Streit um Fischgründe: Spanien droht Gibraltar mit Vergeltung

5. August 2013, 07:55
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Zu Großbritannien gehörendes Gibraltar verärgerte Madrid mit Bemühungen, ein künstliches Riff zu errichten

Madrid/Gibraltar - Zwischen Spanien und dem zu Großbritannien gehörenden Gibraltar eskaliert ein Streit über Fischgründe. Der spanische Außenminister Jose Manuel Garcia-Margallo drohte in einem am Sonntag veröffentlichten Zeitungsinterview mit Vergeltungsmaßnahmen. Seinen Worten zufolge wird für Grenzübertritte eine Gebühr von 50 Euro erwogen, die vor allem Touristen und in Spanien arbeitende Einwohner Gibraltars treffen würde.

Außerdem könnten Tausenden von Einwohnern Gibraltars Steuerprüfungen blühen, wenn sie Grund und Boden in Spanien besitzen, sagte Garcia-Margallo dem Blatt "ABC". Auch eine Schließung des Luftraums für Maschinen, die den Flughafen in Gibraltar ansteuern, sei eine Möglichkeit.

Kontrollen nach Gibraltar verschärft

Die aktuellen Spannungen begannen vor zehn Tagen, als Schiffe vor Gibraltar Betonblöcke ins Wasser ließen, um ein künstliches Riff zu errichten. Spanien reagierte darauf verärgert, weil damit die eigenen Fischerboote ferngehalten würden. In einer ersten Reaktion wurden die Kontrollen an der Grenze nach Gibraltar verschärft, was dort zu langen Warteschlangen führte. Großbritannien bezeichnete dies als nicht gerechtfertigt, das Außenministerium bestellte den spanischen Botschafter ein. Gibraltar beschwerte sich bei der EU-Kommission.

Der konservative spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy fährt einen härteren Kurs in der Gibraltar-Politik als die sozialistische Vorgängerregierung. "Die Party ist vorbei", sagte Außenminister Garcia-Margallo nun. Gibraltar steht seit 300 Jahren unter britischer Souveränität. Spanien macht Großbritannien das Gebiet am Südzipfel der Iberischen Halbinsel allerdings streitig. In Gibraltar leben rund 30.000 Menschen. In der Steueroase haben sich insbesondere Banken und Anbieter von Internet-Glücksspielen angesiedelt. Ferner spielt der Tourismus eine große Rolle.

Cameron "äußerst besorgt"

Der britische Premierminister David Cameron hat sich "äußerst besorgt" über Berichte geäußert, denen zufolge Spanien Zwangsmaßnahmen gegenüber dem britischen Gebiet Gibraltar in Erwägung zieht. "Wir erwarten eine Erklärung von ihnen (der spanischen Regierung)", sagte ein Sprecher von Cameron am Montag in London. (APA, 5.8.2013)

  • Ende Juli wurden Betonblöcke ins Wasser gelassen. Die Folge ist ein Streit zwischen Spanien und Gibraltar.
    foto: epa

    Ende Juli wurden Betonblöcke ins Wasser gelassen. Die Folge ist ein Streit zwischen Spanien und Gibraltar.

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