Schläfrig gegen die Leitplanke

5. August 2013, 07:43
14 Postings

Eine EU-Studie ermittelt, wie Autofahrer mit dem Problem Müdigkeit umgehen - Vom Sekundenschlaf sind besonders Heimreisende gefährdet

Der Präsident der österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin will Datenrealität schaffen. Wie viele Autofahrer ignorieren die Müdigkeit am Steuer, ist die zentrale Frage für Wolfgang Mallin vom steirischen Landeskrankenhaus Hörgas-Enzenbach. Im Rahmen einer EU-Initiative ruft er zum Mitmachen bei einer eben angelaufenen Umfrage auf. "Der Online-Fragebogen ist anonym. Wir wissen, dass kaum jemand Müdigkeit zugibt", sagt er - in Polizeiberichten scheint Müdigkeit als Unfallursache kaum auf, Mallin will feststellen, ob das der Realität entspricht.

In der Hauptreisezeit ist die Gefahr des Einschlafens am Steuer besonders groß, "vor allem nachts", so Mallin. Eine weite Fahrt, Staus oder der Drang, endlich heimzukommen, lassen Autofahrer Anzeichen von Müdigkeit ignorieren - konkret also häufiges Augenblinzeln und -reiben sowie das Aufreißen des Autofensters, um durch die frische Luft aufzuwachen. "Dann sollte jeder Autofahrer dringend auf einen Rastplatz", rät Mallin, optimalerweise, um die Nacht in einem Hotel zu verbringen. Doch der Schlafmediziner weiß auch: Die meisten müden Autofahrer in dieser Situation wollen sich kein Zimmer leisten.

Risikogruppen erfassen

Doch nicht nur Heimreisende, sondern auch Menschen mit chronischen Schlafstörungen wie zum Beispiel junge Mütter seien massiv vom Sekundenschlaf am Steuer gefährdet, berichtet Mallin und hofft, durch die Umfrage auch noch andere Risikogruppen zu erfassen. "Es geht um Awareness, wir wollen die Menschen warnen", sagt er. Auch das Lautstellen des Radios ist ein Vorzeichen oder der starre Blick, der einen vergessen lässt, was die letzten drei Kilometer passiert ist.

Gegenmittel Helfen Kaffee oder Energydrinks? "Es sind schon Leute am Steuer eingeschlafen, noch bevor das Koffein zu wirken begonnen hat", sagt Mallin - zudem halte der Effekt meist nicht lange an. Mallin rät deshalb, bei aufkommender Müdigkeit einen Kurzschlaf einzulegen. "Ein Powernap sollte nie länger als 30 Minu- ten dauern, denn dann beginnt die Tiefschlafphase, aus der man nicht so schnell wieder rauskommt." Wer müde weiterfährt, riskiert nicht nur das eigene, sondern auch das Leben vieler anderer. (Karin Pollack, DER STANDARD, 5.8.2013)

  • Selten geht ein Sekundenschlaf glimpflich vorüber.

    Selten geht ein Sekundenschlaf glimpflich vorüber.

Share if you care.