Heiß, heißer, Dellach

4. August 2013, 18:29
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39,9 Grad Celsius wurden in Österreich noch nie gemessen

Endlich wieder ein Sommer, wie er früher einmal war. Oder eigentlich: wie er nicht einmal früher war. Denn 39,9 Grad Celsius wurden in Österreich seit der Zeit, als Wetterkundler begannen, die Tageshöchstwerte für die Nachwelt zu dokumentieren, noch nie gemessen. Und das geht immerhin schon seit rund 130 Jahren so. Heimischer Hitzepol ist Dellach im Kärntner Drautal – nicht zu verwechseln mit Dellach im Gailtal, auch in Kärnten.

Schon der bisherige Hitzerekord mit 39,7 Grad stammte aus Dellach im Bezirk Spittal an der Drau, abgelesen am 27. Juli 1983. Weil dieser Wert aber stark von den Höchstwerten in der näheren Umgebung abwich, wurde er in Meteorologenkreisen oft angezweifelt. Damit dürfte jetzt wohl Schluss sein.

Herrscher am Hitzepol ist Johannes Pirker. Beim Dellacher Bürgermeister (ÖVP) liefen nach dem neuerlichen Schönwettermaximum natürlich auch die Telefone heiß. Auf Anfrage des Standard macht er die Talverengung in seiner Heimat verantwortlich, "wo sich eben die Hitze staut". Und: "die Nähe zu Italien", wo Österreicher seit Urlaubsurzeiten mehr Sonnenschein als daheim suchen und finden.

Wer weiß, vielleicht kommen ja jetzt auch von drüben mehr Feriengäste in die 1645-Einwohner-Gemeinde. Der Bürgermeister wüsste schon, wo es sich abkühlen ließe: Im Dellacher Er­lebnis-Freibad mit der 40-Meter-Rutsche beispielsweise, oder im unterirdischen Heilklimastollen des offiziellen Luftkurortes.

Unter der Erde lag überhaupt lange das Glück der Gemeinde. Heute erinnern nur mehr die fünf Bergbauzeichen im Dellacher Wappen an die montanistische Vergangenheit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren im Drautal Quecksilber, Gold und Nickel die Garanten für eine florierende Wirtschaft. Heute lebt die Gemeinde in erster Linie von Tourismus und Holzwirtschaft. Ein wichtiger Arbeitgeber ist auch die Firma Europlast, die Container und andere Plastikbehälter herstellt.

Laut Meteorologen besteht übrigens die Chance, dass im Verlauf dieser Woche noch der lächerliche Zehntelgrad, das Österreich vom 40er trennt, überwunden werden könnte. Und im Drautaler Dellach könnte durchaus der Hattrick gelingen. Bürgermeister Pirker hat jedenfalls schon genug geschwitzt. Er will Petrus zwar keine Wettervorschriften machen, aber eine Emp­fehlung gen Himmel hat er schon parat: "Regen bringt Segen." (Michael Simoner/DER STANDARD, 5.8.2013)

 

  • Die Spitze des Hitzepols in Dellach im Drautal.
    foto: der standard

    Die Spitze des Hitzepols in Dellach im Drautal.

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