Güssinger Biomassewerk dürfte fortgeführt werden

4. August 2013, 17:17
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Wenn dem so wäre, hat Österreich dann bis nach der Wahl Zeit, sich die Sache mit der Ökoenergie durch den Kopf gehen zu lassen

Güssing - Heute, Montag, ist ein Hopp-oder-dropp-Tag für das Hauptstadterl heimischer Ökoenergie-Bestrebungen. Aber die Einschätzungen zwischen Kittsee und Kalch scheinen einmütig darauf hinzudeuten, dass Michael Dichand bis dahin doch den nötigen sechsstelligen Eurobetrag aufgestellt haben wird. Und damit könnte das insolvente Biomassekraftwerk im burgenländischen Güssing (BKG) bis Oktober fortgeführt werden.

Dichand, der seit eh und je bio- und ökoaffine Sohn des verstorbenen Krone-Gründers Hans, ist über seine Care Beteiligungs GmbH seit langem engagiert und investiert im "Güssinger Konglomerat", wie Günter Perner - der Chef des landeseigenen Fördergebers Wibag - es ein wenig despektierlich nennt.

Güssinger Angelpunkt

Die von der Landesregierung via Wibag beauftragte Einschau durch die Wirtschaftprüfer Anton Androsch und Hermann Gugler hat sich tatsächlich einem ziemlich verwobenen Firmennetzwerk zu widmen gehabt, in dem der Mister Güssing, Reinhard Koch, der in jedem Unternehmen als Gesellschafter auftauchender Dreh- und Angelpunkt ist. Er hat dieses Projekt ins Leben gerufen und am Laufen gehalten.

So mancher Prüfauftrag - Androsch und Gugler waren ja nicht die Ersten, die Nachschau hielten - galt dem Versuch des Nachweises von eklatantem Fördermissbrauch durch diesen Reinhard Koch. Aber weder Wibag noch Finanzamt noch Androsch und Gugler konnten Einschlägiges dingfest machen. Perner: "Kein allfälliger Verdacht gegen Koch konnte erhärtet werden."

Stattdessen wurde ein anderer Verdacht erhärtet: dass es Österreich mit seinem Forschungswollen nicht so ernst nimmt. Die Insolvenz der Biomassekraftwerk Güssing GmbH kam ja zustande, weil das zuständige Finanzamt Oberwart die Forschungsförderprämie - rückwirkend auf zwei Jahre - gestrichen hat. Das summierte sich zum Betriebsfehlbetrag von 660.000 Euro.

Eine informierte Beobachterin meinte zum Standard, dass diese tödliche Streichung sozusagen nur die rechte mit der linken Tasche bedient. "Was Finanzministerin Maria Fekter sich mit Güssing erspart, fließt 1:1 in die Staatsbank Hypo Alpe Adria", den Hauptfinanzier der Burgenländer.

Die Finanzministerin wird in ihrer Entscheidung gestützt durch ein Gutachten der Forschungs-Förderungs Gesellschaft (FFG), einer Konsultationsfirma von Wirtschafts- und Infrastrukturministerium. Auch die FFG sprach - "in einem achtzeiligen Schreiben", so die Beobachterin - Güssing die Förderwürdigkeit ab. Wodurch der bisherige Mitfinancier zum Gläubiger mutierte. Die FFG hängt mit einem Darlehen von 2,8 Millionen im BKG drinnen. Warum sie die Förderwürdigkeit abgesprochen hat, war nicht zu eruieren. Es ist Sommer, die freundliche Dame am Telefon meinte: "Sie sind von der Zeitung? Dann darf ich schon gar nichts sagen."

Rotes Güssing

Im Herbst 2012 hat Vinzenz Knor die schwarze Hochburg Güssing in eine absolute rote Stadtregierung gedreht. Seither pfeifen die Spatzen das nunmehr Eingetretene von den Dächern. Die Biomasseforschung galt seit jeher als schwarz (während die Windenergie rot ist). Als Arnold Schwarzenegger vor zwei Jahren da war, nutzte man das kindisch zu einer ostentativen Nichteinladung für den roten Landeshauptmann Hans Niessl, dessen vordringlichste Agenda seit langem die erneuerbare Energie ist.

Würde sich heute, Montag, der Ausgleich zum Konkurs auswachsen, wäre - so warnen die Wirtschaftsprüfer - davon vor allem das Technikum betroffen, in dem 25 Wissenschafter die Verwendungsmöglicheiten des Biogases erforschen. Und die Bio SNG, in deren Anlage erstmals Biogas in Erdgasreinheit hergestellt worden ist. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 5.8.2013)

  • Die alte Burg und das insolvente Kraftwerk. Beide stellen die Frage nach der Möglichkeit einer Energiewende.
    foto: standard/fischer

    Die alte Burg und das insolvente Kraftwerk. Beide stellen die Frage nach der Möglichkeit einer Energiewende.

  • Das Kraftwerk ist, sagen die Wirtschaftsprüfer, das Herzstück der Forschung.
    foto: standard

    Das Kraftwerk ist, sagen die Wirtschaftsprüfer, das Herzstück der Forschung.

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