das Gerät online, werden die Inhalte aktualisiert. Die Web-Apps wirken vom Verhalten her wie Websites - nur die Optik wurde jeweils vom Anbieter der App angepasst. Die Web-Apps von Nachrichtenseiten erscheinen so beispielsweise ohne Browserfenster.

Für den Firefox Smartphone-Nutzer heißt das aber auch, dass er auf eine stabile und schnelle Verbindung zum mobilen Internet angewiesen ist, sonst kann der Zug schon abgefahren sein, ehe die Bahn-App sich geöffnet hat. Und Achtung: das Firefox-Smartphone verbraucht mehr Daten, als seine Artgenossen mit Android oder iOS, die Datenflat sollte monatlich mindestens ein Gigabyte groß sein.

Noch läuft auch nicht alles rund: Die Twitter-App reagierte gar nicht, ein Login scheiterte. Der Marketplace ließ sich nach mehrfachen Aufrufen plötzlich nicht mehr öffnen. Die Facebook-App funktionierte dagegen - durch die Web-Technologie handelt es sich aber nicht um viel mehr als eine Art Bookmark auf die mobile Facebook-Website. Der vorinstallierte Kalender ist gut zu bedienen, außerdem gibt es unter anderem einen einfachen Taschenrechner, eine Wikipedia-App, eine Musik-App, ein Videospieler und sogar eine UKW-Radio-App, mit der sich bei eingestöpselten Kopfhörern Radio hören lässt.

Firefox-Smartphone scheitert an Googles Web-Programmen

Die vorinstallierte Karten-App ist Nokias Here Map. Dahinter steckt die von Nokia aufgekaufte Navteq-Technik. Das Katenmaterial ist dementsprechend solide. Die Bedienung kann mit Google oder Apple Maps zwar nicht mithalten - als grobe Orientierung reicht die virtuelle Karte aber allemal. Für eine der beliebtesten Web-Apps überhaupt - Google Drive, über das online Dokumente bearbeitet werden - reichte die Power des Geräts leider nicht. Mit etwas Geduld konnte zwar ein Dokument via Firefox-Browser geladen und damit auch gelesen werden - das Bearbeiten eines Textdokuments erwies sich jedoch als unmöglich. Irgendwann war das Gerät völlig überfordert und zeigte nur Fehlermeldungen in dem Browser an. Das Abspielen von Youtube-Videos dagegen bereitete dem Smartphone-Zwerg keinerlei Probleme. Selbst der Klang ist in Ordnung. Die eingebaute Kamera reicht für Schnappschüsse - mehr nicht. Insbesondere bei mäßigen Lichtverhältnissen lässt die Fotoqualität schnell sehr stark nach.

Einstiegs- oder Zweitgerät

Kein Besitzer eines HTC One, Galaxy S4 oder iPhone 5 wird sein Gerät gegen ein ZTE Open tauschen wollen. Aber wer einen wirklich günstigen Einstieg in die Smartphone-Welt sucht, kann getrost zugreifen - insbesondere weil man das kleine Gerät allein schon aufgrund seiner niedlichen aber wertigen Anmutung schnell lieb gewinnt - auch wenn es immer mal wieder murrt und zuckt.

Sehr gut eignet sich das ZTE Open aber auch als Zweitgerät, etwa beim Sport oder Aktivitäten, bei denen man sein teureres Smartphone schnell verlieren oder beschädigen könnte. Im Zweifel hat man fast alle Informationen zu Hand. (ARCHIBALD PREUSCHAT und STEPHAN DÖRNER, WSJ.de/derStandard.at, 05.08. 2013)

 

  • Die Idee hinter Firefox OS von der Mozilla-Stiftung, die auch hinter dem bekannten Open-Source-Browser steht: Ein mobiles Betriebssystem schaffen, dass allein auf offener Web-Technologie wie HTML und Javascript basiert. Dadurch laufen die für Firefox entwickelten Apps prinzipiell auch auf anderen Geräten wie iPhone oder Android-Smartphones.
Wann die ersten Firefox-OS Handys in Österreich auf den Markt kommen, steht noch nicht fest.
    foto: ap

    Die Idee hinter Firefox OS von der Mozilla-Stiftung, die auch hinter dem bekannten Open-Source-Browser steht: Ein mobiles Betriebssystem schaffen, dass allein auf offener Web-Technologie wie HTML und Javascript basiert. Dadurch laufen die für Firefox entwickelten Apps prinzipiell auch auf anderen Geräten wie iPhone oder Android-Smartphones.

    Wann die ersten Firefox-OS Handys in Österreich auf den Markt kommen, steht noch nicht fest.

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